Apple & Datenschutz: fördert Cupertino den Terror durch hohe Krypto-Standards?

Ansgar Warner

In punkto Datenschutz liegt Apple vorn – und nutzt das auch als Verkaufsargument. Doch jetzt hagelt es Vorwürfe aus dem staatlichen Sicherheits-Sektor: die „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ helfe ISIS-Terroristen, Anschläge auf US-Ziele auszuüben.

Für Datenschützer gilt Apple als Vorbild einer gesamten Branche: so verlieh etwa die Electronic Frontier Foundation im letzten Datenschutz-Report Apple die volle Punktzahl. Denn Apple schützt die Daten nicht nur vor Hackern, sondern auch vor der eigenen Regierung: durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hat das Unternehmen gar keine Möglichkeit, etwa iMessages mitzulesen, Face-Time-Anrufe abzuhören oder E-Mails zu überwachen. Auch in Sachen Backdoors oder gezielter Schwachstellen in der Software, an der Geheimdienste Zugang erhalten könnten, gibt sich Apple kompromisslos.

Die Nutzer mögen sich darüber freuen, doch die Sicherheits-Lobby wurmt die von CEO Tim Cook auch öffentlich zur Chefsache erklärte Datenschutz-Policy offenbar mächtig. Der regierungsnahe „Lawfare“-Blog holte jetzt zum großen Schlag gegen die „End-to-End-Encryption“-Standard aus: Apple fördere damit den Terrorismus, denn ISIS-Überläufer könnten iPhone oder iPad dazu nutzen, Anschläge gegen US-Ziele zu koordinieren und amerikanische Bürger umzubringen, behaupten Lawfare-Chefredakteur Benjamin Wittes und die Jura-Studentin und Ex-Marine Zoe Bedell in einem aktuellen Blogpost.

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Apple wäre hinterher auch im juristischen Sinne mitschuldig: „Auf Grundlage dieser Fakten könnte ein Gericht Apple für schuldig befinden, gegen das Verbot verstoßen zu haben, materielle Unterstützung für terroristische Akte zu leisten“. Apple sei schließlich aus Sicherheitskreisen schon mehrfach und öffentlich gewarnt worden, dass die ISIS-Terroristen Amerikaner rekrutieren, und dies auch durch die Nutzung von Messenger-Apps mit den von Apple bereitgestellten Verschlüsselung-Standards.

Apples Verhalten, so schlussfolgern Wittes und Bedell, stehe auf einer Stufe mit dem von arabischen Banken, die ihre Finanzdienstleistungen wissentlich einer Terrororganisation wie der Hamas zur Verfügung gestellt haben und deswegen angeklagt wurden. Starker Tobak – der dann auch entsprechende Reaktionen hervorrief: der Lawfare-Blogpost sei eine Fortsetzung des „hirntoten Jihadismus gegen die Verschlüsselung“, so etwa die Bürgerrechtler der „American Civil Liberties Union“.

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