Die Premium-Hersteller bauen Mist – lassen wir uns nicht alles gefallen! (Kommentar)

Sebastian Trepesch 11

Kopfhörer, die die Lautstärke-Einstellung des Smartphones außer Kraft setzen. iPhone-Speichersticks, die vor Verwendung ein Firmware-Update mit einem Windows-PC benötigen. Bekommen die Hersteller ihre Technik nicht mehr vernünftig in den Griff?

Die Premium-Hersteller bauen Mist – lassen wir uns nicht alles gefallen! (Kommentar)

Wer billig kauft, kauft zweimal, heißt es so schön. Und im Redaktionsalltag lassen sich – abgesehen von ein paar Preishighlights – immer wieder Beispiele für diese Floskel finden. Doch auch Käufer von teuren Produkten müssen sich oft genug mit unzureichend durchdachten oder unfertigen Produkten herumärgern. Von den Early Adopters, die zu Marktstart von Produkten einen vergleichsweise hohen Preis zahlen, wird viel Leidenschaft und Geduld abverlangt.

Zu wenig Sorgfalt auch bei Premium-Hersteller  

Dass Computer nie 100 Prozent zuverlässig arbeiten, das wissen wir, seit es Computer gibt. Mit Smartphones und Tablets hat sich da nichts geändert, leider. Zu komplex sind die Systeme.

Doch in jedem kleinen Zubehör steckt mittlerweile viel Technik, zu viel: Mir scheint, die Hersteller bekommen ihre Produkte nicht mehr in den Griff. Wir bekommen Testexemplare in die Redaktion, die kurz vor Marktstart stehen oder sogar schon im Handel sind – und zentrale Funktionen laufen nicht. Drei Beispiele aus jüngster Vergangenheit:

  • Ein Bluetooth-Lautsprecher aus dem besseren Segment verbindet sich nicht mit der zugehörigen App, über die sich Sonderfunktionen aufrufen lassen.
  • Die Lautstärke eines Bluetooth-Kopfhörers, 250-Euro-Klasse, lässt sich weder über Fernbedienung noch direkt am Smartphone verstellen.
  • Ein Speicherstick wird am iPhone nicht erkannt, ein anderer möchte erst ein Update über einen Windows-Rechner.

Im Falle einer optionalen App-Anbindung mag das noch verkraftbar sein, im Falle des oben genannten Kopfhörers geht das natürlich gar nicht. Besonders ärgerlich, wenn solche Fälle erst nach Wochen oder Monaten, zum Beispiel nach einem App- oder System-Update, auftreten.

Für uns schwierig: Bei Smartphone-Zubehör ist nicht immer eindeutig, ob der Schuldige das Handy-System oder das getesteten Zubehör ist. Wir müssen auf Fehlersuche gehen, die einiges an Arbeits- und/oder Freizeit frisst.  Zudem testen wir Produkte am liebsten noch vor Marktstart. Die Hersteller können sich herausreden, dass ein Update die Fehler noch rechtzeitig ausmerzen wird. Wir müssen dann abwarten, ob das so stimmt oder nicht.

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Lassen wir uns nicht (mehr) alles gefallen

Apple und Google spornt nicht zuletzt der Konkurrenzkampf an, ihre Betriebssysteme mit möglichst wenig groben Fehlern bereitzustellen. Sogar der iPhone-Hersteller setzt mittlerweile sicherheitshalber – und allen Geheimhaltungstraditionen zum Trotze – auf eine ausgiebige Betaphase. Zubehörhersteller stehen nicht so extrem im Rampenlicht, müssen sich aber gegenüber vielen Konkurrenten behaupten.

Das ist die Chance für Tester und Verbraucher – aber natürlich auch für die Hersteller. Wir müssen die herausfinden, die zuverlässig arbeiten. 

Ihr dürftet wissen, dass wir ein Testprodukt auch mal in die Pfanne hauen, wenn es nichts taugt. Zeichnet sich das schon relativ schnell ab, wollen wir uns aber gar nicht erst die Zeit für einen ausführlichen Test nehmen – da muss gar keiner erst erfahren, dass es das Produkt gibt. In Zukunft sollten wir da wohl noch rigoroser vorgehen: Gab es schon zwei, drei Probleme mit Zubehörprodukten eines bestimmten Herstellers, sollten wir es uns zweimal überlegen, ob wir uns die Zeit für einen weiteren Test nehmen wollen. Und statt eine zweite Chance mit Firmware-Update oder ähnlichem zu vergeben, wäre Abstrafen im Testurteil oder das sofortige Zurückschicken wohl konsequenter. 

Auch als Konsumenten sollten wir alle uns nichts gefallen lassen. Die Rücksendung oder Rückgabe im Geschäft, sofern möglich, ist in größeren Mengen für den Hersteller sicher die unangenehmste beziehungsweise teuerste Art der Beschwerde. Die Bewertungen auf Händlerseiten sind ein weiteres, probates Mittel, um zumindest andere Interessenten vom Kauf abzuhalten. Ähnliches gilt für die Social-Media-Auftritte der Marken.

Billigproduzenten können (oder müssen) sich mehr Fehler erlauben, aber von den Premium-Herstellern wollen wir ordentlich funktionierende Produkte erwarten. Die technischen Daten sind nicht alles, was zählt!

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