Apples Vorstand hat ein Besetzungsproblem. „Es sind alles weiße Männer.“ – so Jonas Kron von Trillium Asset Management LLC. Er vertritt einen von zwei Großaktionären von Apple, die in den letzten Wochen eine solche Kritik vorbrachten.

Der zweite im Bunde ist die Sustainability Group. Beide Aktionäre vertreten die Meinung, in Apples Vorstand und im dazugehörigen Aufsichtsrat finden sich zu wenige Frauen. Gleichfalls nicht anzutreffen sind Vertreter von Minderheiten. Die Apple-Oberen ein reiner Männerclub der weißen Oberschicht?

Apples Vorstand und Aufsichtsrat: Eine Frau gegen 15 Männer

Die Fakten: Aktuell besteht der Apple-Vorstand tatsächlich nur aus Männern – Tim Cook und seine Mannen bleiben unter sich. Einzig im Aufsichtsrat verteidigt Andrea Jung die feminine Seite des Kapitalismus. Aufgrund ihrer chinesischen Eltern vertritt sie in Personalunion auch gleich noch die asiatische Minderheit. Immerhin gesellt sich mit Angela Ahrendts (ehemals Burberry) demnächst eine Frau in den Vorstand. Sie übernimmt zukünftig die Leitung des Retail-Geschäfts – wir berichteten.

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Verpflichtung: Apple sucht jetzt aktiv nach Frauen und Minderheiten

Doch genügt dies den Kritikern? Vertreter von Apple und besagten Aktionären trafen sich aus diesem Grund mehrmals in den letzten Wochen. Die Kritiker drohten zuvor an, die Missbilligung zum offiziellen Tagesordnungspunkt der kommenden Aktionärsversammlung am 28.02.2014 zu machen. Dies konnte Apple nach den Gesprächen zunächst verhindern. Der Hersteller verpflichtet sich, ab sofort aktiv nach passenden Frauen und Minderheiten für den Aufsichtsrat zu suchen. Die Unternehmensstatuten wurden entsprechend ergänzt, darin heißt es nun: „The nominating committee is committed to actively seeking out highly qualified women and individuals from minority groups to include in the pool from which board nominees are chosen.“

Erwähnenswert: An Apples Spitze findet sich sehr wohl ein Vertreter einer Minderheit. Tim Cook wurde bereits mehrmals zum einflussreichsten Homosexuellen Amerikas gewählt – zuletzt erst im April 2013. Allerdings spielt die sexuelle Orientierung unter den Topmanagern der Wirtschaft bewusst keine Rolle und wird nicht weiter ausgeführt – eine sinnvolle Tabuisierung. Denn letztlich sollte es den Aktionären und Kunden herzlich egal sein wer wen liebt. Hingegen nicht wegzudiskutieren ist die noch immer bestehende und geschichtlich begründete Ungleichheit bei der Geschlechterverteilung – vor allem im Topmanagement. Für Apple und die Mehrzahl der Unternehmen gibt es also noch viel zu tun.

* Wer bei der provokant formulierten Überschrift aufschreckt, sollte folgend die Erklärung hierzu lesen. Bei der Aufbereitung der Nachricht kam mir spontan der passende Song des satirischen Liedermachers Funny van Dannen in den Kopf. Der treffende Titel: „Lesbische schwarze Behinderte“. Ein Schmuckstück seines musikalischen Schaffens aus dem Album Uruguay (iTunes-Store-Link). Anhängern der „volkstümlichen Punkmusik“ dürfte dagegen eher die Version der Toten Hosen (iTunes-Store-Link) ein Begriff sein. Beides zu haben natürlich auch im iTunes Store.

Funny Van Dannen Lesbische Schwarze Behinderte

Quelle: LA Times

Bildquelle (Titel): sliced bread isolated... von shutterstock

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Sven Kaulfuss
Sven Kaulfuss, GIGA-Experte für Apple, Antiquitäten und altkluge Sprüche.

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