Die Kindergartenspiele von Amazon, Google und Apple: Was hat der Kunde davon?

Sven Kaulfuss

Konkurrenz belebt das Geschäft – gilt die alte Binsenweisheit auch heutzutage noch? Im Angesicht der kindischen Streitigkeiten zwischen Amazon, Google und Apple kommt man ins Grübeln. Der Kunde gilt am Ende darin nur noch als zu erlegende Beute.

 Die Kindergartenspiele von Amazon, Google und Apple: Was hat der Kunde davon?
Bildquelle: Getty Images / Janista.

Die IT-Firmen erzählen uns allzu gerne in Werbung und Öffentlichkeit von ihren Visionen, schlussendlich geht’s ihnen darum die Welt ein bisschen besser zu machen. Mit Verlaub: Was für ein Bullshit! In Wahrheit gilt es wie immer Umsatz und Gewinn zu machen, alle (erlaubten) Mittel sind da recht. Freunde gibt’s in der Branche auch nicht, maximal zeitweilig Verbündete im Kampf gegen den ausgemachten Wettbewerb. Ein Paradebeispiel für einen solchen Zickenkrieg ist der seit zwei Jahren andauernde Streit dreier ganz großer Helden der Technik-Branche – Amazon, Google und Apple.

Der Kindergarten-Krieg: Amazon vs. Google vs. Apple

2015 verbannte Amazon aus seinem „kleinen“ Onlineshop weltweit Apples „Apple TV“ und Googles „Chromecast“ – offiziell weil die Set-Top-Box und der Streaming-Stick Amazons Videodienst nicht unterstütze. Dabei stünde ein Support der Plattformen dem Onlinehändler offen, wurde später sogar zumindest für das Apple TV angekündigt und dieser Tage endlich auch umgesetzt. Allerdings auch nur zum Teil, denn die Amazon–App auf den Apple-TV unterstützt allein die Flatrate des Prime-Service, Einzelfilme und Serien lassen sich bewusst nicht direkt kaufen oder leihen. Warum? Andernfalls möchte Apple vom Verkauf etwas abhaben, dies schmeckt wiederum Amazon nicht – die knappe Marge möchte man nicht auch noch mit dem Mittbewerber teilen.

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Was ist das noch mal für ein Apple-Produkt? Hättet ihr es gewusst?

Derweil kündigt Google die Unterstützung von YouTube auf Amazon Echo Show und Fire TV auf, eben weil sich Amazon weigert die Google-Geräte (neben dem Chromecast gilt dies natürlich auch für die Google Home Lautsprecher) zu verkaufen. Lässt sich Amazon davon beeindrucken? Überraschenderweise wohl doch, denn zuletzt heißt es, Amazon würde einlenken und demnächst Apple TV und Chromecast erneut im Shop listen, wenngleich das „Verkaufsverbot“ für Googles intelligente Lautsprecher bestehen bleibt. Jüngst lieferten sich Amazon und Google auch wahre Preisschlachten im Weihnachtsgeschäft und verkauften Echo und Google Home jeweils weit unterhalb der eigenen Preisempfehlung. Eine Fortsetzung dieser „Kindergartenspiele“ ist nicht ausgeschlossen, sondern ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Kundennutzen hinterfragt: Belebt Konkurrenz immer das Geschäft?

Was hat der Kunde davon? In jedem Fall KEINEN Zugewinn an Komfort. Möchte man alle Dienste nämlich vollumgänglich nutzen, muss man jeweils jedes Gerät einzeln erwerben – die sprichwörtlich eierlegende Wollmilchsau gibt’s nicht. In Zukunft wird sich dies noch verschärfen, denn neben der Hardware bringen die drei Anbieter auch eigene Inhalte in Stellung. Amazon kann dies schon längst, Apple macht erste Babyschritte und plant Großes. Google sagt derzeit noch nichts dazu, allerdings ist dies wohl nur noch eine Frage der Zeit. Wie sich die Kontrahenten auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz schlagen, seht ihr unter anderem im folgenden Vergleichsvideo:

Amazon Echo Dot und Google Home Mini im Vergleich.

Belebt Konkurrenz also doch nicht das Geschäft und ist gut für den zahlenden Kunden? Um dies zu beantworten müssen wir uns die Frage nach dem Gegenentwurf stellen. Wäre uns lieber Amazon, Google und Apple würden sich auf lange Sicht ein und allemal einigen? Was wäre denn eine solche, scheinbare friedliche Übereinkunft? Nichts anderes doch als ein Kartell! Ein solcher Verein würde die Preise diktieren, der Kunde erkauft sich im eigentlichen Wortsinn einen vermeintlichen Zugewinn an Komfort und gibt ein Stück (unbequeme) Freiheit auf.

Quintessenz: Lieber ein Kindergarten, statt eines Kartells

Fragt man mich: Keine profunde Alternative, dann doch lieber die aktuellen Kindergartenspiele. Ein gemeinsames Monopol – egal auf welchem Gebiet – der großen Drei gilt es zu vermeiden. Auch schon in früheren Tagen konnte man sich als Kunde halt nicht immer die Rosinen heraussuchen. Wer Super Mario zocken wollte benötigte einen Nintendo, den flitzenden Igel Sonic hingegen gab es exklusiv beim Mitbewerber Sega.

Lasst die „Kinder“ sich also zanken, wir die Eltern (Kunden) lehnen uns derweil zurück und schauen zu – gut so.

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