Nicht gut genug: Apples Erfolgsbilanz schickt Börsen auf Talfahrt

Ansgar Warner 17

Apples aktuelle Quartalszahlen sind glänzend. Doch sie schickten die Apple-Aktie auf Talfahrt, und viele Tech-Indizes gleich mit. Warum lassen Milliarden-Gewinne und zweistellige Wachstumszahlen die Börsianer kalt?

Das Bessere ist der Feind des Guten: Nach diesem Motto haben Anleger offenbar auf Apples erfolgreiches zweites Geschäftsquartal reagiert. Mehr als 50 Milliarden Dollar Umsatz innerhalb von drei Monaten? Mehr als 10 Milliarden Gewinn in einem Vierteljahr? Das beste Jahresergebnis aller Zeiten in greifbarer Nähe? Klingt gut, doch man hatte besseres erwartet – im nachbörslichen Handel brach die Apple-Aktie um fast zehn Prozent ein, die asiatischen Börsen verzeichneten ein generelles Minus, speziell Tech-Werte wie etwa die von Chipherstellern gingen weltweit auf Talfahrt.

Vergeblich hatte Tim Cook gegenüber der Presse erklärt: „Wir hatten ein tolles Quartal, der iPhone-Umsatz stieg um 59 Prozent, starke Mac-Verkäufe, die besten Umsätze mit Dienstleistungen rund um den App Store, und einen guten Start für die Apple Watch“. Die Analysten blickten ohne Erbarmen auf die Schattenseite des Erfolgs: der iPad-Absatz schwächelt, ob die Apple Watch wirklich ein Renner wird, weiß niemand so recht, das nächste wirklich große Ding (Apple Car?) steht noch in den Sternen. Auch dass Apples Umsatz mittlerweile zu zwei Dritteln auf iPhone-Verkäufen beruht, scheint die Börsianer nervös zu machen.

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Doch der wichtigste Grund für die Abstrafung der Apple-Aktie liegt wohl ganz woanders: die Geschäfte der anderen großen IT-Konzerne laufen derzeit viel zu schlecht, um insgesamt gute Stimmung aufkommen zu lassen. So stagnieren etwa IBM und Samsung, während Microsoft durch das Nokia-Debakel sogar beängstigend rote Zahlen schreiben muss. Gerade im Smartphone-Bereich macht derzeit niemand wirklich Gewinne, außer: Apple. So schauten nun alle gebannt nach Cupertino. Doch um eine ganze Branche zu überstrahlen, dafür reichten die Quartalszahlen dann doch nicht aus.

Es gibt allerdings auch Investment-Profis, die sich von der Dramaturgie auf- und absteigender Quartalszahlen gar nicht beeindrucken lassen und lieber auf langfristige Trends setzen. Der US-Multimilliardär und Großinvestor Carl Icahn hält die Apple-Aktie für „dramatisch unterbewertet“. Aufgrund des „gewaltigen Ausmaßes an Wachstumsmöglichkeiten“ und einer „Erfolgsgeschichte, wenn es darum geht, neue Märkte zu dominieren“, sieht Cahn die Apple-Aktie bei 240 Dollar, also doppelt so wertvoll wie derzeit.

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