Amazon vernichtet Waren – und wir sind (auch) schuld!

Sven Kaulfuss 1

Ja ist es denn die Möglichkeit: Amazon entpuppt sich als „Umweltsau“, denn der Onlinehändler vernichtet in einer Welt der begrenzten Ressourcen massenweise täglich Neuware – so jüngst die Recherchen von Frontal 21 und der Wirtschaftswoche, wir berichteten. Wer jetzt schon den ersten Stein in der Hand hat, sollte mit dem Werfen noch abwarten. Es besteht Bruchgefahr im Glashaus.

Amazon vernichtet Waren – und wir sind (auch) schuld!
Bildquelle: gettyimages (SIphotography) und Amazon (Logo).

Es hört sich wie ein Posse an: Für Amazon rechnet es sich oftmals mehr, Waren – Retouren oder teils auch gänzlich noch neu und trotzdem unverkäuflich – zu vernichten, statt sie günstiger zu verkaufen oder gar zu spenden. Beispielsweise tritt gegenüber Marktplatzhändlern Amazon oftmals als Logistikpartner auf und „vermietet“ die Fläche im eigenen Lager. Bei Ladenhütern kann es da für besagte Händler schon günstiger sein, diese Ware von Amazon direkt vernichten zu lassen, statt sie anderweitig abzuwickeln. Für die Zerstörung hält Amazon natürlich auch noch mal die Hand auf. Lieber die Artikel spenden? Kommt drauf an, denn die müssen mit dem vollen Wert versteuert werden, für die Entsorgung fallen hingegen keine Steuern an. Ergo: Wegschmeißen ist tatsächlich günstiger als verschenken. Ist bei einem solchen, verschwenderischen Verhalten der Gesetzgeber gefragt?

3 Fragen an die Amazon-Kunden

Vielleicht, zumindest bei der steuerlichen Ungleichstellung der Spendenwaren könnte und sollte die Legislative endlich tätig werden. Allerdings sollte man den auf Amazon gerichteten Zeigefinger gleichfalls um 180 Grad drehen und auf sich selber zielen. Beantwortet einfach die folgenden Fragen ehrlich und aufrichtig:

  • Wie viel und vor allem was bestelle ich online?
    Muss ich den wirklich jeden Sc***ß bei Amazon bestellen, vor allem wenn man das Überangebot an Einzelhandelsgeschäften vor der Haustür hat? Entschuldigungen werden nur von vereinsamten Dorfbewohnern akzeptiert. Der Großstadt-Hipster jedoch sollte lieber sein Gesäß bewegen, sich aufs Rad schwingen und die Besorgungen in der Realwelt tätigen.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

  • Warum schicke ich die Ware überhaupt zurück?
    Mal wieder das falsche Produkt bestellt, weil du dich VORHER NICHT informiert hast. Verschiedene Testberichte lesen, Meinungen einholen? Kostet für dich zu viel Zeit, einfach stattdessen mal querbeet bestellen und den Rest bei Nichtgefallen zurückschicken, nicht wahr? Amazon hat seine Kunden verwöhnt, denn die Rückabwicklung ist einfach und komfortabel. Nur wer es zu sehr übertreibt, der fliegt tatsächlich aus dem Kundenstamm. Doch zuvor fällt erst mal jede Menge Warenmüll an.
  • Möchte ich schon mal versendete Ware als Neuware bekommen?
    Mal ehrlich, wenn wir ein Produkt bestellen, dann wollen wir gefälligst auch derjenige sein, der es „entjungfert“. Niemand sonst soll seine Hände am Objekt der Begierde legen. Ergo: Jede Retour ist für den Händler ein Verlustgeschäft und manchmal ist dann auch die direkte Entsorgung gleich billiger.

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Einkaufen bei Amazon: Diese 18 Tricks muss jeder kennen.

Konsequenz: Verantwortung erkennen

Fakt ist, wir leben noch immer in einer Wegwerfgesellschaft. Das Verhalten von Amazon mag man zu Recht verurteilen, doch wir können uns einer Mitschuld nicht entziehen. Unser Ego will alles, zu jeder Zeit frisch und billig. Ob bei Amazon oder beim Discounter um die Ecke. Auch der entsorgt täglich Lebensmittel auf den Müll – mit etwas Glück bekommt die Tafel was ab. Natürlich sollten und müssen die Konzerne in die Pflicht genommen werden, Verantwortung fängt jedoch bei uns Verbraucher an. Entweder direkt über einen bewussten und überlegten Einkauf oder indirekt über höhere Preise, die wir dann bereit sein müssen, zu zahlen. Denn die Kosten für die neuen hierfür notwendigen gesetzlichen Auflagen, die der Händler erfüllen muss, die legt er natürlich auf den Verkaufspreis um.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

Täglich bestellen Millionenen von Menschen bei Amazon, das riesige Internet-Kaufhaus ist aus den Köpfen vieler nicht mehr wegzudenken. Es gibt quasi nichts, was man nicht bei Amazon kaufen kann. Doch was weißt du über den größten Online-Händler der Welt? Teste dein Wissen mit diesem Quiz!

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