Greenpeace und iFixit kritisieren IT-Hersteller: Hardware soll wieder reparierbar werden

Florian Matthey 3

IT-Unternehmen sprechen sich gerne für den Umweltschutz aus. Doch in einem Bereich sind die meisten von ihnen Umweltsünder: Die Geräte lassen sich kaum reparieren. Greenpeace kritisiert dies jetzt offen – zusammen mit iFixit.

IT-Unternehmen geben sich grün – aber sind sie es wirklich?

Kürzlich wendeten sich mehrere IT-Unternehmen offen gegen die Entscheidung des US-Präsidenten, das Pariser Klimaschutzabkommen aufzukündigen – und bekräftigten, sich selbst weiter für den Klimaschutz einsetzen zu wollen. Tatsächlich gibt es bemerkenswerte Bemühungen einiger Unternehmen um den Klimaschutz – beispielsweise in Sachen erneuerbare Energiegewinnung. Besonders Apple bekommt sogar von Greenpeace immer wieder Lob dafür, fast 100 Prozent „grüne“ Energie zu nutzen.

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Arbeitsplatz für Apple-Nutzer: Tische, Stühle und weitere Anregungen im Überblick

Nun ist es schön, dass Hersteller von IT-Produkten ihre Büros und Stores und auch Einrichtungen wie Daten-Center mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgen. Es trägt auch zum Umweltschutz bei, wenn die Unternehmen in Recycling und fair gewonnene Rohstoffe investieren – auch hier stellt sich Apple gerne als Vorreiter dar. Die Klimabilanz eines Smartphone, Tablet oder Laptop ist aber dann besonders gut, wenn es wirklich lange hält – wenn also besonders viel Zeit vergeht, bis es dann zum Recycling kommt.

Und gerade an diesem Punkt setzt die neue Kampagne an, die Greenpeace in Kooperation mit iFixit ins Leben gerufen hat. iFixit ist eine bekannte Website, die neue IT-Produkte nicht nur kurz nach deren Erscheinen schon auseinander nimmt, sondern auch ausführliche Reparaturanleitungen ins Netz stellt und Ersatzteile und Reparatur-Sets verkauft – ähnlich, wie dies >GIGA Fixxoo in Deutschland tut. iFixit bewertet für die einzelnen Produkte ihre „Reparierbarkeit“. Und eben hier ist die Entwicklung der letzten Jahre eher negativ.

Apple zu Earth Day 2017: iPhone-„Wiedergeburt“.

Reparierbarkeit: Apple und Co. werden immer schlechter

Greenpeace hat sich die iFixit-Bewertungen von 40 beliebten Smartphones, Tablets und Laptops angesehen. Negativ fallen hier unter anderem Apple, Microsoft, Samsung und LG auf: Die Produkte seien teilweise so gut wie überhaupt nicht reparierbar. Die Unternehmen sorgten mit ihren jüngsten Designs dafür, dass sich dieser Trend noch verschlimmere.

So seien LGs Smartphones und Apples Laptops gerade in den letzten fünf Jahren bezüglich ihrer Reparierbarkeit immer schlechter geworden. Besonders schwer falle ins Gewicht, dass es immer mehr Geräte gebe, deren Akkus nicht oder nur sehr schwer austauschbar seien – in vielen Smartphones, aber auch in MacBooks sind Akkus mittlerweile fest mit dem Gehäuse verklebt. Ärgerlich sei auch, dass sich viele Geräte – beispielsweise auch von Apple – nicht mit normalen Werkzeugen öffnen lassen. Schließlich böten viele Hersteller keine Anleitungen oder Ersatzteile an.

Nun liegt der Verdacht nahe, dass es den Herstellern doch gar nicht so sehr um den Umweltschutz geht – da sie sich offenbar für den häufigeren Verkauf neuer Produkte und gegen eine Reparierbarkeit und somit Langlebigkeit bestehender Produkte entscheiden. Apples Umwelt-Chefin Lisa Jackson hatte sich kürzlich zur Reparierbarkeit geäußert und als Apples Motivation eher den Schutz der Kunden genannt: Technologie sei kompliziert, man müsse Sicherheit und Datenschutz gewähren und sichergehen, dass Anbieter nicht schlechte Komponenten verkaufen.

Unterschriftenliste an Apple, Samsung und LG

Man könnte meinen, dass das eine Schutzbehauptung ist, um von der eigentlichen Motivation abzulenken. Greenpeace und iFixit verweisen darauf, dass andere Hersteller zeigen, dass es sehr wohl anders geht: Dell, HP und Fairphone seien nämlich in Sachen Reparierbarkeit vorbildlich. Sehr gut reparierbar sei beispielsweise das HP Elite x2. Wer will, dass Apple, Samsung und LG entsprechend umdenken, kann im Rahmen der Kampagne eine Unterschriftenliste an die Hersteller unterschreiben.

Quelle: Greenpeace/iFixit

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