QuickTime VR: Wie Apple vor 20 Jahren einmal VR-Vorreiter war

Florian Matthey 4

Tim Cook bezeichnete Virtual-Reality-Technologien kürzlich als „wirklich cool“. Interessant ist, dass Apple in diesem Bereich in den 1990er Jahren schon einmal Vorreiter war. Allerdings entwickelte das Unternehmen „QuickTime VR“ dann nicht mehr weiter.

QuickTime VR: Wie Apple vor 20 Jahren einmal VR-Vorreiter war

Business Insider erinnert an die Apple-Technologie „QuickTime Virtual Reality“ oder „QuickTime VR“, das noch aus der Zeit vor Steve Jobs‚ Rückkehr ins Unternehmen stammt. Die Website meint, dass die Technologie ihrer Zeit „um Jahrzehnte voraus“ war – dann aber von Apples Management stiefmütterlich behandelt wurde.

QuickTime VR erlaubte es, sich in einem interaktiven QuickTime-„Video“ in 360-Grad-Bildern umzusehen, wobei die Aufnahmen auch einen Blick in den Himmel ermöglichten. Im Prinzip funktioniert dies so wie mit den aktuellen interaktiven YouTube-Videos – wobei es seinerzeit reine Standbilder waren. Apple benutzte die Technologie unter anderem, um interaktive Produktbilder in die eigene Website einzubinden. Mit der Maus ließen sich Produkte so aus allen Perspektiven betrachten.

Business Insider hat sich mit dem damaligen Apple-CEO John Sculley – der vor allem dafür bekannt ist, Jobs in den 1980er Jahren aus dem Unternehmen zu verdrängen – über QuickTime VR unterhalten. Sculley erinnert sich daran, dass es sich bei den QuickTime-VR-Bildern letztendlich um viele Bilder handelte, die die Software zusammengesetzt hatte, um ein 360-Grad-Bild zu erschaffen. „Damals wirkte das ziemlich beeindruckend“, so Sculley.

So wie einige der damaligen Apple-Produkte war die Technologie ihrer Zeit wohl zu sehr voraus: Digitalkameras steckten noch in den Kinderfüßen, 360-Grad-Kameras wie die heutigen gab es noch nicht. Der damalige Apple-Entwickler und heutige NYU-Professor Dan O’Sullivan berichtet der Website, dass das Erstellen der Bilder damals einfach sehr viel Arbeit war und nach damaligen Maßstäben auch viel Rechenleistung benötigte – heute kann bekanntlich jedes Smartphone Bilder zu Panorama-Aufnahmen zusammensetzen.

Auch die Entwicklung der Technologie selbst hat bis zu ihrer Veröffentlichung 1995 einige Jahre in Anspruch genommen: 1991 begann es damit, dreidimensionale Modelle erstellen zu wollen. Nach der Präsentation im Jahr 1995 erstellte Apples Team dann Panorama-Bilder von Museen und Städten. Der Fernsehsender NBC nutzte in Zusammenarbeit mit Apple QuickTime VR, um ein interaktives Bild des Tatorts im Fall OJ Simpson zu erstellen.

Als Steve Jobs 1997 zurückkehrte, ordnete er für Apple bekanntlich eine Schlankheitskur an, damit sich das Unternehmen „gesund schrumpfen“ konnte. Dem fiel seinerzeit bekanntlich unter anderem der Newton – der sich in gewisser Weise als iPhone-Vorläufer bezeichnen lässt – zum Opfer. und auch QuickTime VR: Bis 2006 habe Apple mit QuickTime VR noch interaktive Produktbilder erstellt, dennoch ließ Apple die Technologie nicht mehr im großen Maße weiter entwickeln.

Wie der Newton ist QuickTime VR wohl exemplarisch für einen positiven Aspekt der Sculley-Zeit: Apple erschuf Technologien, die ihrer Zeit wirklich weit voraus waren. Allerdings wohl letztendlich zu weit voraus. Wie beim Newton könnte Apple die Ideen aber Jahre – beziehungsweise: Jahrzehnte – später wieder neu auflegen.

Oculus Rift: Trailer zum Spiele-Line-Up.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung