Apple im Patentkrieg: Ein Kommentar

Sven Kaulfuss 32

Business as usual – tagtäglich streiten Firmen vor den Gerichten dieser Welt. Sehen ihre Leistungen kopiert, gestohlen und sich jeweils im Recht. Gerechtigkeit im eigenen Falle wird konsequent gefordert. Gewöhnlich geschieht dies nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit – zu trocken und uninteressant erscheint die Materie für Mr. Otto Normal.

Apple im Patentkrieg: Ein Kommentar

„Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor…“, schon Goethes Faust resignierte in Anbetracht der begrenzten Erkenntnisfähigkeit der iuris prudentia. Und doch genießt die eigentliche Rechtsprechung in unserer freiheitlichen Rechtsordnung ein hohes Ansehen. Wir erwarten, dass uns Gerechtigkeit widerfährt und der ehrenwerte Herr Richter zu unseren Gunsten und objektiv nachvollziehbar sein Urteil fällt. Ist eine natürliche Person davon betroffen fühlen wir uns hier und da gar angesprochen, meinen gegebenenfalls die Rechtsfindung zu verstehen.

Dieses Einfühlungsvermögen vergessen wir allzu oft, wenn sich Firmen streiten. Patentansprüche, Unterlassungsklagen… nichts davon berührt uns selbst und unser unmittelbares Umfeld – so scheint es. Nicht verwunderlich, wenn derartige Prozesse fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Nicht so bei Apple, nicht so bei iPhone und iPad.

Wayne interessierts?

Ob Fanboy, normaler Nutzer oder erklärter Gegner. Man hat eine erklärte Meinung zu den Geschehnissen vor dem Richterstuhl, gedankt sei es dem polarisierten Kultcharakter der Marke. Was früher nur Insider der Materie fesselte, ist heute schon Stammtischthema. Weshalb? Anwender identifizieren sich heutzutage gerne mit „ihrem“ jeweils im Gebrauch befindlichen mobilen Betriebssystem. Unter vorgehaltener Hand gilt nicht Apple vs. Samsung, sondern iOS vs. Android – Stellvertreterkriege inklusive. Die Medien bedienen dieses neuerliche Interesse demzufolge ausführlich. Und doch verliert man sich allmählich im Thema.

Der aktuelle Showdown zwischen Apple und Samsung im fernen Westen der USA ist mit Sicherheit ein Festschmaus für Patentanwälte dieser Welt, mag gar richtungsweisend für zukünftige Gerichtsentscheidungen sein. Mich persönlich ermüdet diese Posse nur noch. Letztlich geht es nicht um Gerechtigkeit im engeren Sinn, vielmehr um die Lizenz zur Dominanz im hartumkämpften Markt der Smartphones und Tablets – wieder gilt: Business as usual!

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Déjà-vu: Apple vs. Microsoft

Was wir dieser Tage erleben ist zu guter Letzt die Neuauflage einer bereits zurückliegenden Schlacht mit leicht vertauschter Rollenbesetzung.

1988 erhob Apple Klage gegen Microsoft. Die Kollegen aus Redmond erdreisteten sich doch tatsächlich, mit Windows (Version 2.0) eine grafische Benutzeroberfläche für den IBM-kompatiblen PC anzubieten. Apple sah wichtige Teile des Macintosh kopiert und entschloss sich zum juristischen Gegenschlag. Bei Windows 1.0 im Jahre 1985 entschied man zunächst noch gegenteilig. Hintergrund: Microsoft war zu diesem Zeitpunkt ein nicht ganz unwichtiger Softwarelieferant für den Mac und verpflichtete sich, neue Programme zunächst für den Mac zu veröffentlichen (als Beispiel sei hier Microsoft Excel genannt). Übrigens: Auch Samsung ist heutzutage ein nicht ganz unwichtiger Zulieferer für Apple.

Doch Apple scheiterte mit der Klage: 1995 wurde der Prozess beendet und man ging leer aus. Klugerweise sicherte sich Bill Gates vorab einige wichtige Lizenzen von Xerox – dem eigentlichen Erfinder der grafischen Benutzeroberfläche. Apple tat dies leider nicht. Mit der Vorstellung von Windows 95 versuchte man erneut gegen Microsoft vorzugehen, zu einer richterlichen Entscheidung kam es jedoch nicht mehr.

Apple lag Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts am Boden, Verluste bestimmten das Tagesgeschäft, eine Strategie für die Zukunft war nicht auszumachen. Der Ausweg: Man kaufte NeXT und holte sich so Steve Jobs als iCEO zurück an Bord. Der begrub als erste Amtshandlung das Kriegsbeil mit Microsoft. Lizenzen wurden gegenseitig freigegeben, Microsoft beteiligte sich mit stimmenrechtslosen Aktien am Unternehmen und verpflichtete sich für die nächsten fünf Jahre weiterhin ein aktuelles Office für den Mac zu entwickeln. Der Rest ist Geschichte, der Krieg um die Vormachtstellung im Desktop-Bereich war vorüber.

Quintessenz: Keine Kompromisse

Heutzutage kämpft Apple unter umgekehrten Vorzeichen. Man ist nicht mehr der finanzschwache Underdog, der sich zu Kompromissen veranlasst sieht. Nein, eine vergleichbare Lösung wie seinerzeit mit Microsoft strebt man in Richtung Samsung und Google sicherlich nicht an. Die Kriegskasse ist gefüllt, man sieht sich im Recht und wird versuchen, die eigenen Ansprüche weltweit und jederzeit durchzusetzen. Nochmals möchte Apple nicht unterliegen.

Epilog: Nebeneffekt

Auch wenn mich die neuerlichen Gerichtspossen nur am Rande interessieren, mich eher ermüden, einen positiven Umstand gilt es dennoch zu feiern. Bekanntlich sah sich Apple veranlasst, dieser Tage zig Bilder von bisher streng geheimen Prototypen als Beweismittel zu veröffentlichen. Diese geben einen Einblick von der zurückliegenden Entwicklungsarbeit des Design-Teams bei Apple.

Zuletzt konnte man 1997 einen derartigen Einblick erhaschen. Im Buch „“ stellte der Autor Paul Kunkel all die Konzepte und Prototypen der Öffentlichkeit vor, die bis dato bei Apple entworfen wurden. Nie wieder danach zeigte sich Apple so transparent. Leider gibt es besagtes Buch nicht mehr als Neuauflage. Zudem sind Gebrauchtexemplare rar und teuer. Unsere Bilderserie vermittelt einen kleinen Eindruck von besagtem Buch, dass ich glücklicherweise einst erwarb.

Bilderquelle Titel: Autor Matt H. Wade, veröffentlicht unter CC BY-SA 3.0.

Quiz: Erkennst du diese Apple-Produkte?!

Eine weiße Box. Apple macht es mit seinen Produktverpackungen schon nicht immer leicht, den Inhalt zu entdecken. Und auch mache Produkte selbst unterscheiden sich nur in Kleinigkeiten von ihrem Vorgänger. Doch der Kenner sieht die Unterschiede. Bist du ein Kenner? Teste dich in unserem Quiz:

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