Der DVD-Verleih Lovefilm wechselt seinen Status immer mal wieder zwischen eigenem Auftritt und Amazon-Anhängsel. Wer länger dabei ist, empfand jeden Wechsel als Rückschritt. Doch nun behandelt uns Amazon endgültig wie Kinder und verweigert den Versand von FSK18-Filmen.

 

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Wer heute einen FSK18-Film ausleihen will, dem geht es in den seltensten Fällen um „Frau Wirtin und ihre Töchter“. Er will viel eher Schwarzenegger in „The Last Stand“ sehen oder eine unzensierte Version der US-Serie Hannibal genießen. Das ist eigentlich auch kein Problem. Zumindest dann nicht, wenn man diese DVDs kauft oder Kunde bei einem anderen Videoverleih als Amazons Lovefilm ist. Denn die Amazon-Kunden haben gerade eine E-Mail bekommen. Und die schlägt dem Fass den Boden aus!

Amazon, Lovefilm, FSK18 und die Bevormundung

Als Lovefilm noch Lovefilm war, da wurde es schon etwas albern. Als erwachsender Kunde bekam man mitgeteilt, dass das Ausliehen von Filmen mit FSK18 nur möglich sei, wenn man sich über das PostIdent-Verfahren als Erwachsener legitimieren würde. Dann wechselte Lovefilm wieder zu Amazon und da wurde es absolut kindisch. Denn plötzlich hieß es, das anerkannte und von allen Konkurrenten genutzte PostIdent sei nicht sicher genug und deshalb müsste man die Kunden nun die bestellten FSK18-Filme persönlich vom Postboten entgegennehmen, sich dabei jedes Mal ausweisen und unterschreiben. Wer nicht zuhause ist, muss zum Postamt und den Ausweis mitnehmen.

Nicht genug damit, dass man vom Postboten immer wieder seltsam angeguckt und für einen zwanghaften Pornokonsumenten gehalten wird - die Kunden aller anderen Videoverleihe können da nur hämisch kichern.

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Ab Januar 2015 hat Amazon Lovefilm keine FSK18-Titel mehr im Verleih!

Anfang Dezember platzte die nächste Lovefilm-Bombe. In einer kurz gehaltenen E-Mail bekamen die Kunden mitgeteilt, dass man „Veränderungen am Katalog durchführen“ wolle. Nach dieser Veränderung gibt es im gesamten Amazon-Leihangebot keine FSK18-DVDs und Blu-Ray mehr! Ab Januar 2015 dürfen wir nur noch FSK16 sehen.

Dieses Mal ist Amazon beim Rechnen wohl aufgefallen, wie schwachsinnig die Aktion war, bei jedem FSK18-Versand auf eine Unterschrift zu bestehen. Denn das kostet jedes Mal extra Portogebühren. Und so heißt es in der Mail:

„Aufgrund der hohen Portokosten für den Spezialversand von FSK 18-Titeln mit persönlicher Quittierung der Lieferung ist es uns nicht möglich diese Discs kostengünstig anzubieten. Sofern verfügbar, werden wir die FSK 16-Versionen der Titel aufstocken.“

Ja vielen Dank auch! Da darf man sich als Amazon-Kunde auf jede Menge Zeitersparnis freuen, da jetzt ein beträchtlicher Teil der interessanten Filme etliche Minuten kürzer ausfallen wird. Vermutlich wird dafür kein Verantwortlicher gefeuert und man denkt auch nicht darüber nach, auf das gesetzlich zulässige PostIdent zurückzuschalten. Nein, man darf sich jetzt nur noch jugendfreie Versionen angucken - wenn es sie gibt. Ansonsten kann man die DVD ja immer noch bei Amazon kaufen.

Interessanterweise gibt es dieses Problem beim Streaming nicht. Amazon Instant Video wird weiterhin FSK18-Filme zeigen und auch auf dem Amazon Fire TV kann man die Filme sehen. Dazu muss man lediglich eine vierstellige PIN eingeben und schon geht's los. Die wird der Nachwuchs ja sicher nie herausfinden...

Da man aber auch weiß, dass Amazon nichts ohne Grund tut, suche ich den hier noch. Die Rückintegration von Lovefilm zu Amazon war sicher dem Streaming-Dienst und dem Fire TV geschuldet. Ist diese FSK18-Sperre nun der Versuch, auch noch die letzten Verleih-Kunden zu vergraulen und nur noch zu streamen?

Übrigens gibt es bei, Amazon-Verleih keine großen Kündigungsfristen. Man kann jeden Monat aussteigen...