Apple: Vom Datenschützer zum angeblichen Kindermörder

Sebastian Trepesch 30

Die US-Behörden versuchen es über das schlechte Gewissen von Tim Cook & Co: In ihren Augen könnte Apple direkt am Tod eines Kindes verantwortlich werden. Grund: Die gute Verschlüsselung der Apple-Hardware.

Apple: Vom Datenschützer zum angeblichen Kindermörder

Die deutlichen Worte setzt laut einem Bericht des Wall Street Journal (via 9to5mac) das US-Justizministerium gegen Apple ein. Weil die staatlichen Überwachungsdienste nicht an die notwendigen Informationen herankommen, könne die Verschlüsselung auf den Apple-Geräten eines Tages zum Beispiel verhindern, dass ein Kidnapper gefasst wird. Und das könne zum Tod eines Kindes führen.

Beobachter bezeichnen diese Vorwürfe als eine neue Stufe in der Auseinandersetzung zwischen Staat und Apple.

Die Behörden hatten bereits in der Vergangenheit über die Sicherheitsmechanismen von iOS geklagt – mit iOS 8 hat Apple sie noch etwas weiter ausgebaut. Apple-Chef Tim Cook machte aber wiederholt klar, dass sich Apple um den Datenschutz seiner Kunden (also uns) bemüht. In einem Interview erklärte er, dass die Dienste wie iMessage, Facetime und Mail so entwickelt wurden, dass selbst Apple diese Daten Dritten nicht bereitstellen könne – keinem Bösewicht und keiner Regierung.

Wie passend: Genau heute wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass die Privatsphäre-Information jetzt auch in deutscher Sprache auf der Apple-Webseite zu finden ist. Tim Cook erklärt in einem offenen Brief, dass das Geschäftsmodell nicht auf der Speicherung von persönlichen Daten der Kunden beruhe, um diese zum Beispiel an Werbekunden zu verkaufen. Auch würden die Inhalte der Nutzer nicht gescannt, um Marketingprofile zu erstellen. (Ein Schelm, wer hier an Google denkt…) Vielmehr solle der Nutzer selbst entscheiden, welche Informationen er teilen möchte.

Und weiter: „Abschließend möchte ich noch absolut klarstellen, dass wir nie mit einer Regierungsbehörde irgendeines Landes zusammengearbeitet haben, um eine Hintertür in eines unserer Produkte oder einen unserer Services einzubauen,“ so Cook in dem Schreiben. „Wir haben auch noch nie Zugriff auf unsere Server gewährt. Und wir werden das auch niemals tun.“

Nach so einer klaren Aussage dürfte sich Cook auch von den jüngsten Kommentaren der Behörden wenig beeindrucken lassen. 

Was können wir aus dieser Geschichte folgern?
Offensichtlich sind die Apple-Systeme so gesichert, dass sie nicht nur Bösewichten, sondern auch den Geheimdiensten große Probleme bereiten. Sonst hätte das US-Justizministerium nicht so einen jämmerlichen rhetorischen Versuch gestartet, ein Hintertürchen im Betriebssystem zu bekommen. Bleibt abzuwarten, wie ein solches Argumentieren für einen Überwachungsstaat in den USA aufgenommen wird.

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