Mangelwirtschaft USA: Darum wird’s wohl nichts mit der iPhone-Heimatproduktion

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In der jüngeren Vergangenheit gab es immer wieder Berichte, in denen spekuliert wird, dass Apple seine Produktion in und Abhängigkeit von China reduziert und zum Beispiel iPhones in den USA fertigen lassen soll. Dass dies alles andere als einfach ist, wird nun am Beispiel einer kleinen Schraube demonstriert.

Mangelwirtschaft USA: Darum wird’s wohl nichts mit der iPhone-Heimatproduktion
Bildquelle: GIGA/Holger Eilhard.

iPhone-Produktion in den USA: Schon der Mac Pro stellte eine Herausforderung dar

Der im Jahr 2013 vorgestellte Mac Pro sorgte damals für – nicht nur aufgrund seines Designs. Es war das erste Apple-Gerät, dessen Endfertigung seit vielen Jahren erstmals wieder in den USA und nicht etwa in China stattfand. Ein aktueller Bericht der New York Times zeigt, mit welchen Herausforderungen Apple zu kämpfen hatte, um dies zu realisieren.

In dem Bericht geht es primär um die Lieferantenkette, die für die Fertigung eines Geräts notwendig ist. Im konkreten Beispiel ist es eine kleine Schraube, die Apple bei einem Lieferanten mit 20 Mitarbeitern fertigen ließ. So sollen schon die Tests neuer Varianten des Mac Pro durch das Bauteil ausgebremst worden sein, da der Lieferant am Tag nur maximal 1.000 Schrauben fertigen konnte. Die Knappheit der Schrauben sei nur einer der Gründe gewesen, warum sich der Verkaufsstart des Mac Pro damals verzögert hatte.

Apple beauftragte Flextronics mit der Endfertigung des Mac Pro in Texas. Flextronics soll daraufhin 28.000 Schrauben bei dem Lieferanten, Caldwell Manufacturing, in Auftrag gegeben haben. Man hätte aber gerne deutlich mehr Schrauben bestellt, so die New York Times. Caldwell Manufacturing lieferte die Schrauben dann in mehr als 22 Trips aus, in vielen Fällen habe der Chef persönlich die einstündige Fahrt in seinem Auto gemacht.

Der Lieferant, der einst für eine derartige Massenfertigung vorbereitet war, hatte sich im Jahr 2002 dazu entschieden, sich auf Spezialanfertigungen zu konzentrieren. Grund für diesen Strategiewechsel soll die geringe Nachfrage nach einer Massenfertigung in den USA gewesen sein. „Es ist schwer in den USA in so etwas zu investieren, da es in Übersee sehr günstig eingekauft werden kann“, so Stephen Melo, der Inhaber und Präsident von Caldwell Manufacturing.

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Mitarbeitermangel und hohe Personalkosten in den USA

Doch nicht nur die Lieferanten der Bauteile, sondern auch die Endfertigung selbst, in diesem Fall bei Flextronics, soll ein Flaschenhals gewesen sein. So soll auch das für den Mac Pro verantwortliche Team bei Apples Partner unter Personalmangel gelitten haben. Während der genaue Grund nicht bekannt ist, wird spekuliert, dass die Kosten für Mitarbeiter in den USA zu hoch gewesen seien.

Ein ehemaliger Apple-Manager sagte weiter, dass das Team deutlich kleiner gewesen sei als in vergleichbaren Projekten in China. Während in China ein Raum voller Mitarbeiter dafür verantwortlich war, dass alle für die Produktion notwendigen Bauteile vorhanden sind, war es in Texas nur eine Person.

Hinzu kommt, dass amerikanische Arbeiter nicht rund um die Uhr arbeiten. Während man in China in mehreren Schichten arbeiten kann, um die Produktionsziele zu erfüllen, war dies keine Option für die Fertigung in Texas.

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iPhone-Endfertigung in den USA unwahrscheinlich

Tim Cook hatte sich in der Vergangenheit äußerst positiv über die Qualität der Produktion in China geäußert. Die Vorteile der dortigen Fertigung sind dabei nicht nur die Personalkosten, sondern auch das Vorhandensein spezialisierter Maschinen und dem Personal, das weiß, wie man mit diesen umgeht.

Apple ist sich laut einem weiteren Manager aber darüber bewusst, dass man die Abhängigkeit von China reduzieren muss. Nicht nur der Handelskrieg zwischen den USA und dem Reich der Mitte zeigt die möglichen Probleme auf. Apples Suche nach neuen Ländern für die Produktion seiner Hardware führt aber nicht zurück in die USA, sondern nach Indien und Vietnam.

Laut Susan Helper, Professorin für Wirtschaftswissenschaften in Cleveland, könne Apple zwar auch in den Vereinigten Staaten seine Produkte fertigen lassen. Dies würde aber viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen und bedeuten, dass man sich auf Roboter anstelle einer großen Zahl an Mitarbeitern verlassen müsse. Hinzu kommen Investitionen in Training und der dafür notwendigen Lieferkette. Helper erwartet nicht, dass dies alles geschehen wird.

Die Wünsche des US-Präsidenten Donald J. Trump, dass Apple das iPhone in seinem Land fertigt, werden damit wohl ein Wunschtraum bleiben. Während einige Bauteile – zum Beispiel das Displayglas – aus den USA stammen, findet die Endfertigung des iPhone derzeit in China, Indien und Brasilien statt. Ob der für dieses Jahr versprochene neue Mac Pro wie das aktuelle Modell auch in den USA gefertigt wird, ist derzeit noch unbekannt.

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