Apple setzt für Barrierefreiheits-Funktionen auch auf blinde Entwicklerin

Florian Matthey

Ein wichtiger Teil der Apple-Betriebssysteme, den viele Kunden kaum kennen, sind die Barrierefreiheit-Features. Eine blinde Apple-Entwicklerin berichtet, warum Apple hier Vorreiter ist und wie sie hilft, die Produkte noch zugänglicher zu machen.

Mashable stellt in einem Portrait die erst 22-jährige blinde Apple-Entwicklerin Jordyn Castor vor. Castor kam 15 Wochen vor dem regulären Geburtstermin zur Welt und überlebte überraschend, war aber von Geburt an blind. Aufgrund von Unterstützung durch ihre Eltern, Lehrer und andere Erwachsene sowie eines Willens, über Erwartungen an sie hinauszuwachsen, seien berufliche und andere Erfolge für sie möglich gewesen – der größte ist natürlich die Festanstellung bei Apple.

Schon früh habe sie sich immer für Computer und Technologie interessiert und unter anderem den Computer in ihrem Klassenzimmer verwendet. Mit 17 bekam sie dann ihr erstes iPad, das für sie ein ganz besonderes Gerät gewesen sei: Aufgrund der eingebauten „VoiceOver“- und andere Barrierefreiheits-Funktionen des iOS sei das iPad ein Gerät gewesen, das sie von Anfang an, ohne weitere Software oder Hilfsmittel, einfach benutzen konnte. So etwas habe sie vorher noch nie erlebt.

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Dies habe sie den Apple-Vertretern auf einer Job-Messe erzählt, als sie sich für ein Praktikum in dem Unternehmen bewarb. Im Rahmen des Praktikums konnte sie dann an der Verbesserung der Barrierefreiheits-Funktionen arbeiten und erhielt dann auch die Anstellung im Unternehmen. Seitdem ist sie entscheidend für die Weiterentwicklung dieser Funktionen mit verantwortlich – Apple sei bewusst, wie wichtig die Perspektive der betroffenen Personen selbst für die Verbesserung dieser Technologien sei.

Auch setze Apple viel mehr auf Barrierefreiheit, als das bei anderen Unternehmen der Fall sei. Bei Nicht-Apple-Geräten seien es Blinde eher gewöhnt, zusätzliche Produkte erwerben zu müssen. Apples Betriebssysteme bieten aber schon von Haus aus mit VoiceOver ein Feature, das Bildschirminhalte vorliest und Sprachbefehle erkennt. Hinzu komme eine direkte Unterstützung von Braille-Zeilen, die Bildschirminhalte in Braille-Schrift ausgeben – damit arbeitet auch Castor, wenn sie programmiert, da sie den Code gerne genau auf jedes Zeichen genau erspürt und ihn auch überfliegen kann, statt ihn sich anzuhören.

Die nächsten Versionen der Apple-Betriebssysteme bringen auch weitere Änderungen mit sich, die sie für Blinde noch zugänglicher machen: Siri in macOS Sierra ist natürlich auch für Menschen mit Sehbehinderungen interessant. Das watchOS 3 ermögliche es wiederum, die Uhrzeit zu erfahren, ohne das Display sehen zu können oder sich die Uhrzeit anhören zu müssen: Diskret kann die Apple Watch dem Benutzer die Zeit über Vibrationen mitteilen.

Castor hat sich auch dafür eingesetzt, dass Apple in Zukunft weiteren Kindern, wie sie eines war, den Zugang zum Coding erleichtern wird: Dem Artikel zufolge war sie federführend dafür, dass Apples neue App Swift Playground auch über Barrierefreiheits-Funktionen verfügt. Mit Swift Playground soll sich spielerisch Programmieren mit Apples Programmiersprache Swift erlernen lassen – vor allem auch für Kinder. Von Haus aus wird die iPad-App dies auch für blinde Benutzer ermöglichen.

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