Experten: Wie sich IBM gut für die Zukunft aufstellt – und Apple nicht

Florian Matthey 14

IBM war einst das böse „Big Blue“, Apple der kleine Herausforderer. Heute ist Apple deutlich mehr wert als der einstige PC-Hersteller. Experten glauben, dass sich das wieder umkehren könnte – wenn Apple nicht umdenkt.

Experten: Wie sich IBM gut für die Zukunft aufstellt – und Apple nicht

IBM war in den 1980er Jahren Apples Haupt-Konkurrent; lange Zeit waren PCs aller Hersteller als „IBM-PCs“ eng mit dem Unternehmen verbunden. Mittlerweile stellt IBM keine eigenen Personal Computer mehr her und konzentriert sich eher auf Dienstleistungen im Business-Bereich, während Apple mit zahlreichen Consumer-Produkten in den letzten beiden Jahrzehnten riesige Erfolge feierte.

Die Fortune-Autoren Charles O’Reilly und Michael Tushman glauben allerdings, dass die Zukunft IBM gehören wird, während Apple eher ein Abstieg bevorstehe: Beide Unternehmen befänden sich aktuell am Scheideweg und müssten sich verändern. IBM sei das bewusst, während Apple offenbar die Augen verschließe. Wenn das Unternehmen nicht aufpasse, könnte es ein ähnliches Schicksal ereignen wie Kodak, BlackBerry oder Nokia, die einst in ihrem jeweiligen Bereich führend waren.

Es sei gefährlich, so weit oben zu liegen, wie es bei Apple aktuell der Fall ist. Die genannten früheren Marktführer seien nicht wegen Pechs so weit abgestiegen, sondern wegen Arroganz – ein weiteres Beispiel sei die Einzelhändler-Kette Sears, die den Aufstieg von Wal-Mart zu lange ignoriert habe.

IBM habe aus den eigenen Fehlern in den 1990er Jahren gelernt und sei dann in den 2000er Jahren zum Business-Dienstleister geworden. IBM habe außerdem nicht nur versucht, eine Führungsposition auf bestehenden Märkten zu halten, sondern gleichzeitig neue Märkte aufzumischen – beispielsweise sei die Genetik- und Proteomik-Forschungssparte IBM Life Sciences wie ein neues, eigenes Unternehmen, eine „Emerging Business Opportunity Unit“ (EBO), aufgebaut worden. Daraus seien letztendlich Funktionen von IBMs Supercomputer Watson hervorgegangen.

Die EBOs hätten vor allem unabhängig vom Bestreben des IBM-Managements, kurzfristige Gewinne zu erzielen, gearbeitet. EBOs sollten neue Märkte austesten, in die das IBM-Management dann verstärkt investieren konnte. Das Management der EBOs hätte jedoch jeweils die Freiheit gehabt, neue Ideen und Methoden auszuprobieren.

Apple sei wiederum weiterhin abhängig von einigen gut designten Produkten, für die jedoch das Kundeninteresse nachzulassen beginne. Die Geheimniskrämerei des Unternehmens sorge dafür, dass Apple den Blick nach außen verliere und damit begonnen habe, „seine eigene Propaganda zu glauben“. Den Autoren zufolge scheint es Apple also an EBOs zu fehlen; stattdessen konzentriere sich Apple einfach weiterhin auf die Stärkung und Ausweitung der bestehenden Produkte. EBOs, die neue Märkte austesten, wären natürlich auch nicht mit Apples Geheimniskrämerei zu vereinbaren, da sie ja auf den jeweiligen Märkten auftreten müssten.

Der neue 5-Milliarden-Dollar-Apple Campus mit dem „Raumschiff“-Hauptgebäude sei vielleicht ein Zeichen von Selbstüberschätzung, wie es einst der Sears Tower gewesen sei.

Die Autoren kommen allerdings nicht auf die Gerüchte um das Apple-Auto zu sprechen, mit dem Apple ja in einen komplett neuen Markt einsteigen würde. Damit könnte die Investition in den Uber-Konkurrenten Didi Chuxing im Zusammenhang stehen – Apple gibt auch offen zu, mit dieser mehr über dieses Segment des chinesischen Marktes erfahren zu wollen. Eine EBO ist das zwar nicht, wohl aber ein Vorfühlen, das nicht komplett hinter verschlossenen Türen geschieht.

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