Deal mit Toshiba: Apple will Speicherchip-Hersteller werden

Florian Matthey

Seit einiger Zeit versucht Toshiba, sein lukratives Geschäft mit NAND-Speicher-Chips zu verkaufen. Zwischenzeitlich soll Apple zusammen mit Foxconn einer der Interessenten gewesen sein. Jetzt ist Apple offenbar wieder im Rennen – aber mit einem anderen Partner.

Toshiba will sein Geschäft der Produktion von NAND-Speicher-Chips verkaufen – also solche Chips, die in Smartphones und Tablets, aber auch als SSDs in Laptops und Desktop-Rechnern zum Einsatz kommen. Die Japaner sind mehr oder weniger gezwungen, sich von der Sparte zu lösen, um die Insolvenz der amerikanischen Tochter Westinghouse Electric Company abzuwenden. Westinghouse betreibt in den USA mehrere Kernkraftwerke.

Die Frage, wer das Geschäft übernehmen könnte, wurde aufgrund der Involvierung der japanischen und amerikanischen Regierungen schnell zu einem Politikum: Die Apple-Partner Foxconn und TSMC sollen an einer Übernahme interessiert gewesen sein, was allerdings auf Widerstand stieß, weil die Unternehmen aus Taiwan zu eng mit China verbunden sind. Die japanische Regierung sprach gar von „Sicherheitsbedenken“. Zwischenzeitlich soll Apple an einer Übernahme gemeinsam mit Foxconn interessiert gewesen sein. Auch Unternehmen wie Google und Amazon sollen zwischenzeitlich im Rennen gewesen sein.

Seit einiger Zeit sah allerdings alles nach einer Übernahme durch das US-Unternehmen Western Digital aus. Western Digital soll die stolze Summe von 17,4 Milliarden US-Dollar geboten haben. Zum Vergleich: Die bisher größte Übernahme in Apples Geschichte – von Beats – kostete das Unternehmen „nur“ 3 Milliarden US-Dollar.

iPhone 8 Gerüchte.

Auch die Gespräche zwischen Western Digital und Toshiba sollen aber nicht ganz glatt verlaufen: Western Digital hatte zuvor Chips zusammen mit Toshiba als Joint Venture hergestellt und sieht darin, dass Toshiba dieses Geschäft zur Vorbereitung des Verkaufs in einen separaten Bereich des Unternehmens transferiert hat, einen Vertragsbruch. Parallel zu den Gesprächen läuft daher noch ein Rechtsstreit zwischen den Unternehmen, was sicherlich nicht förderlich ist.

In dieser Situation sieht offenbar Apple – wieder einmal – eine Chance: Der iPhone-Hersteller soll jetzt Teil eines vom Investmentunternehmen Bain Capital geführten Konsortiums sein, das sich als Alternative zu Western Capital anbietet. Die Gruppe, zu der neben Apple und Bain Capital auch der südkoreanische Chiphersteller SK Hynix gehört, soll 18,2 Milliarden US-Dollar für die Sparte bieten. Toshiba soll sich für die Western-Digital-Verhandlungen selbst den heutigen Donnerstag als Deadline gesetzt haben – und offenbar ist es unwahrscheinlich, dass sich in diesen Gesprächen noch etwas tut.

Sollte es zur Übernahme durch das Konsortium kommen, würde Apple 20 Prozent an dem neuen, dann komplett von Toshiba ausgegliederten Chip-Geschäft halten. Für Apple wäre ein Einstieg in die NAND-Chip-Herstellung sinnvoll, um in Zukunft stetige Lieferungen dieser wichtigen Komponenten zu sichern – womöglich auch zu niedrigeren Preisen als bisher. In der jüngeren Vergangenheit hat Apple iPhone-Benutzern ein Upgrade auf aktuellere Modelle nicht zuletzt mit immer höheren Speicherkapazitäten schmackhaft gemacht – und auch bei Macs verabschiedet sich das Unternehmen immer mehr von Festplatten, die mittlerweile nur noch in Desktop-Rechnern zum Einsatz kommen. Ob der Deal letztendlich zustande kommen wird, ist aber weiterhin nicht klar.

Quelle: via Mac Rumors

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