Apple und der Disney-Chef: Werden aus Freunden jetzt Feinde?

Stefan Bubeck 2

Disney-CEO Bob Iger ist der wahrscheinlich mächtigste Manager in Hollywood – und er sitzt bei Apple seit 2011 im Verwaltungsrat. Diesen Posten wird er womöglich räumen müssen, denn die Streaming-Pläne beider Konzerne erzeugen hier einen handfesten Interessenskonflikt. Werfen wir einen Blick auf eine langjährige Beziehung.

Apple und der Disney-Chef: Werden aus Freunden jetzt Feinde?
Bildquelle: GIGA.

Im November 2011 verkündete Apple stolz, dass Robert „Bob“ Allen Iger, President & Chief Executive Officer der Walt Disney Company, Mitglied im Aufsichtsrat des IT-Riesen wird. Zur zeitlichen Einordnung: Damals war das iPhone 4s brandneu, Steve Jobs gerade verstorben, Tim Cook war der frisch erkorene Apple-Boss.

Streaming-Pläne: Apple und Disney werden direkte Konkurrenten

Wie die Nachtrichtenagentur Bloomberg berichtet, steht Bob Igers Funktion bei Apple auf dem Prüfstand. Das liegt daran, das beide Unternehmen eigene Streaming-Angebote planen, die nicht nur gegenüber Netflix als Wettbewerber aufgestellt sind – sondern eben auch gegenseitig. Der Top-Manager Iger wäre dann in einem Interessenkonflikt. John Coffee (Direktor des Center on Corporate Governance an der Columbia Law School) vermutet, dass beide Unternehmen Rechtsberater beauftragt haben, die derzeit prüfen, ob Iger im Apple-Verwaltungsrat bleiben soll oder nicht.

Apples zukünftiges Angebot ist aktuell noch namenlos, während der Mickey-Mouse-Konzern mit „Disney+“ an den Start gehen wird. Auf Letzterem werden Blockbuster und Serien rund um Star Wars und Marvels Avengers erwartet – beides Marken innerhalb des Disney-Portfolios, bald exklusiv auf dem hauseigenen Streaming-Dienst. Für uns Film- und Serienjunkies Zuschauer dürfte diese Fragmentierung von Streaming-Inhalten mit Mehrkosten verbunden sein.

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Bob Iger, ein langjähriger Hausfreund Apples

„Apple und Disney“ ist mehr als nur die Geschichte einer oberflächliche Beziehung, beide Unternehmen waren über Jahre hinweg (strategisch) verbunden, zwischen Steve Jobs und Bob herrschte gar ein vertrauensvoll-freundschaftliches Verhältnis. Auch Jobs Nachfolger Tim Cook und Iger schätzen einander, wie lobpreisende Aussagen der beiden über den jeweils anderen bezeugen.

Dieser „Showdown“ erinnert an die Causa Eric Schmidt, dem damaligen Apple-Vorstandsmitglied (ab 2006) und Google-CEO, der Apples Board of Directors 2009 verlies. Der Grund: Apple und Google kamen sich zunehmend in ihren Kerngeschäften in die Quere. Es war der Beginn eines brutalen Konkurrenzkampfs um die Vorherrschaft in der Smartphone-Welt.

Offenbar stehen wir an der Schwelle zum nächsten großen Kapitel. Diesmal geht es aber um Unterhaltungs-Dienste und wertvolle Inhalte, mit denen der zahlende Streaming-Kunde gewonnen werden soll. Wie geht es mit Bob Iger weitergeht, bleibt erstmal offen. Bisher wollten weder Apple noch Disney eine Bloomberg-Anfrage mit einem Kommentar beantworten.

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