Apple 2016: Das Jahr der abgeschnittenen Zöpfe

Sebastian Trepesch 3

Schnipp, schnapp, Zopf ab: Im Jahr 2016 zeigte sich Apple rigoros. Der Konzern aus Cupertino präsentierte uns tolle Produkte, im Rückblick fast noch auffälliger ist jedoch, was gekürzt oder nicht vorgestellt wurde. Unser etwas launische Jahresrückblick:

Apple 2016: Das Jahr der abgeschnittenen Zöpfe

Ein iPhone ohne Kopfhöreranschluss? Das ist doch ein Scherz, haben wohl die meisten gedacht, als wir erste derartige Gerüchte veröffentlichen mussten. Ich ebenfalls. Das kann nicht sein, bei dem Nachfahre des iPods, des Musikspielers. Dessen drei Funktionen Steve Jobs bei der allerersten Vorstellung („Ein iPod, ein Telefon, ein Internet-Device“) gleich mehrfach vorbetete.

Reine Kopf(hörer)sache: iPhone mit ohne Klinkenanschluss

Und doch, die schlimmsten Gerüchte bewahrheiteten sich am 7. September 2016: Auf dem Event zeigt Apple das iPhone 7, an dessen Unterseite nur noch ein Lightning-Anschluss und ein paar Löcher zu finden sind – letztere für Lautsprecher und Mikrofon, beziehungsweise nur zur Zierde.

Ein Aufschrei bei den potentiellen Kunden? Bei manchen. Überraschend: Nur 20 Prozent unserer Leser gaben in einer Umfrage an, dass das iPhone ohne Kopfhöreranschluss ein No-Go ist. Fast 60 Prozent stört die Kürzung nicht oder finden sie sogar gut. Nun, mit dem beiliegenden Adapter Lightning-auf-Klinke besänftigt Apple viele iPhone-Interessenten, zudem liegen ja noch Lightning-EarPods bei. Viele unserer Leser dürften zudem bereits einen Bluetooth-Kopfhörer besitzen. Wer nicht, der bekommt von Sony mit dem MDR-1000X (Test) dieses Jahr eine Vorstellung, bei dem der Noise-Cancelling-Experte Bose fast schon einpacken kann. Apple selbst präsentiert die AirPods, die im Test mehr als die Konkurrenten überzeugen. Und erste Anbieter zeigen, welche Vorzüge Lightning für die Audioübertragung bieten kann. Zum Beispiel eine Stromversorgung für In Ears mit Noise Cancelling, aber ohne eigenen Akku.

Also gut, dann wollen wir das iPhone 7 doch mal so akzeptieren wie es ist: Ein Gerät zwar in altem Gewand, aber staub- und wasserdicht, mit mehr Leistung (für Monate das leistungsfähigste Smartphone überhaupt), doppeltem Speicher, besserem Display, besseren Kameras und in der Plus-Variante sogar mit optischem Tele, dank Dualkamera.

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iPhone 7 und iPhone 7 Plus in Fotos: Das Gehäusedesign.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: mein MacBook Pro, einen Adapter, …

Bei dem MacBook Pro 2016 fällt es schon schwerer, Akzeptanz aufzubringen: Recht häufig bekommt man einen USB-Stick in die Hand gedrückt. Der neue Rechner besitzt aber keine Ports mehr – höchst unpraktisch. Und auch den gekürzten SD-Kartenslot sowie den magnetischen Ladeanschluss MagSafe vermissen viele.

Apple setzt bei den neuen Modellen rigoros auf Zukunft. Die vier Thunderbolt-3-Steckplätze – eine tolle Schnittstelle und direkt kompatibel mit USB C – signalisieren den Zubehörherstellern: Das ist die Zukunft, sonst nichts. Bis sich die Geräte etabliert haben, geht es nicht mehr ohne USB-Adapter außer Haus. Zu Hause ziert ein teures Thunderbolt-3-Dock den Schreibtisch – na, manchmal reicht einfach ein neues Kabel.

Der verglühte MacBook-Apfel: Supernova oder Evolution?

Wer aber jetzt denkt, die Anschlüsse sind alles, was am MacBook Pro gestrichen wurde – weit gefehlt! Der echte Apple-Fan-Boy hat Pipi in den Augen, als er den Startton von macOS nicht mehr hört und den Apfel auf der Displayrückseite nicht mehr leuchten sieht. Geht ein Stern unter?

Apple fährt den Mac auf das Abstellgleis, es zählt nur iOS – diese Vorwürfe sind Apple-intern und -extern so massiv, dass angeblich Mitarbeiter aus Ungewissheit vor der Zukunft kündigen. Der iMac ist über ein Jahr alt, der Mac mini über zwei, der Mac Pro über drei. Ausnahme bildet das MacBook Pro. Aber war dessen umfassende Weiterentwicklung nur die Supernova vor dem endgültigen Aus? CEO Tim Cook sieht sich zu einer Unternehmensmitteilung genötigt und erklärt seinem Team kurz vor Weihnachten: Nein. „Für den Fall, dass es diesbezüglich irgendwelche Zweifel in unseren Teams geben sollte, lasst mich ganz klar sagen: Wir haben großartige Desktops geplant. Da sollte sich niemand drum Sorgen machen.“ Wow. So eine Deutlichkeit ist man von Apple nicht gewohnt.

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Tim Cook weiß, dass ein iPad Pro natürlich nicht den Mac ersetzen kann und dass das Universum ohne Rechner (noch) nicht funktioniert. Zudem ist es nie gut, auf nur ein Pferd (iPhone) zu setzen. Wenn dieses in einem Galaxie-Knall explodiert, ist Apple eh nicht so breit aufgestellt wie Konkurrent Samsung mit seinen Waschmaschinen und Ölplattformen.

Zu Ende lesen auf Seite 2: Das MacBook Pro, der unterschätzte Rechner und Ist der Zug für Apple Car abgefahren?

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