Hat Apple ein Sexismus-Problem? E-Mails von Apple-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern legen das zumindest nahe. Apples Personalchefin kündigt Maßnahmen an – wünscht sich allerdings auch mehr Diskretion.

Die Website .Mic hat Apple-interne E-Mails bekommen, in denen sich weibliche, aber auch einige männliche Apple-Mitarbeiter über verschiedene Vorkommnisse bei Apple beklagen. Die Beschwerden Reichen über fragwürdige Witze und Bemerkungen über Arbeitsbedingungen bis hin zu einem Übergehen von Frauen bei Beförderungen.

Für Aufmerksamkeit sorgt ein Bericht über einen „Vergewaltigungs-Witz“: Männliche Apple-Mitarbeiter machen in einem internen Chat den Scherz, dass sie immer an den „Bed Intruder“-Song denken, wenn die Meldung aufkommt, dass sich eine nicht berechtigte Person im Gebäude befinde. „Bed Intruder“ ist ein Internet-Meme, das ein Video eines Mannes aufgreift, der etwas skurril berichtet, wie ein mutmaßlicher Vergewaltiger in sein Haus eingebrochen war. Man solle seine Frauen und Kinder verstecken, so das Zitat, das dann über den Chat ging.

Das einzige weibliche Mitglied des Teams beschwerte sich dann, dass entsprechende Witze nicht nötig seien. Da sie schon mehrfach entsprechende Vorkommnisse beobachtet hatte, beschwerte sie sich zunächst bei ihrem Vorgesetzten, der nicht reagierte. Auch eine E-Mail an Apples CEO Tim Cook brachte keine Reaktion.

Während sich über den Humorgehalt entsprechender Witze noch diskutieren lässt, gibt es in den E-Mails aber auch Beschwerden über handfeste Benachteiligung in der Beförderungspraxis des Unternehmens: Unter anderem beschwert sich eine Mitarbeiterin darüber, dass zwei höherrangige Positionen frei wurden, für die sie „mehr als qualifiziert“ gewesen sei. Allerdings gab es keine internen Ausschreibungen; stattdessen habe der männliche Vorgesetzte einfach zwei Männer ausgesucht.

Eine andere Frau beschwert sich, dass sie bei Spätschichten alleine in einem dunklen Büro arbeiten müsse – das Bewegungsmelder-System sorgt dafür, dass zwischen ihr und dem nächsten Mitarbeiter sechs dunkle Büros liegen. Sie bat darum, dass ihr Arbeitsplatz näher an diesen Kollegen heranrücken würde. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt.

Eine weitere Mitarbeiterin beklagte sich beim Management über Belästigungen durch ihre direkten Kollegen. Apple räumte ein, dass ihr Arbeitsumfeld ihr gegenüber feindselig sei und bot ihr eine Position in einem anderen Team an – allerdings war diese Position niedriger und schlechter bezahlt als ihre bisherige.

Ein männlicher Mitarbeiter, der die E-Mails seiner Kolleginnen verfolgte, schaltet sich ebenfalls ein und berichtet, dass er ebenfalls eine sexistische Grundeinstellung bei seinen Kollegen sehe: Beispielsweise gelte es dort als herablassend, einen Mann als weiblich zu bezeichnen; man habe ihn selbst mehrfach gefragt, ob er sich gerade wieder in den Tagen seiner „Mann-Periode“ befinde.

Recode hat sich mit Apples Personalchefin Denise Young Smith über die Anschuldigungen unterhalten. Young Smith versichert, dass sie entsprechende Berichte nicht nur sehr ernst, sondern auch persönlich nehme. Es tue ihr leid, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen diese Erfahrungen gemacht hätten. Es habe bereits Konsequenzen gegeben – darunter Maßnahmen von klärenden Gesprächen bis hin zu Entlassungen.

Welche Konsequenzen es für welche Vorkommnisse gab, konnte sie jedoch zum Schutz der Privatsphäre der Betroffenen nicht sagen. Allgemein ist Young Smith enttäuscht, dass diese E-Mails an die Öffentlichkeit kamen: Dadurch sei ein interner E-Mail-Austausch über entsprechende Probleme nicht mehr so vertrauenswürdig wie zuvor. Man denke darüber nach, welche Maßnahmen diesbezüglich möglich sind.

Bei Apple arbeiten mittlerweile zu 32 Prozent Frauen, was ungefähr anderen IT-Unternehmen wie Google oder Facebook entspricht. Wichtig ist, dass die Tendenz hier auch steigt. Allerdings sieht es auf Führungsebene schon ganz anders aus: Unter den elf Personen auf höchster Ebene befindet sich mit Apples Store-Chefin Angela Ahrendts nur eine einzige Frau.

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