Offizielle Stellungnahme: Haben Ring-Mitarbeiter Kunden in Echtzeit ausspioniert?

Simon Stich 1

Wer überwacht hier eigentlich wen? Der zu Amazon gehörende Hersteller einer smarten Türklingel soll seinen Mitarbeitern in der Ukraine einen Echtzeit-Zugriff auf Kameras der Kunden gegeben haben. Nun hat das Unternehmen eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht.

Offizielle Stellungnahme: Haben Ring-Mitarbeiter Kunden in Echtzeit ausspioniert?
Bildquelle: Ring .

Ring: Private Videos für Mitarbeiter zugänglich?

Update vom 12.01.2019, 08:25 Uhr: Ring hat uns eine offizielle Stellungnahme zugeschickt. Im ersten Part wird nur das bestätigt, was wir im zweiten Teil des Artikels geschrieben. Zusammengefasst: Ring nimmt den Schutz und die Sicherheit der persönlichen Daten seiner Kunden sehr ernst. Um den Service zu verbessern, werden bestimmte Videoaufnahmen analysiert – aber nur, wenn Kunden vorher explizit schriftlich zugestimmt haben. Ring-Mitarbeiter haben keinen Zugriff auf Livestreams, es gibt strikte Richtlinien, hohe ethische Standards und eine Null-Toleranz-Politik, wenn das System missbraucht wird.

Zusätzlich wurde eine Ergänzung veröffentlicht: Es gab und gibt für die Mitarbeiter keinen Zugang zu Livestreams der Kundenkameras. Es gibt, wie oben bereits geschrieben, nur Zugriff auf Aufnahmen, die aus öffentlich zugänglichen Ring-Videos der Neighbors-App stammen. Außerdem nur dann weiteren Zugriff, wenn Ring-Kunden vorher ausdrücklich dem Zugriff auf die Aufnahmen zugestimmt haben.

Originalartikel:

Besitzer eines Alarmsystems von Ring könnten ohne ihr Wissen ausspioniert worden sein. Wie The Intercept berichtet, konnten Mitarbeiter des zu Amazon gehörigen Unternehmens Ring „rund um die Uhr“ und ungefiltert Videos ihrer Kunden anschauen – das sagt zumindest ein ehemaliger Angestellter von Ring. Neben Kameras, die das Geschehen vor der Haustür aufzeichnen, sollen auch im Haus installierte Kameras betroffen sein, heißt es.

Der Zugriff auf private Videoaufnahmen der Kunden soll extrem einfach gewesen sein. Die E-Mail-Adresse eines Kunden soll schon ausgereicht haben, um Zugriff auf Videos zu bekommen. Neben Livestreams sollen mutmaßlich auch alle jemals aufgezeichneten Videos in einem Kunden-Ordner auf der Amazon-AWS-S3-Cloud vorliegen. Mitarbeiter hätten sich also einfach durch jedes beliebige Video klicken können, was nicht nur während der Arbeitszeit geschehen sein soll. Die Videos sollen nicht anonymisiert vorliegen, sondern den entsprechenden Accounts einfach zugeordnet werden können.

So bewirbt Ring seine Kameras:

„Wir nehmen den Schutz und die Sicherheit der persönlichen Daten unserer Kunden sehr ernst“

Ring bestreitet die Anschuldigungen. Das Unternehmen verweist bislang lediglich darauf, dass ein Team „zu Forschungs- und Entwicklungszwecken“ in der Ukraine Videos „ausgewertet“ hätte. Dies soll zudem nur dann der Fall gewesen sein, wenn Kunden einem solchen Vorgehen vorab zugestimmt oder das Material selbst veröffentlicht hätten. Die Auswertung soll der Verbesserung der automatischen Erkennung von Personen und Objekten und keinesfalls der Spionage gedient haben. Ziel sei es gewesen, den eigenen Algorithmus zu verbessern. „Wir nehmen den Schutz und die Sicherheit der persönlichen Daten unserer Kunden sehr ernst“, heißt es.

Amazon hatte Ring im Februar 2018 für angeblich eine Milliarde US-Dollar übernommen. Ring stellt Videokameras, Türklingeln und weitere Geräte des Smart-Home-Bereichs her. Laut Amazon wurden die internen Sicherheitsvorkehrungen bei Ring im Mai 2018 „drastisch“ verschärft. Auf eine Verschlüsselung oder Anonymisierung der Videoaufnahmen wurde bislang aber verzichtet.

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