Apple vs. FBI: Regierung spricht von Ablenkungsmanöver, Apple ist empört

Florian Matthey

Im Fall Apple gegen das FBI hat sich jetzt die US-Bundesregierung erneut offiziell zu Wort gemeldet: Es handle sich lediglich um einen Einzelfall; Apples Argumentation sei ein Ablenkungsmanöver und übertrieben. Apples Chef-Justitiar hat bereits reagiert.

Die US-Regierung hat sich vor dem Gericht, das die Anordnung des FBI gegenüber Apple prüft, offiziell zu Apples Argumentation geäußert. Das FBI möchte bekanntlich, dass Apple die Passcode-Schutzmechanismen des sichergestellten iPhone 5c des Terroristen von San Bernardino deaktiviert, damit die Behörden mit der „Brute Force“-Methode auf die gespeicherten Daten zugreifen können.

Apple will die Datenschutz-Mechanismen des iOS allerdings nicht modifizieren: Einerseits bestehe die Gefahr, dass eine solche „Hintertür“ auch von Unbefugten missbraucht würde. Andererseits würden auf einen solchen Präzedenzfall zahlreiche weitere Anfragen folgen. Beides würde den Datenschutz aller Kunden beeinträchtigen. Apples Internet-Dienste-Chef Eddy Cue warnt sogar davor, dass das FBI letztendlich auch Personen über das Mikrofon und die Kamera eines iPhone überwachen können wollte.

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Die US-Regierung hält von dieser Argumentation wenig überraschend nichts: Apple und seine Unterstützter behaupteten, es handle sich um allgemeine Fragen der Netzwerksicherheit, Verschlüsselung, Hintertüren und Schutz der Privatsphäre. Man versuche, eine größere Debatte im US-Kongress und den Medien anzustoßen. Dies sei jedoch ein Ablenkungsmanöver: Apple versuche, es so darzustellen, als handle es sich um mehr als den Fall eines einzelnen iPhones. Es sei jedoch tatsächlich nur ein Einzelfall: Vorliegend gehe es ausschließlich um das Gerät eines Terroristen; es sei nicht ersichtlich, dass der Fall zwangsläufig weitere Fälle mit sich brächte. Selbst wenn dies der Fall wäre, wäre es für ein so großes und fähiges Unternehmen wie Apple aber kein Problem, weiteren Anfragen nachzukommen.

Wenn Apple Code schreibt, um Modifikationen des betroffenen iPhone vorzunehmen, bestehe keine Gefahr, dass dieser in falsche Hände gerät: Der Code würde Apple nie verlassen; das Unternehmen müsste den Code niemals den Behörden bereitstellen oder erklären, wie der Mechanismus funktioniert. Apple habe in der Vergangenheit schon bewiesen, dass das Unternehmen vollkommen in der Lage ist, eigenen Code zu schützen. Letztendlich müsse Apple dem FBI daher keinen Generalschlüssel übergeben, sondern lediglich „die Falle vor einer Tür“ entschärfen – der des Terroristen Farook. Apples Angst, nach der Einrichtung einer Hintertür dauernd Regierungen – auch autoritären Regimes auf der ganzen Welt – helfen zu müssen, seien übertrieben und ohne jegliche Basis.

Apples Chefjustitiar Bruce Sewell hat sich gegenüber Business Insider bereits zur Argumentation der Regierung geäußert. In mehr als dreißig Jahren Berufserfahrung habe er wohl noch nie einen Schriftsatz gesehen, bei dem es so sehr darum ging, lediglich die andere Seite mit falschen Anschuldigungen zu beschmutzen.

Apple gehe es mit Sicherheitsmaßnahmen darum, Kunden vor Hackern und Kriminellen zu schützen, so Sewell. Das FBI sollte Apple unterstützen, weil dies der Sicherheit aller dienen würde. Etwas anderes zu behaupten sei herabwürdigend und beschmutze die Debattenkultur. Das Justizministerium sei offenbar so verzweifelt, dass es sämtliches Taktgefühl über Haufen geworfen habe.

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