Fall Apple vs. FBI: Was das FBI, Apples Anwalt und die Opfer sagen – und Steve Jobs gesagt hätte

Florian Matthey 3

Neues zum Fall Apple/FBI: Das FBI erklärt, warum das Apple-ID-Passwort geändert wurde. Die Opfer sind auf der Seite des FBI. Apples Anwalt spricht von der „Büchse der Pandora“. Und ein Video zeigt, dass schon Steve Jobs Datenschutz sehr wichtig war.

Das FBI hat ein iPhone 5c des einen Täters des San-Bernardino-Anschlags vom Dezember letzten Jahres sichergestellt. Das iPhone ist mit einem Passcode geschützt – und die Behörden verlangen von Apple, dass das Unternehmen die Firmware auf dem Gerät modifiziert, um den Passcode-Schutz zu umgehen. Apple weigert sich bekanntlich mit dem Argument, dass das Einführen solcher Umgehungsmechanismen letztendlich den Schutz der Daten aller Kunden beeinträchtigen würde.

Am Wochenende wurde bekannt, dass das FBI das iCloud-Passwort des Täters zurückgesetzt hatte, nachdem es das iPhone sichergestellt hatte. Auf diesem Wege war es möglich, an die bei iCloud bis zum 19. Oktober als Backup gespeicherten Daten zu kommen. Sollten auf dem iPhone noch automatische Backups aktiviert gewesen sein, hätte das FBI durch das Passwort-Zurücksetzen selbst verhindert, dass das iPhone neuere Daten in der iCloud speichert. Apple meint daher, dass sich das FBI zum Teil selbst in die aktuelle Lage versetzt hätte.

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Das FBI erwidert jetzt wiederum, dass es gerade um solche Daten gehe, die eben nicht in der iCloud gespeichert würden. Frühere Fälle hätten gezeigt, dass ein direktes Daten-Extrahieren von einem iOS-Gerät oft mehr Daten als iCloud-Backups hervorbrächten. Es gehe dem FBI gerade darum, so viele Daten wie möglich von dem iPhone zu erhalten.

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Der von Apple mit dem Fall beauftragte Anwalt Ted Olson der Kanzlei Gibson, Dunn & Crutcher warnt gegenüber dem Fernsehsender ABC wiederum davor, die „Büchse der Pandora“ in Sachen Datenschutz zu öffnen. Es gehe hier nicht nur um den einen San-Bernardino-Fall – es gebe hunderte weitere Staatsanwälte und Gerichte, die nach dem Schaffen des Präzedenzfalls ähnliche Anfrage stellen könnten. Olson war einst oberster Anwalt („Solicitor General“) der US-Regierung; er kennt also auch die Interessen der Regierung. Auch das Thema Terrorismus spielt in Olsons Biographie eine große Rolle: Er verlor seine Ehefrau bei den Anschlägen vom 11. September 2001.

Einige Opfer und Hinterbliebene des Anschlags in San Bernardino selbst stellen sich hingegen auf die Seite des FBI und somit gegen Apple: Sie planen eine Eingabe vor Gericht, um die Anfrage der US-Regierung an Apple zu unterstützen. Der Anwalt Stephen Larson, der einige Opfer vertritt, erklärte, dass seine Mandanten ein Interesse an den Daten auf dem iPhone haben: Sie seien von Terroristen ins Visier genommen worden und müssten wissen, warum dies der Fall war und wie dies passieren konnte.

Wie der Fall letztendlich ausgehen wird, bleibt abzuwarten – er dürfte die US-Gerichte wohl noch einige Zeit beschäftigen. Letztendlich zeigt Apples CEO Tim Cook, dass seine öffentliche Haltung für starken Datenschutz nicht nur ein Lippenbekenntnis ist.

Cook führt diesbezüglich die Tradition seines Vorgängers fort. Re/code hat ein Interview mit Steve Jobs aus dem Jahr 2010 gefunden, in dem sich der frühere Apple-CEO zum Thema Datenschutz äußert. Für Apple sei es wichtig, die Daten der Kunden zu schützen und diese nur dann freizugeben, wenn der Kunde dem ausdrücklich zustimmt – und zwar nicht nur einmal und dann für alle Zeit, sondern grundsätzlich mehrmals, in regelmäßigen Abständen. Einige glaubten, dass Apple diesbezüglich altmodisch sei; aber für das Unternehmen sei dieses Thema einfach sehr wichtig.

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