Der Streit Apple/FBI hat sich erst einmal erledigt: Die Behörden haben einen Weg gefunden, den Passcode-Schutz eines iPhone zu umgehen. In einem neuen Fall hilft das FBI der Staatsanwaltschaft eines Bundesstaates beim „Knacken“ von iOS-Geräten.

Im US-Bundesstaat Arkansas ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Teenager, die die Pflegeeltern des Jüngeren getötet haben sollen. Der 18- und der 17-Jährige hatten ein iPhone und einen iPod touch und haben offenbar über diese Geräte miteinander kommuniziert. Die Polizei hat beide Geräte beschlagnahmt; die Staatsanwaltschaft möchte jetzt Zugriff auf die – mit Passcode und Verschlüsselung geschützten – Daten haben.

Hierfür hat die Behörde eine Anfrage beim FBI gestellt, um beim „Knacken“ des Passcode-Schutzes zu helfen. Das FBI sagte seine Hilfe bereits nach einem Tag zu: Man helfe Ermittlungsbehörden immer gerne bei ihrer Arbeit.

Unklar ist allerdings, ob das FBI die Methode anwenden wird, die ihm den Zugriff auf die Daten des iPhone im San-Bernardino-Fall ermöglichte. Hier sah es einige Zeit so aus, als sei es nur Apple durch eine Modifikation des Betriebssystems möglich, entsprechende Schutzmechanismen – wie die automatische Löschung der Daten nach mehrfacher Falscheingabe des Passcodes – zu deaktivieren.

Einiges spricht dafür, dass es sich im aktuellen Fall um ältere iPhone- und iPod-Modelle mit älteren iOS-Versionen handelt, bei denen der Zugriff einfacher möglich ist: Ansonsten müsste das FBI im Laufe des Verfahrens wohl erklären, wie das in San Bernardino benutzte System funktioniert. Und dazu wollte sich die Behörde bisher noch nicht äußern.

Allerdings hatte der San-Bernardino-Fall auf jeden Fall Auswirkung auf die aktuellen Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft in Arkansas will auf die Fähigkeiten des FBI durch die Berichterstattung über den Streit mit Apple aufmerksam geworden sein.

Florian Matthey
Florian Matthey, GIGA-Experte.

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