Apple kauft Beats: Alles, was man wissen muss

Ben Miller 6

Die Übernahme von Beats ist die mit Abstand größte, die Apple je getätigt hat. Wie geht es jetzt mit Apple und Beats weiter? Wird Apple jetzt Kopfhörer bauen? Oder die Marke Beats einstampfen? Alles, was man zur Übernahme wissen muss, haben wir für euch folgend zusammengefasst.

Warum hat Apple Beats gekauft?

Der wahre Grund für den Kauf lässt sich sehr gut aus dem ersten Satz der offiziellen Pressemitteilung Apples herauslesen:

Apple® today announced it has agreed to acquire the critically acclaimed subscription streaming music service Beats Music, and Beats Electronics…

Apple gibt bekannt den anerkannten Abonnement-Streaming-Musik-Dienst Beats Music und Beats Electronic zu übernehmen.

Apple nennt Beats Music vor der Elektronik-Sparte Beats Electronics, die Kopfhörer und Lautsprecher herstellt.

Es handelt sich um ein sogenanntes Acqui-Hire. Apple übernimmt Beats Music und damit verbunden auch Beats Electronics, weil es das Team dahinter mitsamt Jimmy Iovine und Dr. Dre will.

Mehr zu den Gründen der Übernahme findet ihr in unserem Artikel „Darum will Apple Beats kaufen“.

Bilderstrecke starten
13 Bilder
AirPods 3 in Bildern: So anders sollen Apples neue Ohrhörer ausschauen.

Wieviel Geld legt Apple für Beats auf den Tisch?

Der Kaufpreis beträgt 3 Milliarden US-Dollar. Davon wechseln 2,6 Milliarden US-Dollar in bar den Besitzer, weitere 400 Millionen US-Dollar in Form von Apple-Aktien folgen etwas später.

Rechnet man den Kaufpreis auf den Wert von Beats Music und Beats Electronics um, zahlt Apple rund 2,5 Milliarden für Beats Electronic (Kopfhörer und Co.) und nur 500 Millionen US-Dollar für den Streaming-Dienst, obwohl Apple primär am Streaming-Dienst interessiert ist. Dementsprechend ist die Kopfhörersparte ein ziemlich teures Anhängsel.

Ist der Beats-Kauf die teuerste Übernahme in Apples Firmengeschichte?

Ja, mit Abstand. Die zweitteuerste Übernahme, die Apple je getätigt hat, war jene von Steve Jobs‘ NeXT im Jahre 1996 für 429 Millionen US-Dollar.

Ist Dr. Dre jetzt wirklich der erste Hip-Hop-Milliardär?

Dr. Dre hält 25 Prozent an Beats, was rund 750 Millionen US-Dollar vom Kaufpreis entsprechen würde.

Laut Forbes war Dr. Dre vor der Übernahme 550 Millionen US-Dollar schwer. Dank seinem Anteil könnte er nun auf ein Gesamtvermögen von über einer Milliarde US-Dollar kommen und wäre folglich der erste Hip-Hop-Milliardär.

Doch nicht das gesamte Geld geht an die Beats-Gründer. Unter anderem sind Universal Music und die Investmentfirma Carlyle Group Anteilseigner von Beats und erhalten dementsprechend ein Stück vom Kuchen. Letztere soll geschätzt 1 Milliarde US-Dollar abgekommen. Da bleibt für Dre nicht mehr viel übrig.

Gehört Beats ab heute zu Apple?

So schnell geht es leider nicht. Die Übernahme wird sich noch bis September hinziehen, auch da die US-Regulierungsbehörde noch einen Blick auf den Deal werfen wird.

Die Teams von Beats und Apple starten zwar schon jetzt ihre Zusammenarbeit und werden Schritt für Schritt vereint, offiziell abgeschlossen ist die Übernahme aber erst im Herbst.

Haben Apple und Beats gemeinsame Wurzeln?

Könnte man schon sagen, zumindest im Geiste. Jimmy Iovine war ein guter Freund von Steve Jobs. Iovine durfte sogar regelmäßig Prototypen testen und soll Jobs auch des Öfteren beraten haben. Außerdem war Robert Brunner, Chef der Design-Firma Ammunition, die für Beats bis jetzt Kopfhörer und Co. entworfen hat, bis 1997 Chefdesigner bei Apple.

Wird Apple die Marke Beats einstampfen?

Nein. Beats wird weiter bestehen und eigenständig bleiben, zumindest auf absehbare Zeit. Ebenso Beats Electronics, die Kopfhörer-Sparte.

Apples Design Team ist bereits mit Beats Hardware betraut und löst das Design-Unternehmen Ammunition ab, mit dem Beats seit 2006 zusammengearbeitet hat. Die Übergabe ist aktuell noch im Gange.

Wird Apple die Kopfhörer-Sparte von Beats einstellen?

Beats Electronics ist die Kopfhörer-Sparte von Beats. In nur knapp 5 Jahren konnte Beats über 60 Prozent des Premium-Kopfhörer-Marktes einnehmen. Diese Zahl ist ebenso beeindruckend wie der Jahresumsatz in Höhe rund 1,4 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund eine Milliarde Euro.

Wird Beats Music in iTunes integriert?

Nein. Beats Music bleibt eigenständig. Apple will Beats Music sogar ausbauen und international anbieten.

Interessanterweise hat Beats (oder jetzt eben Apple) am Tag der Bekanntgabe der Übernahme die Jahresgebühr für Beats Music um 20 Dollar gesenkt und die Probe-Phase von einer Woche auf 14 Tage erhöht, und den Streaming-Dienst dadurch nochmals attraktiver gemacht.

Wie viele Kunden hat Beats Music?

Derzeit zählt Beats Music 250.000 zahlende Kunden. Spotify hingegen mehr als 10 Millionen Premium-Kunden, ist im Gegensatz zu Beats Music aber international verfügbar.

Ersetzt Beats Music jetzt iTunes Radio?

Nein. iTunes Radio bleibt bestehen und kostenlos. Parallel dazu wird Beats Music als kostenpflichtiger Premium-Dienst angeboten.

Apple will ein vielfältiges Angebot bieten:

  • Im iTunes Store kann man Songs und Alben kaufen.
  • Mit iTunes Radio kann man kostenlos und werbefinanziert Musik hören, hat aber vergleichsweise wenig Kontrolle darüber, welche Songs abgespielt werden – wie bei einem Radio eben.
  • Mit Beats Music bietet man einen von Musik-Experten kuratierten Premium-Streaming-Dienst für Musik-Enthusiasten an. Dessen Redaktion stellt Playlisten und Musik-Empfehlungen zusammen. Man kann aber auch ganz regulär selbst Playlisten zusammenstellen.

Es ist gut vorstellbar, dass Apple zumindest Brücken zwischen iTunes Store und Beats Music schlagen wird, sodass man dann direkt aus Beats Music heraus einen Song, den man gerade hört, über den iTunes Store kaufen kann.

Das Bezahlsystem von Beats Music dürfte mit jenem des iTunes Stores verbunden werden, sodass man sich auch mit seinem iTunes-Konto bzw. seiner Apple-ID in Beats Music einloggen kann.

Warum Beats Music und nicht Spotify oder Rdio?

Schon wie in unserem Artikel „Warum Apple Beats kaufen will“ erläutert, basiert Beats Music auf einem einzigartigen Konzept.

Laut Apple-CEO Tim Cook ist Beats Music der erste und einzige Musik-Streaming-Service, der „Musik-Streaming richtig macht“.

Spotify und Co. nutzen Algorithmen und Automatismen, um den Nutzern Musik-Empfehlungen und Playlisten auf Basis von Genres zusammenzustellen. Damit treffen sie aber nur selten den Geschmack der Nutzer.

Hinter Beats Music hingegen steht ein ausgewähltes Team an Musikern, Musik-Experten und -Kritikern, welches von US-Musiker Trent Reznor (Nine Inch Nails) angeführt wird. Reznor ist erfolgreicher Komponist, Songwriter, Sänger und Produzent. Er hat unter anderem den Soundtrack zu David Finchers „The Social Network“ komponiert und dafür 2010 einen Oscar und einen Golden Globe gewonnen.

Warum macht Apple keinen eigenen Premium-Streaming-Dienst?

Letztes Jahr hat Apple 27 Unternehmen gekauft. Bei fast allen handelte es sich um sogenannte Acqui-Hires. Dabei geht es primär um die Menschen und deren Talente, die man sich ins Boot holen will.

Laut Tim Cook hätte das Team von Eddy Cue, Apples Online-Dienste-Chef, durchaus selbst einen Streaming-Dienst auf die Beine stellen können. Das wäre nicht das Problem gewesen. Man wollte aber die Talente hinter Beats Music.

Arbeiten die Beats-Gründer Jimmy Iovine und Dr. Dre jetzt für Apple?

Ja, das tun sie. Beide werden jetzt Manager bei Apple. Nach Cupertino ziehen werden sie aber wohl nicht.

Was werden Iovine und Dr. Dre bei Apple genau machen?

Zunächst werden sie natürlich Beats weiterführen. Iovine und Dr. Dre werden Apple-VPs Eddy Cue und Phil Schiller unterstellt. Cue ist für Internet-Dienste verantwortlich und führt auch die Verhandlungen mit der Content-Industrie, wenn es beispielsweise um Streaming-Lizenzen geht.

Mit mehr als 25 Jahren Erfahrungen im Musik-Business ist Jimmy Iovine natürlich prädestiniert für den Posten des Content-Managers. Er dürfte sich um die Inhalte kümmern.

Auch Dr. Dre ist eine nicht zu unterschätzende Größe im Musik-Business. Er gilt als einer der bedeutendsten Hip-Hop-Produzenten und hat unter anderem Snoop Dogg, 50 Cent und Eminem zum Durchbruch verholfen.

Mit welchen Aufgaben Dre und Iovine bei Apple genau betraut werden, ist noch nicht bekannt.

Was passiert mit Beats Audio und den Kooperationen mit HP, HTC und Fiat?

Unter der Marke Beats Audio arbeitet Beats mit einigen Herstellern zusammen. Beats Audio findet sich als besonderes Feature beispielsweise in einigen HP-Computern. HP bietet eine ganze Produktreihe an Beats-PCs an. Gut ein Viertel aller HP-PCs sind mit Beats Audio ausgestattet.

Die Verträge mit HP laufen erst Ende 2015 aus, jedoch kann HP nur bis Ende 2014 neue Produkte mit Beats Audio entwickeln und diese dann noch ein Jahr lang verkaufen und vermarkten.

Auch mit HTC arbeitete Beats zusammen. Die Kooperation mit dem taiwanischen Hersteller endete im September letzten Jahres.

Mit dem Fahrzeugbauer Fiat hat man den Fiat 500L Beats Edition entwickelt, der eine Beats Audio Soundanlage integriert hat. Auch die US-Automarken Chrysler und Dodge bieten Beats Audio als Sonderausstattung an.

Ist Apple jetzt Hersteller von Android- und Windows-Phone-Apps?

Tatsache! Apple hat auch bereits angekündigt, dass die Beats Music Apps für Android und Windows Phone weiter bestehen werden.

Das ist sehr interessant und könnte auch darauf hindeuten, dass sich Apple plattformübergreifender positionieren will. Investoren, Analysten und Branchenexperten legen Apple schon seit längerer Zeit nahe, Dienste wie beispielsweise iMessage und Facetime auf Android und Windows Phone anzubieten. Damit könnte diese an sich schon sehr populären Dienste noch mehr Nutzer gewinnen.

Werden iPhone, iPad und iPod jetzt Beats-Kopfhörer anstelle der EarPods beigelegt?

Unwahrscheinlich. Die günstigsten Beats-Kopfhörer, die , kosten um die 90 Euro. Beats-Kopfhörer werden wohl ein optionales Premium-Zubehör bleiben.

Wird Apple jetzt eigene Beats-Kopfhörer entwickeln?

Ja. Apples Design Team löst, wie bereits zuvor erwähnt, die Design-Firma Ammunition ab, die bisher für das Beats-Design verantwortlich war. Apple wird also zukünftig Beats-Kopfhörer entwickeln und designen. Eddy Cue sagte in einem Interview, dass Apple sehr wohl an Kopfhörern und Lautsprechern interessiert ist. Es ist aber unklar, inwieweit sich Apple sonst noch einbringen wird. Vielleicht gibt es ja irgendwann iBeats-Kopfhörer oder Beats by Dr. Cook – just kidding.

 

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung