Mossberg: „Apple vernachlässigt Software“

Florian Matthey 23

Walt Mossberg ist so etwas wie Apples Lieblingsjournalist – Steve Jobs bezeichnete ihn einst als „Apples Freund“. Jetzt äußert sich Mossberg aber ungewöhnlich kritisch über Apple: In Sachen Software habe das Unternehmen in jüngerer Zeit nachgelassen.

Walt Mossberg ist ein unabhängiger IT-Journalist, dem man aber eine gewisse Apple-Affinität wohl nicht absprechen kann – mehrmals erklärte der frühere Wall-Street-Journal-Mitarbeiter und Mitgründer von Re/code, dass er ein Apple-Produkt für das beste auf dem jeweiligen Markt hält. In einem aktuellen Beitrag für The Verge gibt es aber vergleichsweise scharfe Kritik an Cupertino: Apples Apps seien verbesserungswürdig. Sie seien zu komplex geworden und ihnen fehlten Features. Außerdem hätten sich Bugs eingeschlichen.

An Apples Hardware habe er weiterhin nichts auszusetzen, so Mossberg – das iPhone sei immer noch das beste Smartphone auf dem Markt. Apple habe sich früher aber immer gerade durch seine Software ausgezeichnet. In den letzten paar Jahren habe es hier aber eine stetige Verschlechterung gegeben – sowohl in Sachen iOS als auch in Sachen OS X. Es wirke so, als vernachlässige Apple auf der Suche nach neuen Zielen wie Smartwatches und Autos seine Kern-Software.

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Zwar seien schlechte Apps bei Apple immer noch die Ausnahme. Doch die Zahl der Ausnahmen nehme zu. Als Beispiele nennt Mossberg die Desktop-App iTunes, die Mail-App, die Fotos-App und iCloud. iTunes sei überladen, zu komplex und langsam, vor allem seit der Integration von Apple Music. Mail sei in der Zusammenarbeit mit Gmail zu langsam und unzuverlässig – manche Nachrichten tauchten nicht auf, die Suchfunktion finde nicht alles. Die Fotos-App sei zwar nicht schlecht; allerdings funktioniere die iCloud-Integration auf dem Desktop nicht vernünftig oder zu langsam.

Und iCloud selbst nerve am meisten: Ständig gebe es Fehler beim Synchronisieren von Fotos, Album-Covern von Musik oder iBooks-Lesezeichen, und die Kollaboration und Dokumenten mit den iWork-Web-Apps wie Pages funktioniere nicht so gut wie mit Google Docs. Auch iCloud-Backups funktionierten häufig nicht. Manche der Bugs, die er erlebt, mögen an seinen eigenen Konfigurationen liegen – wie beispielsweise die iCloud-Backups seiner iPads. Allerdings sei es doch Apples Anspruch, dass die Software „einfach funktioniere“, wie Steve Jobs gerne betonte.

Kritik durch Mossberg sollte Apple aufhorchen lassen: Als Apple einst die Einführung des iCloud-Vorgängers MobileMe vermasselte, soll Steve Jobs gegenüber Mitarbeitern den Ernst der Lage dadurch verdeutlicht haben, dass „unser Freund“ Mossberg „nicht mehr Gutes über uns schreibt“. Mit dem jüngsten Mossberg-Artikel ist es wieder so weit.

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