20 Jahre Subnotebooks von Apple: Vom PowerBook Duo hin zum MacBook Air – Teil 1

Sven Kaulfuss 18

Nicht erst seit dem allseits beliebten MacBook Air, experimentierte Apple mit Mini-Ausgaben kompakter Mobilrechner. Die wechselvolle Geschichte der letzten 20 Jahre beinhaltet eine Vielzahl von innovativen Computern die dem aktuellen Luftikus den Weg ebneten. Wir werfen einen kurzen Blick zurück.

Abgrenzung: Was ist ein Apple-Subnotebook?

Kenner der Materie rufen Einspruch, im Angesicht des „zwanzigjährigen Jubiläums“, denn bereits im Oktober 1991 präsentierte Apple mit dem PowerBook 100 eine besonders grazile Form der – damals – neuen PowerBook-Serie. Jenes Modell verzichtete zu dieser Zeit bereits auf ein internes Laufwerk – das optionale Floppy-Drive musste extern angeschlossen werden. Doch war jenes Modell überhaupt ein echter Apple? Immerhin überlies man einen nicht unwesentlich, wichtigen Teil der Entwicklung und die komplette Fertigung dem heutigen Wettbewerber Sony.

Bilderstrecke starten(13 Bilder)
Arbeitsplatz für Apple-Nutzer: Tische, Stühle und weitere Anregungen im Überblick

Besonders leistungsstark war das PowerBook 100 nicht, in der Performance lag es ungefähr auf einer Ebene mit dem Großvater aller heutiger Macintosh-Notebooks. Bereits zwei Jahre zuvor wurde der Macintosh Portable vorgestellt – mit über sieben Kilogramm war der erste mobile Mac eine echte „Wuchtbrumme“. Die 2,31 Kilogramm des PowerBook 100 erschienen dagegen geradezu federleicht. In Verbindung mit dem richtungsweisenden Design von Robert Brunner (Apple Design-Chef 1989 bis 1997) begeisterte es die Fachpresse – wenn auch erst zurückblickend Jahre später. Ein großer Verkaufserfolg war das kleine PowerBook dagegen nicht, so hielt es sich nur ein knappes Jahr in Apples Portfolio.

Die eigentliche Ära der Subnotebooks begann dann 1992 mit der Einführung des PowerBook Duo und einem Konzept, dass – typisch Apple – auch abseits der Apfel-Welt viele Nachahmer fand und heute von vielen Apple-Kunden wehmütig vermisst wird.

PowerBook Duo: Eine grandiose Idee

Kein Apple-Notebook war leichter und kompakter, mit Ausnahme des MacBook Air: Die Duo-Serie war der Entwurf eines reduzierten Computerdesigns, dass bei Bedarf dennoch wie ein Desktop-Rechner Verwendung fand. Wie schon beim PowerBook 100 verzichtete Apple auf ein internes Laufwerk, Tastatur und Trackball fielen etwas kleiner aus. Aber auch an Anschlüssen mangelte es, einzig ein serieller Port und optional ein Modemanschluss brachte das Duo in seinen verschiedenen Ausführungen zwischen den Jahren 1992 und 1997 mit.

Wie also sollte man einen solch kastrierten Mac vollumfänglich nutzen können? Das Geheimnis bestand in einem proprietären Dock-Anschluss, der den vollen Zugriff auf den Prozessor und die Bus-Architektur des PowerBook zuließ. Für diesen Fall gab es eine Reihe an unterschiedlichen Docking-Stationen vom Hersteller und zahlreichen Drittanbietern. Die Duo Dock (exklusiv von Apple) war die teuerste, aber auch fortschrittlichste Lösung. Basierend auf dieser entstanden die gleichartigen Nachfolgemodelle Duo Dock II und Duo Dock Plus.

Kurzerhand schob man den kompletten Rechner (im zugeklappten Zustand) in die Duo Dock – der Mechanismus erinnerte nicht von ungefähr an einen Videorecorder. Auf diese Weise erhielt man alle notwendigen, zusätzlichen Schnittstellen wie SCSI, Display und Co und somit einen voll nutzbaren Desktop-Mac. Natürlich enthielt die Duo Dock auch ein Netzteil und ein Diskettenlaufwerk. Besonders clever: Auch zwei Erweiterungskarten (NuBus) fanden Platz. Nie wieder sollte ein mobiler Mac ein derart flexibles und gut durchdachtes Designkonzept besitzen.

Mit der Einstellung des letzten PowerBook Duo 2300c im Jahre 1997, verschwand diese wunderbare Idee in den Schubladen bei Apple. Heutzutage gehören Dockinglösungen hingegen zum guten Ton bei der Konkurrenz (wenn auch leider nicht in dieser konsequenten Art wie beim Duo Dock) – Mac-User müssen derzeit mit mehr schlechten als rechten Alternativen (BookEndz, Henge Dock) leben. Doch es gibt Hoffnung: Die blitzschnelle und vor allem universelle Schnittstelle Thunderbolt erlaubt ebenso einen direkten Zugriff auf das Bussystem (PCI Express), mögliche Docks bzw. Adapter für das MacBook (Air) von Drittanbietern sind derzeit allerdings noch nicht erhältlich, gleichwohl aber schon angekündigt. Apple empfiehlt hierfür das aktuelle Thunderbolt Display, was der Grundidee des PowerBook Duo noch am nächsten kommt.

Das erste „iPad“ von Apple: PenLite

Lange vor Microsoft testete Apple bereits im Jahre 1992/93 die Machbarkeit eines „Tablet-PC“. Basierend auf dem PowerBook Duo entstand der PenLite – ein vollwertiger mobiler Mac, ohne Tastatur aber mit Stifteingabe. Angesichts des Apple Newton (einer der ersten PDAs) entschied man sich jedoch gegen eine Serienfertigung. 1994 wurde das Projekt zu Grabe getragen, bevor 2010 das erste iPad als Urenkel des PenLite aus der Taufe gehoben wurde.


Bild-Autor: Marcin Wichary (veröffentlicht unter CC BY 2.0)

Im zweiten Teil nächste Woche liest man wie es weiter ging: Apple trägt schwer am Erbe des PowerBook Duo, die Idee des Subnotebooks gerät in Vergessenheit und wird später doch wieder furios weiterentwickelt.

Abstimmung: Welches Unternehmen sollte Apple sich 2019 kaufen?

Der Journalist Tae Kim plädierte kürzlich dafür, Apple solle das japanische Unternehmen Nintendo kaufen. Aber wäre das wirklich eine gute Idee? Gib hier deine Stimme ab.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung