Kampf dem Intel-Monopol: Warum PC-Spieler AMD die Füße küssen sollten

Robert Kohlick 21

AMD ist zurück! Und das nicht erst seit gestern. Trotzdem werden die Produkte des Herstellers von einigen PC-Spielern noch immer als „Hardware zweiter Klasse“ abgetan. Eine Einstellung, die ich nicht teilen kann. Gerade wir PC-Gamer sollten AMD förmlich um den Hals fallen – und das hat gute Gründe.

Kampf dem Intel-Monopol: Warum PC-Spieler AMD die Füße küssen sollten
Bildquelle: Getty Images / ipopba.

AMDs Comeback: Mit Ryzen zurück ins Geschäft

Stromfresser, Standheizung, Laubgebläse – AMD hatte in den letzten Jahren im PC-Bereich nicht den besten Ruf – und das zurecht. Vor allem die immer noch andauernde Debatte um die Bulldozer-Prozessoren würde das Unternehmen wahrscheinlich gerne aus den Gedächtnissen aller Beteiligten tilgen.

Doch dann starteten im Februar 2017 AMDs Ryzen-Prozessoren und mischten den CPU-Markt ordentlich auf. Vor allem das Top-Modell der Produktreihe sorgte bei mir für große Augen: „Ein Prozessor mit 8 Kernen und 16 Threads für 329 US-Dollar? Haben die sich da um eine Kommastelle vertan?“

Ein kleiner Exkurs: Bis zu diesem Zeitpunkt kannten PC-Spieler eine solch hohe Anzahl an echten Kernen nur von Server- oder Workstation-Prozessoren. Im Desktop-Bereich waren bis zu diesem Zeitpunkt 4 Kerne das höchste der Gefühle.

AMD sei Dank: Endlich tut sich wieder was im CPU-Bereich

Und plötzlich gab es im Prozessoren-Segment endlich mal wieder was, das seit Jahren fehlte: Bewegung. Auf einmal merkte Intel, dass man den Kunden nicht mehr jedes Jahr aufs Neue die gleichen Prozessoren mit leicht angehobener Taktrate und neuem Sockel verkaufen konnte. Schließlich gab es nun eine ernstzunehmende Alternative, die nicht nur mehr Kerne, sondern auch einen attraktiveren Preis bot.

Fans des blauen Teams werden jetzt die deutlich höhere Single-Core-Performance der Intel-Prozessoren hervorheben – und das zurecht. Intel hat in fast allen Spiele-Benchmarks die Nase vorne. Doch dieses Leistungsplus lässt sich der zweitgrößte Halbleiter-Hersteller ordentlich versilbern.

Ein Vergleich: Während AMDs aktueller Sechskern-Prozessor, der Ryzen 2600, im freien Handel für ungefähr 150 Euro erstanden werden kann, bezahlt man für Intels i5-9400 etwas mehr als 210 Euro. Trotz des geringeren Preises lässt sich der AMD-Prozessor zusätzlich noch übertakten, bietet doppelt so viele Threads und wird mit einem Lüfter ausgeliefert, der nicht totale Grütze ist. Als „Ausgleich“ läuft auf dem Intel-Prozessor noch eine leistungsarme Grafikeinheit, die fast kein Mensch benutzt. Wie man sieht, ist AMD aktuell ganz klar der Preis-Leistungs-Sieger – und diese Aussage kommt von einem Typ, der selbst noch einen i7-4790K in seinem PC verbaut hat.

AMD vs. Intel: Der PC-Markt spricht Klartext

Dieser Preisunterschied macht sich auch an den Verkäufen in Deutschland bemerkbar. Einige Reddit-Nutzer haben die Verkaufszahlen des Online-Shops Mindfactory aus dem November 2018 näher unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: In diesem Monat konnte das Unternehmen 8.000 Intel-CPUs verkaufen, während in der gleichen Zeitspanne knapp 16.000 AMD-Prozessoren an die Kunden verschickt wurden.

Auf internationaler Ebene spiegelt sich dieser Trend jedoch nicht wider – jedenfalls nicht derart drastisch. AMD konnte seinen Marktanteil seit dem Verkaufsstart von Ryzen um 2,5 Prozent auf insgesamt 20,6 Prozentpunkte im dritten Quartal 2018 steigern.

Vielleicht wird der Release der Ryzen-3000-Prozessoren AMD noch einmal einen ordentlichen Boost für AMD sorgen. Die erste Präsentation einer Zen-2-CPU auf der diesjährigen CES sorgte im Publikum für erstaunte Gesichter – die Zeichen stehen also gut.

Kampf dem Monopol: AMD sorgt für dringend benötigtes Gegengewicht

Obwohl AMD immer noch der klare Underdog ist, trägt das Unternehmen positiv zur Preisgestaltung und den Fortschritt auf dem CPU-Markt bei. Vorher konnte sich Intel zurücklehnen, Preise nach Herzenslust immer weiter in die Höhe schrauben und brauchte sich nicht fürchten, dass ihnen die PC-Spieler irgendwann aufs Dach steigen – einen konkurrenzfähigen anderen Hersteller für Gaming-CPUs gab es ja nicht wirklich.

Doch genau das ändert sich gerade. Während es Intel über 7 Jahre lang nicht notwendig hielt, die Anzahl an Kernen in ihren i7-Desktop-Prozessoren zu erhöhen, hat sie sich nun innerhalb von nicht mal zwei Jahren von 4 auf 8 verdoppelt! Ob das auch so gekommen wäre, wenn AMD Ryzen nicht vorgestellt hätte? Wahrscheinlich nicht. Konkurrenz belebt schließlich nicht nur das Geschäft, sondern auch die Entwicklung.

Wer gerade dabei ist, sich einen neuen PC zusammenzustellen, sollte vorher ein paar Sachen abklären:

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Auf jeden Fall nimmt der Kampf der beiden Giganten wieder Fahrt auf und ich bin mir sicher, dass AMD in den kommenden Jahren einiges an Strecke gutmachen und Intel somit ordentlich auf Trab halten wird. Und genau dieses Verhalten sollte von uns PC-Spielern und selbst von Intel-Fans wertgeschätzt werden. Ohne AMD scheint es Intel einfach an Motivation zu fehlen. So ein Rennen, bei dem man als einziger antritt, macht ja auch keinen Spaß.

Aus genau diesem Grund wird in meinem nächsten Rechner auch eine Ryzen-CPU landen. Ob ich bei der Grafikkarte auch auf AMD setzen werde – das ist hingegen eine ganz andere Frage.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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