GT Advanced: Details über Apples Einfluss auf Insolvenz

Florian Matthey 3

Wie viel hatte Apple mit der Insolvenz des Partners GT Advanced zu tun? Eine Eingabe vor Gericht des GT-Advanced-COO zeigt, dass die Verträge mit Apple einen großen Anteil an den Schwierigkeiten ausmachen.

GT Advanced: Details über Apples Einfluss auf Insolvenz

Daniel Squiller, Chief Operating Officer von GT Advanced, hat sich im Rahmen des Insolvenzverfahrens mit einer schriftlichen Einlassung vor Gericht geäußert. Schon zuvor hieß es, dass die Verträge mit Apple für GT Advanced in gewisser Weise „erdrückend“ waren; die Einlassung erlaubt jetzt Einblick in weitere Details.

Zur Erinnerung: Apple hatte in Mesa, Arizona eine Fabrik errichtet, in der GT Advanced mit eigenen Maschinen Sapirglas herstellen sollte. Dieses sollte angeblich nicht nur im Kamera-Objektiv und dem Touch-ID-Sensor der iPhones und iPads, sondern auch als Display-Glas des iPhone zum Einsatz kommen. Das iPhone 6 und iPhone 6 Plus verfügen bekanntlich noch über herkömmliche Glas-Displays, was möglicherweise auf die Schwierigkeiten bei GT Advanced zurückzuführen ist.

Über eben diese gibt Squillers Einlassung Aufschluss: GT Advanced habe Kredite über mehrere hundert Millionen US-Dollar aufgenommen, um über 2036 Öfen zur Produktion von künstlichem Saphir einzukaufen. Das Unternehmen habe gemeinsam mit Apple das Ziel gehabt, die bisherige Produktion auf 262-Kilogramm-Blöcke zu skalieren, was bisher in dieser Form noch niemand erreicht hätte. Das Ziel sei aus Gründen, die außerhalb des Einflussbereichs von GT Advanced lagen, nicht erreicht worden.

Insgesamt sei die Produktion derart großer Mengen innerhalb der geplanten Zeit nicht möglich gewesen, auch habe sich der Prozess als teurer als erwartet erwiesen. Dies allein habe schon zu einer Liquiditätskrise geführt. Nicht nur die Fabrik in Mesa, sondern auch die GT-Fabrik in Salem, Massachusetts habe sich ausschließlich der Produktion für Apple gewidmet, weswegen GT nicht die Möglichkeit gehabt habe, Umsätze aus anderen Projekten zu generieren. GT musste das hergestellte Saphirglas zu Preisen abgeben, die deutlich unter den Herstellungskosten lagen, was sich auch ins nächste Jahr fortgesetzt hätte - und für das Unternehmen nicht mehr zu leisten gewesen wäre.

Kostensenkungsmaßnahmen seien für GT nicht möglich gewesen: Die Verträge mit Apple schrieben dem Unternehmen die Maschinen, die zu verwenden seien, vor. Gleichzeitig habe Apple sich nicht bereit gezeigt, Preise nachzuverhandeln. Insgesamt habe der Deal mit Apple bisher Kosten in Höhe von 900 Millionen Dollar verursacht - von denen Apple lediglich 349 Dollar getragen habe.

Apple hatte kürzlich erklärt, weiterhin an Saphirglas als Material interessiert zu sein und sich auch noch offen für eine zukünftige Zusammenarbeit mit GT gezeigt. Auch wolle Apple versuchen, den Mitarbeitern in Mesa dabei zu helfen, neue Jobs zu finden.

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