HAL und das Jahr 2000: Die Geschichte hinter Apples letztem Super-Bowl-Werbespot

Florian Matthey 1

Erinnert ihr euch an den „Y2K Bug“? Anders als PCs waren Macs schon lange auf den 1.1.2000 vorbereitet – was Apple mit einem Super-Bowl-Werbespot unterstrich. Der Erfinder des Spots „HAL“ erinnert sich an die Entstehungsgeschichte.

Y2K Bug: Nur Macs waren vorbereitet

Vor dem Wechsel Jahreswechsel 1999/2000 machten sich viele Sorgen um Windows-Rechner, die mit der neuen Jahreszahl nicht umgehen können würden. Das „Jahr-2000-Problem“ wurde von zahlreichen Medien hochgespielt; die schon damals stark computerisierte und vernetzte Welt würde ins Chaos versinken. Letztendlich hielten sich die Auswirkungen in Grenzen – allerdings auch aus dem Grund, dass entsprechende Updates weitreichende Verbreitung fanden.

Apple-Kunden mussten sich allerdings keine Sorgen machen: Das Mac OS war schon lange auf den Jahreswechsel 1999/2000 vorbereitet. Im Rahmen des Super Bowls 1999 zeigte Apple einen Werbespot, der der Welt mitteilen sollte, das einzig und allein Macs auf das Chaos vorbereitet gewesen seien: Der Raumschiff-Computer HAL 9000 aus „2001: Odyssee im Weltraum“ spricht mit dem Astronauten Dave, um ihn an das Jahr 2000 zu erinnern.

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„HAL“ entsteht: Der nächtliche Geistesblitz auf dem Notizzettel

Ken Segall, früherer kreativer Kopf der Werbeagentur TBWA\Chiat\Day, die auch für Apples berühmten Super-Bowl-Werbespot „1984“ verantwortlich war, erinnert sich jetzt mit einem ausführlichen Blog-Eintrag an die Geschichte hinter dem Werbespot. Die Idee, einen „2000“-Werbespot zu machen, stammte von Steve Jobs höchstpersönlich. Segall erinnerte sich vorm Einschlafen plötzlich an den HAL aus Stanley Kubricks Verfilmung von „2001“ – glücklicherweise habe er sich an diesem Abend aufgerafft, um noch einen Notizzettel mit „HAL and Y2K“ zu schreiben, sonst hätte er die Idee wieder vergessen.

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Stanley Kubrick war begeistert – HALs Stimme überhaupt nicht

Der Spot, der letztendlich entstand, war ziemlich simpel – war aber gar nicht so leicht umzusetzen. Segall berichtet über die Herausforderung, ein Okay der Rechteinhaber zu bekommen; vor allem bei Stanley Kubrick sei es schwierig gewesen, ihn überhaupt kontaktieren zu können. Der Regisseur sagte dann jedoch direkt zu. Anders als der Schauspieler Douglas Rain, der in dem Film aus dem Jahr 1968 die Stimme von HAL 9000 übernommen hatte. Zwar konnte das TBWA\Chiat\Day-Team Rain kontaktieren, ihn aber partout nicht von einer Zusammenarbeit überzeugen. Rain berichtete, er habe Apple schon einmal abgesagt und erklärt, nie für das Unternehmen arbeiten zu wollen. Daran habe sich bei Apple zwar niemand erinnern können; letztendlich musste man aber einsehen, dass Rain nicht erreichbar war.

Steve Jobs spielte den „bösen Jungen“

Also habe man sich auf die lange Suche eines HAL-Stimmen-Imitators gemacht. Als man diesen in Form von Tom Kane endlich gefunden hatte – Kane sei der einzige gewesen, dem der Hauch eines kanadischen Akzents der HAL-Stimme aufgefallen sei –, habe man die Stimme Steve Jobs präsentiert. Zu Segalls Entsetzen erklärte Jobs, dass sich die Stimme doch ganz anders anhöre, was Segall überhaupt nicht nachvollziehen konnte. Letztendlich sei dies aber eine der Situationen gewesen, wo Jobs zunächst einmal den „bösen Jungen“ spielte, sich dann aber doch überzeugen ließ.

Skepsis über das biertrinkende Super-Bowl-Publikum

Die Produktion des Spots selbst war dann auch nicht einfach – man habe sich eine 100.000-Dollar-Linse ausgeliehen, die so aussah wie das „Auge“ von HAL, Lichter genau so positioniert, dass sie sich in dieser richtig spiegelten und Computer-Animationen um die Linse herum erschaffen, die ähnlich wie die im Original-Film aussehen. Als der Spot fertig war, hatte man den anspruchsvollen Jobs zufriedengestellt, sich dann aber gefragt, ob der Spot überhaupt zum Super Bowl passen würde – das biertrinkende Party-Publikum würde vielleicht nicht die Ruhe haben, sich den Spot ohne laute Musik und Frauen in Bikinis anzusehen.

Der erste große Auftritt zur Macworld-Keynote

Man habe dann noch einige andere Dinge ausprobiert, nichts sei aber so gut gewesen wie „HAL“. Wegen der Super-Bowl-Skepsis habe man sich dann entschieden, den Spot einfach für die Eröffnungs-Keynote der Macworld 1999 zu verwenden, auf der Jobs farbige iMacs und den neuen Power Mac G3 vorstellte. HAL unterhielt sich auf der Bühne sogar ein bisschen mit Steve Jobs und Phil Schiller – heute noch Apples Marketing-Chef. Auch auf der Entwicklerkonferenz WWDC im Juni des Jahres trat HAL noch einmal auf. Dass der Spot dann doch noch im Super Bowl lief – als allererster Spot – sei Jobs‘ Entscheidung gewesen: Er habe sich über die Bedenken seiner Werbepartner letztendlich hinweggesetzt.

Auch wenn „HAL“ kein „1984“ gewesen sei, sei der Werbespot doch ein Erfolg gewesen. Segall glaubt, dass die Geschichte hinter dem Spot zeige, wie Werbung auch unkonventionell entstehen kann: Die Werbeagentur müsse nicht erst Personen auf mehreren Ebenen überzeugen und den Spot groß mit Testpublikum ausprobieren, sondern einfach mit einem einzigen Entscheidungsträger, der das richtige Gespür habe – in diesem Fall: Steve Jobs – eng zusammenarbeiten. „HAL“ ist bis heute übrigens der letzte Apple-Werbespot, der es in eine Super-Bowl-Werbepause schaffte.

Quelle: Ken Segalls Blog

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