Zockt Apple deutsche Kunden ab? Der Vorwurf im Faktencheck

Sven Kaulfuss 3

Apple verdient sich mit deutschen Käufern von iPhone XS und Co. eine goldene Nase – so der Vorwurf der immer wieder mal in den Raum gestellt wird. Auch eine aktuelle Infografik möchte diesen Eindruck erwecken. Doch hält die Kritik unserem Faktencheck stand?

Zockt Apple deutsche Kunden ab? Der Vorwurf im Faktencheck
Bildquelle: pixabay.

Deutsche Apple-Fans zahlen kräftig drauf. So tönt die Headline über der neuesten Infografik von Statista. Es folgen Preisvergleiche von diversen Apple-Produkten zwischen den offiziellen deutschen Apple-Store-Preisen und denen aus den USA – jeweils auf Euro-Basis. Auf den ersten Blick kommen da ganz schöne Unterschiede zusammen: Ein neues iPhone XS kostest demnach ganze 24 Prozent mehr in Deutschland und auch die Differenz bei den AirPods ist mit über 20 Prozent noch sehr heftig.

Apple-Preisvergleich: Apple & Birnen – Mehrwertsteuer & Sales Tax

Doch wie rechnet Statista überhaupt? Zockt Apple deutsche Kunden wirklich dermaßen ab? Fakt ist: Statista nimmt deutsche und amerikanische Brutto-Preise im direkten Währungsvergleich heran. Fakt ist aber auch: Diese lassen sich nicht unmittelbar miteinander vergleichen. Hierzulande zahlen wir pauschal 19 Prozent Mehrwertsteuer. In den USA ist dies sehr unterschiedlich. Statista rechnet pauschal mit 8 Prozent Steuer-Aufschlag (Sales Tax). Fairerweise müsste man, wennschon dennschon, aber auch hier mit 19 Prozent rechnen, denn:

a) Apple hat keinerlei Einfluss auf die Steuer und
b) deutsche Kunden müssten, wenn sie Geräte aus den USA einführen, ebenso hier noch eine Einfuhrsteuer draufzahlen, die wiederum nicht im Einflussbereich Apples liegt.

Ergo: Allein der Netto-Vergleich ohne Steueraufschläge ist angebracht und transparent. Hierzu unsere korrekte Beispielrechnung:

  • iPhone XS in den USA: 999 US-Dollar Netto-Preis = circa 854 Euro nach gegenwärtigem Umrechnungskurs
  • iPhone XS in Deutschland: 965,55 Euro Netto-Preis
  • Tatsächlicher Preisunterschied: 111,55 Euro (circa 13 Prozent)

Bei Statista waren es dagegen noch ganze 226 Euro (24 Prozent). Aber immerhin sind es auf dem Papier noch immer über 100 Euro – ist Apple etwa doch zu gierig?

Die Zahlenwelt von Apple – was man da alles entdecken kann:

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Apples deutsche Preise: Was kommt noch drauf?

Fakt ist: Der deutsche Preis enthält ferner unter anderem noch eine Urheberrechtsabgabe und Apples „Risikopauschale“. Denn der Hersteller akzeptiert ständig die Gefahr von Währungsschwankungen, entsprechend konservativ erfolgt die Kalkulation. Was man beachten muss: Die Preise bleiben dann bis zur nächsten Produktvorstellung stabil und werden nicht mehr verändert. Da kann es sein, dass kommende Währungsschwankungen auch mal zugunsten deutscher Kunden ausfallen und Apple „draufzahlt“.

Unterm Strich: Ja, Apples Preise fallen hierzulande meist etwas höher aus. Der Preisunterschied ist aber beileibe nicht so hoch wie uns die neuerliche Statistik glauben machen will.

Quelle: Statista

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