Dass sich Jobs aber sehr wohl bewusst war, etwas Großes erschaffen zu haben, zeigt das zweite Video-Interview zum ersten iPhone: Das Wall Street Journal hat sich mit den früheren Apple-Managern Greg Christie, Tony Fadell und Scott Forstall unterhalten, die für die Benutzeroberfläche des iPhone verantwortlich waren. Christie erinnert sich daran, dass er Jobs erklärt habe, dass das Projekt „größer als der Mac“ sein könnte. Jobs habe geantwortet: „Ja, ich weiß.“

Die früheren Apple-Verantwortlichen berichten, wie ihnen bewusst war, dass der Apple-Verkaufssschlager iPod eines Tages von Handys vom Markt verdrängt werden könnte. Gleichzeitig habe man gesehen, dass zwar alle Menschen Handys hatten, mit ihnen aber nicht zufrieden waren. Also arbeitete man an einem iPod mit integriertem Handy. Die Geschichte eines „iPhone“ mit iPod-Clickwheel und iPod-Benutzeroberfläche ist hinlänglich bekannt – dass das nicht sonderlich praktisch gewesen wäre, zeigt auch ein Demo-Video, das Anfang des Jahres die Runde machte.

iPhone-Prototypen P1 und P2

Auch bekannt ist, dass Apple seinerzeit schon an einem Tablet mit Multi-Touch-Bedienung arbeitete – von dem das iPhone-OS-Team seinerzeit aber nichts wusste. Neu ist die Geschichte, wie Jobs Fadell erstmals das „Touchscreen-Mac“-Projekt demonstrierte: Jobs habe Fadell zu sich gerufen und erklärt, er wolle ihm etwas zeigen. In einem Zimmer habe sich dann eine Fläche befunden, die so groß war wie eine Tischtennisplatte. Über dieser Fläche hing ein Projektor, der einen Mac-Desktop auf der Fläche erscheinen ließ. Jobs habe dann mit seinen Händen gezeigt, wie Multi-Touch funktioniert – und erklärt, dass dies die Lösung für das iPhone sei.

iPhone SE im Test

Bilderstrecke starten(11 Bilder)
Top 10: Die aktuell beliebtesten iPhones in Deutschland

iPhone-OS-Team arbeitete „168 Stunden die Woche“

Mit der Vorgabe, eine Multi-Touch-Benutzeroberfläche fürs iPhone zu erschaffen, machte sich das Team wieder an die Arbeit. Jobs sei allerdings lange Zeit nicht mit den Ideen zufrieden gewesen und habe sogar gedroht, das Projekt an ein anderes Team abzugeben. Er habe dann ein Ultimatum von zwei Wochen gesetzt.

In diesen zwei Wochen habe das Team dann „168 Stunden pro Woche“ gearbeitet; Christie habe sogar ein Hotelzimmer in Cupertino besorgt, damit die Teammitglieder nicht nachts nach Hause nach San Francisco fahren. Nach zwei Wochen habe man Jobs dann die Ergebnisse demonstriert. Der Apple-CEO habe zunächst überhaupt nichts gesagt und die Präsentation noch einmal sehen wollen. Erst dann habe er erklärt, dass er begeistert ist.

Ex-Apple-Manager sprechen über iPhone-OS-Entwicklung

Forstall erinnert sich daran, dass die Bildschirmtastatur – die den Journalisten Mossberg auch als Endprodukt nicht wirklich überzeugt hatte –seinerzeit eine wichtige Rolle gespielt habe. Sie habe lange Zeit nicht wirklich funktioniert. Man wusste, dass man etwas erschaffen müsste, was Menschen, die sich an Blackberry-Tastaturen gewöhnt hatten, überzeugen würde.

Auf der letzten Seite: Wie das Team um Scott Forstall dafür sorgte, dass es das iPhone mit der Blackberry-Tastatur aufnehmen kann...