Apple: iOS 6-Uhrendesign von Schweizer Bahn geklaut

Amir Tamannai 48

„Wer hat’s erfunden?“ – „Die Schweizer.“ Bekanntes Werbeszenario und was für Hustenbonbons gilt, greift offensichtlich auch beim Design des Uhrenicons in iOS 6: Wie jetzt bekannt wurde hat Cupertino sich dafür ganz dreist von den Bahnhofsuhren der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) „inspirieren“ lassen. Nun droht ein bisschen rechtlicher Ärger und auch wenn es dabei nicht wie gegen Samsung in die Milliarden gehen dürfte, zeigt die Meldung doch erneut, dass Apple eben nicht Saubermann und ständiges, alleiniges Opfer von Diebstahl geistigen Eigentums ist – sondern auch Täter.

Wir erinnern uns, einer der Vorwürfe, die Apple gegen Samsung erhoben hatte, war neben dem Klau der inzwischen schon sprichwörtlichen „abgerundeten Ecken“ beim Hardware-Design der koreanischen Smartphones, auch die verblüffende Ähnlichkeit vieler Icons in Samsungs TouchWiz UI zum Apple-Pendant. Zugegeben, da sah vieles den Icons in Apples OS schon verdammt ähnlich. Das heißt aber natürlich nicht, dass Apple die Ideen für seine Symbole wiederum ausschließlich aus den kreativen Köpfen seiner Software-Designer fischt: Wie gerade bekannt wurde, stammt das Design des Uhren-Icons in iOS 6 von den Schweizer Bahnhofsuhren, deren Design sowohl für die SBB als auch für die Firma Mondaine geschützt ist.

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[Update] Wie unser Leser Michael korrekt eingeworfen hat, geht es in dieser Sache weniger um das Design der Icons für die Uhren-App, als vielmehr um die Alarm- und Weltzeit-App selbst:

[/Update]

Dieses, 1944 von Hans Hilfiker entworfene Design findet sich zwar inzwischen in exakter oder abgewandelter Form auch in Armbanduhren, Küchenuhren, an internationalen Flughäfen oder eben Bahnhöfen in aller Welt wieder, wurde in diesen Fällen dann aber von Mondaine lizensiert (von ein paar Billig-Küchenuhren aus der Restrampe vielleicht mal abgesehen). Lizensierung? So etwas hat Apple nicht nötig, so etwas fordert Apple maximal ein. Und so steht Cupertino nun ein bisschen patentrechtlicher Ärger ins Haus: SBB und Mondaine erwägen aktuell rechtliche Schritte gegen Cupertino.

Gegenüber dem schweizerischen Magazin Blick.ch erklärte SBB-Sprecher Reto Kormann: „Wir versuchen, mit Apple in Kontakt zu treten, um die unautorisierte Nutzung finanziell und rechtlich zu regeln.“ Zwar sei man einerseits stolz, dass die eigene Design-Ikone von den Design-Titanen aus Kalifornien als für das eigene OS würdige erachtet wurde [v. d. Red. etwas übertrieben], auf der anderen Seite aber auch verärgert, dass Apple es nicht für nötig befunden hätte, vorab bei der SBB um Erlaubnis für die Nutzung zu bitten.

Vor lauter überbordender Ehrfurcht vor Apple heißt es dann auch bei Mondaine eher kleinlaut: „Eine gemeinsame Lösung ist aber sicher das Beste für alle Parteien und nicht der juristische Weg.“ Eigentlich sehr vernünftig, dass hier weder von der SBB noch von Mondaine gleich wildes Säbelgerassel erklingt, sondern schweizerische Ruhe und Besonneheit vorherrschen. Schade nur, dass davon wieder ein Unternehmen profitiert, dass es in dieser Hinsicht mit Milde und Zurückhaltung so gar nicht hält. Wir haben nämlich wenig Hoffnung, dass sich bei Apple ein positiver Lerneffekt einstellt; eher wird in Cupertino der Größenwahn und der Glaube, patenrechtlich unfehlbar zu sein, weiter wachsen …

Was sagt ihr zu der Geschichte – Schweinerei oder Kavaliersdelikt? Und was wäre jetzt gegenüber Apple angebracht – Milde oder knallharte Gerichtsaction? Dampf ablassen könnt ihr in den Kommentaren.

Blick.ch [via mobilegeeks]

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