Amazon, warum lasst ihr mich nicht gehen? (Kommentar)

Stefan Bubeck 5

Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, bei Amazon eure personenbezogenen Daten oder gleich den ganzen Account zu löschen? Leider versteckt Amazon diese Optionen regelrecht vor seinen Kunden. Das sollte sich dringend ändern.

Amazon, warum lasst ihr mich nicht gehen? (Kommentar)
Bildquelle: Getty Images / PeJo29.

Amazons gute Auswahl, die schnelle Lieferung und die individuell angepassten Angebote fallen nicht vom Himmel, sondern sind das Ergebnis umfassender Auswertungen von Kundendaten. Wer hat was angeschaut, gekauft, empfohlen und so weiter – Amazon ist eben auch eine fleißige Datenkrake. Die eifrige Datensammlung und -auswertung sollte jedem Kunden bewusst sein – gegen sie richtet sich meine Kritik nicht, sie ist Mittel zum Zweck. Mir geht es um die Möglichkeit, aus diesem System zu entkommen.

Ich bin ein Kunde, holt mich hier raus

Denn wer seine kompletten Amazon-Daten mit einem Klick löschen möchte, findet dazu leider keinen Menüpunkt. Man kann zwar Bestellungen verbergen (bis zu 100 Stück) oder Alexa-Sprachbefehle entfernen – aber alles löschen, das ist nicht vorgesehen. Es ist offensichtlich, dass Amazon seinen Kunden die Hoheit über ihre Daten verweigert: Einsehen ja, löschen nein.

Wer gar sein Amazon-Konto löschen möchte (nicht nur abmelden), wird ohne Recherche wohl kaum die Lösung finden. Der einzige Weg raus aus Amazon ist eine Mail an den Kundenservice, der die Kündigung dann bestätigt. Da sind andere Dienste wie Facebook, Google oder Twitter einen kleinen (kundenfreundlichen) Schritt voraus.

Amazon will dich bei sich haben

Dieses Verstecken dermaßen wichtiger Optionen ist nicht angebracht und sollte sofort geändert werden. Wir haben das Recht darauf, dass Internetkonzerne uns und alles was sie über uns wissen, aus ihrem Speicher entfernen (Telemediengesetz, § 13, Pflichten des Diensteanbieters). Es wäre zu begrüßen, wenn dies offen und klar verständlich angeboten wird, statt den Kunden rätseln zu lassen. Amazon macht alles etwas komplizierter und verhindert so, dass sich die Kundschaft überhaupt mit solchen Gedanken befasst.

Wer in der Amazon-Hilfe nach „Konto löschen“ sucht, bekommt , aber nicht das, was er wirklich sucht: Eine Anleitung, wie man diese Löschung denn jetzt vornimmt. „Um Ihr Kundenkonto schließen zu lassen, setzen Sie sich bitte mit unserem Kundenservice in Verbindung“ ist da zu lesen. Kein Button, kein Link zum Kundenservice.

Amazon sollte sich als führender Online-Händler in Deutschland vorbildlich verhalten und unter dem Menüpunkt „Mein Konto“ diese zwei Unterpunkte einführen:

  1. Meine Aktivitäten (wie bei Google)
  2. Konto löschen (wie bei Tinder)

Amazon hat früher und besser als alle anderen Anbieter verstanden, dass Kundenzufriedenheit der Schlüssel zum Erfolg ist. Um das zu perfektionieren, gehört auch dazu, seinen Laden nicht aufzubauen wie eine Grube aus Treibsand. Denn wer drin steckt und strampeln muss, um wieder raus zu kommen, wird schreien und andere vor der Falle warnen: „Melde dich gar nicht erst an!“

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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