Streit mit Zulieferer Imagination: Apple schießt zurück

Florian Matthey 6

Nach den jüngsten Anschuldigungen des (Noch-)Partners Imagination hat sich Apple jetzt mit einer Gegendarstellung zu Wort gemeldet: Man habe Imagination lange im Voraus informiert und könne sehr wohl eigene GPUs entwickeln.

Streit mit Zulieferer Imagination: Apple schießt zurück
Bildquelle: iFixit.

Imagination verkündete Bruch mit Apple im April

Im April gab das britische Unternehmen Imagination Technologies, das sich unter anderem auf die Entwicklung von Chips spezialisiert hat, bekannt, dass der bislang wichtigste Kunde Apple in Zukunft ohne die Grafikchip-Designs des Unternehmens arbeiten wolle. Aufgrund dieser für Imagination dramatischen Entwicklung steht das Unternehmen mittlerweile komplett zum Verkauf. Apple soll derweil eigene GPUs für die Apple-AX-Chips im iPhone und iPad entwickeln wollen.

Im Rahmen der Bekanntgabe des jüngsten Jahresergebnisses hat Imagination ziemlich deutliche Kritik an Apple geäußert: Man habe die Kurve bekommen und das Unternehmen profitabel gemacht, bevor Apples Entscheidung diese Fortschritte so massiv beeinträchtigt habe. Apple stelle außerdem die unbegründete Behauptung auf, eigene Grafikchips auch ohne das geistige Eigentum von Imagination entwickeln zu können. Da dies voraussichtlich gar nicht möglich sei, prüfe Imagination weiter rechtliche Schritte gegen Apple.

Samsung Galaxy S8 und iPhone 7 im Vergleich.

Apple beteuert: Imagination war seit 2015 vorgewarnt

Apple hatte sich bislang nicht offen zu dem Schritt geäußert. Die Kritik aus der letzten Woche scheint Cupertino aber dazu bewegt zu haben, doch eine Stellungnahme abzugeben. Gegenüber Bloomberg nennt Apple Imaginations Aussagen „irreführend“ und teilt mit, dass man Imagination schon 2015 informiert habe, dass man keine Lizenzen für die aktuellsten Imagination-Produkte mehr benötige. Da Apple natürlich weiterhin seine GPUs verbessern wollte, war so eigentlich klar, dass mittelfristig eine komplette Loslösung von Imagination erfolgen würde – was die unbequeme Frage aufwirft, warum Imagination nicht schon damals seine Aktionäre informierte.

Nach „langen Diskussionen“ habe man Imagination dann am 9. Februar dieses Jahres informiert, dass man die Lizenzvereinbarung auslaufen lassen wolle, „da wir spezifisches und differenziertes geistiges Eigentum für unsere Produkte brauchen“. Man habe die Beziehung zu Imagination geschätzt und sie so früh wie möglich über die Pläne informieren wollen.

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Apple: Eigene Chips ohne Imagination-Technologie durchaus möglich

Bezüglich der Frage, ob Apple-eigene GPUs ohne Imagination-Technologie überhaupt möglich seien, erklärt Apple nur, dass man in den letzten Jahren schon immer weniger geistiges Eigentum von Imagination benötigt habe. Der Zulieferer könne überhaupt nicht wissen, wie das Design zukünftiger Apple-Chips aussehe. „Wir sind über ihre Reaktion, die ungenau und irreführend ist, enttäuscht“, so der iPhone- und iPad-Hersteller.

Tatsächlich hatte sich schon vor dem offiziellen Bruch zwischen Apple und Imagination abgezeichnet, dass Apple zunehmend auf eigene Ideen setzen möchte. Schon die GPU im Apple-A8-Chip im iPhone 6 enthielt zahlreiche Elemente, die nicht mehr den Standard-PowerVR-Chips von Imagination entsprachen. Die GPU-Treiber im iOS 10 ließen schon letztes Jahr Rückschlüsse darauf zu, dass selbst das Herzstück der Chips, der „Shader Core“, mittlerweile kaum noch etwas mit dem PowerVR-Design zu tun hat.

Quelle: Bloomberg via 9to5Mac

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