Cue und Federighi sprechen über Apples Fehler, Medien-Wahrnehmung und schreienden Steve Jobs

Florian Matthey

In einem zweiten Interview äußern sich Eddy Cue und Craig Federighi über die Fehleinschätzung bei den Apple-Karten und warum Apples Fehler besonders viel Aufmerksamkeit bekommen. Auch sprechen sie über das Verhältnis zu Tim Cook im Vergleich zu Steve Jobs.

Nach einem ersten ausführlichen Interview mit Eddy Cue, Craig Federighi und Tim Cook hat sich Fast Company auch mit Cue und Federighi alleine zu einem zweiten Interview zusammengesetzt. Dieses Mal ging es in erster Linie um Apples Fehler und wie das Unternehmen aus diesen lernt.

Schon im ersten Interview kamen die Manager auf das Debakel um die Apple-Karten im iOS 6 zu sprechen. Cue berichtet, dass damals ein vergleichsweise kleines Teams an der neuen Karten-App und dem Kartenmaterial gearbeitet habe – und Apple vollkommen unterschätzt habe, was für eine Herausforderung diese Neuerung darstellen würde. Zunächst habe man gedacht, dass es so schwer ja nicht sein könne; die Daten seien doch immerhin vorhanden. Dann habe man den Fehler aber auf die harte Tour erkennen müssen. Schon im ersten Interview hatte Federighi verraten, dass diese Erfahrung der Grund ist, warum Apple heute Public Betas seiner Betriebssysteme anbietet.

Bilderstrecke starten(13 Bilder)
Arbeitsplatz für Apple-Nutzer: Tische, Stühle und weitere Anregungen im Überblick

Cue glaubt aber auch, dass Apples Fehler eben auch besonders viel Aufmerksamkeit bekommen. Es möge zwar so aussehen, als ob die Fehler sich im Vergleich zur Vergangenheit häufen. Letztendlich müsse man aber bedenken, dass die Fehler heute einfach deutlich mehr Personen beträfen: Als Apple ein reiner Mac-Hersteller war und ein Fehler bei einem Prozent der Kunden auftrat, bedeutete das, dass ein paar tausend Menschen Probleme hatten.

Heute bedeute ein Prozent zig Millionen Kunden mit Problemen. „Unsere Produkte sind viel besser als sie früher waren, aber jetzt gibt es einen höheren Anspruch, und das ist auch ok für mich.“ Von Apple erwarteten Kunden im Gegensatz zu anderen Unternehmen eben Perfektion. Das wolle Apple aber auch, so dass die Entwicklung letztendlich in Ordnung sei.

Allerdings habe Apple auch nicht den Anspruch, alles selbst zu machen. Cue betont, dass Apple nie Amazon oder Facebook oder Uber sein wollte. Uber sei ein Beispiel dafür, was andere Unternehmen für tolle Dinge mit Apples Plattformen erreichen können. Das sei ideal, da diese Unternehmen Dinge tun, an die Apple gar nicht gedacht hatte. Allerdings sei auch zu bedenken, dass es Uber ohne das iPhone wohl nicht geben würde.

Federighi betont in diesem Zusammenhang, dass es hier ein interessantes „Medien-Narrativ“ gebe: Egal, was irgendjemand mache – die Medien stellten sich die Frage, warum Apple nicht hinter einem ähnlichen Projekt stehe. Das Unternehmen sei aber nicht die „Everything Company“. Man konzentriere sich auf relativ wenige kleine Dinge, die man sehr gut könne.

Gleichzeitig sei Apple aber eben auch nicht ein reiner Smartphone-Hersteller. Cue erklärt, dass das iPhone zwar Apples wichtiges Produkt sei, man aber nicht alle Produkte an diesem messen werde. Wenn es nur darum ginge, das iPhone zu schlagen, hätte man kein Apple TV erschaffen.

Da es in dem Interview in erster Linie um Fehler geht, kommen Cue und Federighi auch darauf zu sprechen, was persönliche Fehler bei der Zusammenarbeit mit ihrem Chef bedeuten. Tim Cook sei, so Cue, ein anderer Mensch als sein Vorgänger Steve Jobs. Was er an ihm liebe sei, dass er sich immer treu geblieben sei und nie versucht habe, „Steve zu sein“. Es gebe Dinge, die bei Cook besser seien als sie bei Jobs waren und umgekehrt.

Die wichtigste Gemeinsamkeit sei aber, dass er sowohl Jobs als auch Cook nie enttäuschen wollte und will. So sei das auch bei seinem Vater. Er sei schon bei Apple gewesen, als noch „Spindler und diese Leute“ – der Deutsche Michael Spindler war als Nachfolger von John Sculley in den 1990er Jahren Apple-CEO – das Unternehmen geleitet habe. Mit diesen habe er nicht so empfunden. „Das ist eine Qualität, die einzigartig macht“, so Cue.

Auch im Umgang mit Fehlern seien Cook und Jobs letztendlich gleich – wenn auch nur auf den zweiten Blick: Jobs habe einen angeschrien. Cook sei ruhiger und bedachter. Das Gefühl, wenn man ihn enttäusche, sei aber letztendlich das selbe wie bei Jobs: Er schreie einen nicht an, aber vermittle letztendlich doch dasselbe. Fast Company merkt an, dass Federighi an diesem Punkt lachend zustimmt.

iPad Pro 9,7 Zoll im Test.

Hat dir dieser Artikel gefallen? Schreib es uns in die Kommentare oder teile den Artikel. Wir freuen uns auf deine Meinung - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook oder Twitter folgen.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung