Die Krux mit Amazon: Darf ich einen „Monopolisten“ lieb haben?

Sven Kaulfuss 4

Ich bin mir sicher, du hast es schon mal getan – und nicht nur ein einziges Mal. Und es hat dir sogar noch Spaß gemacht, du Schlingel! Teuer war das Vergnügen nicht unbedingt, auch wenn es welche gibt, die es dir hier und da noch billiger besorgen und am Ende dabei noch „sauberer“ sind. Trotzdem bestellst du auch weiterhin bei Amazon. Sind Gewissensbisse angebracht?

Die Krux mit Amazon: Darf ich einen „Monopolisten“ lieb haben?
Bildquelle: Amazon, Apple (Emoji).

Ach ja, die ewige Krux mit Amazon. Der Pionier des E-Commerce ist längst zur Nemesis für die gesamte Handelsbranche geworden. Kein Weg führt an der gewachsenen Marktmacht (46 Prozent Marktanteil am Internethandel in Deutschland 2017) des einstigen Buchhändlers und heutigen allumfassenden Generalisten mehr vorbei. Auch ich kenne beide Seiten der Medaille. Kunde wurde ich bereits vor 20 Jahren, zum Ende des letzten Jahrtausends, bin es seitdem geblieben und befand mich zeitweise über einen Zeitraum von über 12 Jahren im Wettbewerbsverhältnis mit dem Online-Riesen. Damals, als ich von 1999 bis 2012 Produktmanager und später Projekteiter bei Cyberport.de war – heutzutage mit mehreren Hundert Millionen Euro Jahresumsatz auch kein kleiner Fisch im E-Commerce-Teich mehr. Schon zu diesem Zeitpunkt war Amazon ein zentraler Streitpunkt bei Preisverhandlungen mit Distributoren und Herstellern, heute dürfte sich dieser Zustand noch forciert haben.

Aktuelle Studie: Für Kunden ist Amazon bester Händler 2018

Die Kunden hingegen sind von Amazon größtenteils begeistert. So gegenwärtig auch die jüngste Studie zu den besten Händlern, in Auftrag gegeben vom Handelsblatt. Amazon erklimmt darin zum dritten Mal in Folge die Spitze und kann für sich den Titel „Bester Händler 2018“ unter den Generalisten in Anspruch nehmen. Ganze 33,3 Prozent der Befragten bezeichnen darin den Online-Shop aus Seattle als eben jenen besten Händler, weit abgeschlagen die Konkurrenz – beispielsweise eBay mit 9,4 Prozent und Otto mit 6,8 Prozent. Preis und Angebotsvielfalt sind nur zwei der entscheidenden Standsäulen des Erfolgs. Der mittlerweile wichtigste Pluspunkt für Amazon: Die Servicequalität. Im Zweifelsfall zeigt sich Amazon mehr als nur kulant, zahlt vielleicht schon mal drauf, nur um es den Kunden recht zu machen.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Ich kann dies durchaus bestätigen. Ein aktuelles Beispiel gefällig? Vor wenigen Tagen bestellte ich einen Reiseführer. Zwischenzeitlich änderten sich jedoch unsere Pläne, der Reiseführer wurde nicht mehr gebraucht, als er mit der Post ankam. Kein Problem, einfach zurückschicken und eine Gutschrift erhalten. Amazon toppt diese Selbstverständlichkeit noch, denn die Gutschrift erhalte ich natürlich, muss das Buch jedoch gar nicht mehr zurückschicken und kann es kostenfrei behalten – Wahnsinn, oder? Amazon verzichtet auf die Ware, da das Rücknahme-Handling wohl den Kaufpreis übersteigt und zaubert dabei noch ein Lächeln auf das Gesicht des Kunden, weil dieser nunmehr für die „Entsorgung“ des nicht mehr gewünschten Produkts zuständig ist.

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Hinter diesen 17 Marken versteckt sich Amazon: Fleisch, Nüsse & Dessous .

Kritik an Amazon: Berechtigt, und?

Selbstredend bin ich Prime-Kunde, erfreue mich an den dort gebotenen Leistungen und Diensten, besitze einen Fire TV Stick und einen Kindle. Nur der Amazon Echo liegt derzeit noch ungenutzt in der Kiste. Amazon zimmert für die Kundschaft einen perfekten goldenen Käfig. Schnappt die „Falle“ bald zu und wird der Händler in Zukunft seine Quasi-Monopolstellung ausnützen? Da kommt man schon ins Grübeln.

Einen Gedanken wert sind auch all die weiteren Kritikpunkte an Amazon, die man in den letzten Jahren nicht mehr ignorieren kann:

Dies sind nur drei der wohl wichtigsten Kritikpunkte. Allen Kunden, auch mir, muss dies mittlerweile bewusst sein. Doch wie damit umgehen? Das Amazon-Konto löschen und nur noch andernorts einkaufen? Möglich, wenngleich Kollege Stefan Bubeck damit auch seine Erfahrungen gemacht hat und vor ungewollten Schwierigkeiten stand. Für meinen Teil allerdings findet sich im Mittelweg die Lösung. Nicht alles muss, kann oder will ich bei Amazon bestellen. So erhalten vor allem auch Händler vor Ort in der Nachbarschaft meine monetären Mittel. Kunde bei Amazon kann und darf ich trotzdem bleiben – ihr natürlich auch.

Anmerkung: Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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