iPhone-Technologie: Apples Traum der Unabhängigkeit noch Jahre entfernt

Holger Eilhard

Apples Manager haben in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass sie versuchen, eine weitestgehende Unabhängigkeit von externen Zulieferern zu erreichen. Bei einer der künftigen Technologien, die wir bald in iPhone und iPad sehen werden, ist dieser Schritt angeblich noch Zukunftsmusik.

iPhone-Technologie: Apples Traum der Unabhängigkeit noch Jahre entfernt

Intel und Apple: Langzeitprobleme führten zur „Scheidung“

Die Gründe für diese Unabhängigkeit von Lieferanten sind vielfältig. In einem aktuellen Fall kann man aber gut sehen, warum dies für Apple so wichtig ist. Für viele Monate hatte sich Apple mit Qualcomm über das Thema Mobilfunkchips vor den Gerichten in aller Welt gestritten. Dies sorgte dafür, dass Apple an eine Alternative gebunden war, namentlich Intel.

Dessen Chips waren aber schon zu LTE-Zeiten nicht auf demselben Niveau wie die Konkurrenz von Qualcomm. Mit der mit großen Schritten nahenden Umstellung auf die 5G-Netze musste der iPhone-Hersteller daher erst kürzlich in den sauren Apfel beißen und ein langjähriges Abkommen über mehrere Milliarden US-Dollar mit Qualcomm abschließen.

Ein aktueller Bericht von The Information (Paywall, via MacRumors) beschreibt nun diese langjährige Problem-Ehe zwischen Intel und Apple. Die Probleme begannen demzufolge nicht erst kürzlich mit den 5G-Chips, die der Chip-Gigant nicht liefern konnte.

Bereits Anfang 2017 in den Vorbereitungen zu den iPhones des nächsten Jahres - dem iPhone XS, XS Max und iPhone XR - hatte Intel Probleme mit dem vorgesehenen Modem. Laut The Information hatte der Chip-Gigant bereits zu diesem Zeitpunkt seinen Chip, den 7560, vier Mal überholt, um ihn auf das Niveau der Qualcomm-Alternative zu bringen.

Aufgrund anhaltender technischer Probleme und verpassten Deadlines wurden Apples Manager nervös. Eine der Quellen von The Information zitiert Apples Johnny Srouji, Apples VP of Hardware, in einem Meeting mit seinem Gegenüber bei Intel, Venkata Renduchintala, mit den Worten: „So etwas wäre bei Apple unter meiner Aufsicht niemals geschehen“.

Als Grund für die Probleme nennen aktuelle und frühere Intel-Mitarbeiter sowie Partner von Intel die Größe und Struktur der Abteilung, die eine effiziente Entwicklung erschwerte. Die verschiedenen Teams sollen Probleme bei der Zusammenarbeit gehabt haben. Ein Analyst beschreibt die Probleme zwischen Intel und Apple als eine „lange und qualvolle Scheidung“.

Schon Anfang 2017 gab es Zwist zwischen Intel und Apple, Grund war damals das zukünftige LTE-Modem im iPhone XS:

iPhone XS im Test: So gut ist Apples Top-Smartphone.

iPhone 5G: Eigene Modems von Apple noch in weiter Ferne

Diese Probleme fanden vor einigen Wochen ein für Außenstehende abruptes Ende. Nachdem Apple und Qualcomm eine überraschende Einigung bekannt gaben, kündigte Intel fast zeitgleich an, dass man sich aus dem 5G-Modemgeschäft zurückziehen will und man für die Abteilung außerdem einen Käufer sucht.

Apple wird damit in naher Zukunft auf die 5G-Lösungen von Qualcomm setzen. Darüber hinaus gab es aber auch immer wieder Hinweise, dass Apple eigene Mobilfunkchips entwickeln will. Ähnliches begann man bereits beim Prozessor im iPhone und iPad vor vielen Jahren. Seit dem A4 im ersten iPad und iPhone 4 ist dieser eine Eigenentwicklung von Apple Hardwareabteilung.

Laut The Information sollen Apples Mobilfunkchips aber erst in einigen Jahren ans Tageslicht kommen. In Bewerbungsgesprächen mit potenziellen Mitarbeitern für das Team sollen Apple den Ingenieuren gesagt haben, dass man im Jahr 2025 mit dem Erscheinen des eigenen Modems rechnet.

Die Zukunft von macOS könnte in den ARM-Macs liegen, hier ein Blick in die Vergangenheit:

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Apple vs. Intel: Probleme bei Prozessorlieferungen

Der Zwist zwischen Apple und Intel beschränkt sich aber nicht nur auf die Mobilfunkmodems im iPhone oder iPad. Auch bei den Prozessoren für den Mac hat sich der Chipgigant bei dem Unternehmen aus Cupertino keine Freunde gemacht.

So gab Tim Cook im Rahmen der Bekanntgabe der letzten Quartalsergebnisse seinem Partner die Schuld an den schleppenden Mac-Verkäufen. Grund dafür seien die eingeschränkten Lieferungen an Prozessoren für die Macs. Diese Probleme sind ein weiterer Grund dafür, dass viele Beobachter auch hier ein nahendes Ende von Intel-Macs vorhersagen. In Zukunft könnten dann abgewandelte iPhone-Chips ihre Arbeit in MacBook, iMac, Mac mini oder gar Mac Pro verrichten.

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