Apple am Gipfelpunkt: Warum der drohende „Abstieg“ jetzt gut ist (Kommentar)

Sven Kaulfuss 14

Schon verrückt, oder? Da liefert Apple den höchsten Quartalsgewinn ab, verkauft so viele iPhones wie nie zuvor und doch fühlt man sich im digitalen Blätterwald wie auf der Titanic – der Untergang droht, Apple säuft wieder ab. Meine Reaktion: Scheiß drauf!

Apple am Gipfelpunkt: Warum der drohende „Abstieg“ jetzt gut ist (Kommentar)
Bildquelle: Hiker with backpack… von shutterstock.

Die Fakten sprechen für sich: 18,4 Milliarden US-Dollar Gewinn, ein Umsatz von 75,9 Milliarden US-Dollar – das letzte Geschäftsquartal (Q1/2016 Oktober, November und Dezember 2015) war (mal wieder) das bisher beste in der Unternehmensgeschichte Apples. Doch damit soll jetzt Schluss sein, selbst Tim Cook kündigt schon mal für das nächste Quartal einen Rückgang bei den iPhone-Verkäufen an. Auch das iPad verliert schon jetzt 25% gegenüber dem Vorjahr – ein stetiger Abwärtstrend, anhaltend seit dem letzten Jahr. Ergo: Die Börse und ihre Schreiberlinge sehen die Zukunft Apples skeptisch, vor allem die Stagnation beim für Apple so wichtigen iPhone gibt zu denken. Der Zenit ist also erreicht, jetzt geht’s erst mal nur abwärts.

– Panik auf der Titanic! –

Tim Cook beruhigt die Anleger

Der Apple-Chef hingegen versuchte bei der gestrigen Verkündung der Unternehmenszahlen zu beschwichtigen. Sieht diesen kleinen Sturm eher gelassen und hofft u.a. in Zukunft auf Schwellenländer wie China und Indien, deren Mittelschicht wächst und wird so auch in Zukunft vermehrt zum (teuren) iPhone greifen – man denkt langfristig. Eine vernünftige, wenn auch sicherlich optimistische und leicht subjektive Sichtweise. Existenzielle Sorgen muss man sich so oder so bei Apple zunächst nicht machen: Mit weit über 200 Milliarden US-Dollar im Sparstrumpf überlebt man auch in Zukunft mehr als nur eine Wirtschaftskrise.

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Apple ist kein Platz für Spekulanten

Überhaupt. Die Börse?! Dieses Kleinod der Spielsüchtigen und egomanischen Wachstumsprediger. Dienten Aktien in der Vergangenheit (sinnvoller Weise) der grundlegenden Kapitalbeschaffung junger und vielleicht auch vielversprechender Unternehmen, so dienen sie heute oftmals nur als reines, kurzfristiges Spekulationsobjekt. Von anderen undurchschaubaren Derivaten mal ganz abgesehen.

Schon Steve Jobs hatte zu diesem Typus Anleger eine eindeutige Meinung: F*ck you! Zugegeben, dermaßen formuliert sagt er es nicht. Dennoch, ich erinnere mich noch gut. Vor einigen Jahren wurde Jobs bezüglich Apples Anteilseigner nach einer Produktpräsentation befragt und wie wichtig ihm die Meinung derer ist. Seine Antwort lautete sinngemäß: Spekulanten spielen für Apple keine Rolle, deren Meinung ist irrelevant. Die Firma schätze hingegen langfristige Anleger mit Verstand.

Wer rastet, der rostet eben NICHT!

Ich möchte sogar noch einen Schritt weiter gehen: Apple benötigt die Stagnation und den Rückgang als Chance für die Zukunft. Wie bitte? Jawohl: Richtig gehört!

Ständiges Wachstum kann es nach den gültigen Naturgesetzen nicht geben: (Echte) Wissenschaftler wissen dies! Betriebswirtschaftler (also Pseudo-Wissenschaftler) hingegen versuchen dies seit Anbeginn zu negieren – ein fataler Irrglaube. Ein Gedanke hierzu: Überträgt man das ständige Wachstum auf den menschlichen Körper, so ist das Resultat eine gar fürchterliche wohlbekannte Krankheit – Krebs. Zellen teilen sich unaufhörlich, wachsen und am Ende töten sie den eigenen Körper. Keine schöne Vorstellung.

 

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Apple Neuheiten 2016: iPhone 7, Apple Watch 2, iOS 10, Thunderbolt 3 und mehr in der Vorschau.

Auch Apple kann und sollte nicht dem Irrglauben des ständigen Wachstums hinterherlaufen. Eine Rast (=Stagnation oder gar Rückgang) tut Not und gut. Auf und ab gehören zum Spiel dazu. Erst in der Krise erkennt man bisher ungedachte Lösungen und neue, zukünftige Produkte. Sprich: Man findet zurück zur Kreativität, wird wieder flink und verliert die Trägheit der fetten Jahre.

Insofern: Habt Mut zur Rast. Bleibt stehen, nehmt neuen Anlauf und ignoriert derweil diese „Klappspaten“ von Wirtschaftsexperten :).

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