Genial einfach: Apple-Design-Prototypen in Buchform (Buchtipp)

Sven Kaulfuss

Hartmut Esslinger gehört neben Dieter Rams zu den einflussreichsten deutschen Produktdesignern der letzten Jahrzehnte. Seine Zusammenarbeit mit Apple und Steve Jobs ist legendär. Sein neuestes Buch über diese Zeit gibt es nun endlich auch in deutscher Sprache.

Bereits im Oktober (siehe weiter unten im Artikel) stellten wir das hochinteressante Werk „Genial einfach: Die frühen Designjahre von Apple“ in Kürze vor. Der Verlag versprach zum damaligen Zeitpunkt eine Veröffentlichung im November. Leider galt dies dann nur für die englischsprachige Version „Keep it Simple: The Early Design Years of Apple“. Nun gibt es jedoch auch die lokalisierte Fassung – das Buch ist ab sofort lieferbar. Ein echter Geheimtipp für Apple-Fans. Auf 272 Seiten, finden sich 380 – zum großen Teil unveröffentlichte – Abbildungen von Apple-Design-Prototypen aus dem privaten Fundus des Meisters. Die wohl beste Gelegenheit, seit von Paul Kunkel, Details des Schaffensprozesses aus erster Hand zu erfahren.

Artikel vom 14. Oktober 2013:

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Arbeitsplatz für Apple-Nutzer: Tische, Stühle und weitere Anregungen im Überblick

Apple Design: Jony’s Vater im Geiste erinnert sich

Das heutige Apple-Design – geprägt von Jony Ive – ist legendär, einfach und doch unerreicht. Eine Formensprache, untrennbar mit der Marke verbunden. Der Grundstein für diese strategische Denke wurde in Altensteig (Schwarzwald) gelegt.

Produktdesigner sind ein recht bescheidenes Völkchen, arbeiten im Hintergrund und sind der Allgemeinheit infolgedessen meist unbekannt. Und doch: Täglich umgeben wir uns mit dem Ergebnis ihrer Arbeit – an den Entstehungsprozess verschenken wir Konsumenten gleichwohl keinen Gedanken. Wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel. Zu ihnen gehört zweifelsohne der britische Produktgestalter Jony Ive. Der Apple-Design-Chef ist mittlerweile auch weniger informierten Kreisen ein Begriff. Seinen eigentlichen Job und die zentrale Bedeutung seines Teams für Apple verdankt Mr. Ive indirekt einem Deutschen – Hartmut Esslinger, Gründer von frogdesign.

Hartmut Esslinger und Steve Jobs: Der Beginn der Zusammenarbeit

In seinem neuen Buch „GENIAL EINFACH Die frühen Design-Jahre von Apple“ nimmt Esslinger Bezug auf seine enge Zusammenarbeit mit Steve Jobs in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Frogdesign wurde 1969 von Esslinger im beschaulichen Altensteig gegründet. Zum Zeitpunkt des Aufeinandertreffens der beiden Herren konnte die Design-Agentur schon auf viele erfolgreiche Produkte zurückblicken. Stilbildend waren vor allem die Arbeiten für Wega (Fernseher) und Sony. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Apple war auf der Suche nach einer externen Agentur, Jerry Manock – Designer des Apple II, Apple III und des ersten Macintosh – sollte 1984 Apple verlassen. Auf seinen Vorschlag hin veranstaltete der Hersteller einen Wettbewerb, mit dem Ziel einer Nachfolgelösung. Am Ende stach frogdesign als Sieger heraus, inspirierte letztlich die grundlegende Formensprache Apples der nächsten 15 Jahre und schärfte das Verständnis eines Steve Jobs für gutes Produktdesign.

Die Idee: EIN Designchef und EIN Team

Laut Esslinger begeisterte Jobs sich zwar für die Formensprache deutscher Automobile, das grundlegende Wesen und die Komplexität von Produktdesign war ihm damals jedoch noch fremd. Es war auch Esslinger, der Steve Jobs davon überzeugte, dass Design bei Apple eine herausragende Stellung einnehmen müsste. Dies beinhaltete die Vorstellung von einem zentralen Design-Chef, der ihm (Steve Jobs) direkt unterstellt sei. Nur so – unabhängig von den verwirrenden Stimmen der Manageretage – könnte Apple eine Designsprache entwickeln, die unabhängig von der Planung zeitnaher Produkte Bestand hätte. Steve nahm sich diesem Ratschlag zu Herzen und versprach, sollte frogdesign den Wettbewerb für sich entscheiden, würde Design eben diese zentrale Rolle bei Apple erhalten und das verantwortliche Team würde direkt ihm berichten.

Spätere Umsetzung: Steve & Jony

Unglücklicherweise verließ Steve Jobs die Firma bereits 1985 und konnte so den neuerlichen Ansatz nur unvollständig für sich selbst implementieren. Nichtsdestoweniger kam es zur weiteren Zusammenarbeit von Apple und frogdesign. Esslinger gab mit Produkten wie den Apple IIc den Startschuss für eine neue, einheitliche FormenspracheSnow White. In ihren Grundzügen sollte sie bis Anfang der neunziger Jahre Bestand haben. Derweil gestaltete Esslinger mit frogdesign gleichfalls Steves „neuen Computer“ – den NeXT Cube.

Bei Apple zurück, gedachte Steve Jobs den Worten Esslingers. Als er mit Jony Ive einen jungen und talentierten Produktdesigner im bestehenden Apple-Kollektiv entdeckte, machte er ihn kurzerhand zum Leiter des Design-Teams. Selbstredend berichtet Jony fortan nur noch direkt an Steve Jobs. Was folgte, war die Verwirklichung der damaligen Verheißung eines deutschen Produktdesigners aus dem Schwarzwald.

Insiderwissen: Aus erster Hand…

Buchtipp: „GENIAL EINFACH Die frühen Design-Jahre von Apple“ von Arnoldsche Art Publishers erscheint Anfang November. Ebenso erhältlich ist die englischsprachige Fassung. In Deutschland für jeweils 29,80 Euro. Es umfasst 272 Seiten und 380 Farbabbildungen.

Apple-Designstudien von frogdesign

Die Webseite design mind veröffentlichte bereits vorab einen Auszug des Buches. Vom Besonderen Interesse sind dabei zahlreiche Skizzen und Fotos aus dem privaten Fundus Esslingers. Auf den nächsten Seiten präsentieren wir eine Auswahl von Prototypen und Designstudien.

Seite 2: Apple FlipPhone
Seite 3: Apple Wrist & Ear Phone
Seite 4: MacSlate Touchscreen

Bildquellen: Apple, NeXT (Apple), design mind und ARNOLDSCHE Art Publishers

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