Apple im Zeichen des jüngsten Sicherheitsskandals: Lieber mal die Gusche halten

Sven Kaulfuss 20

Diese Woche fing für Apple gar nicht gut an. Wie wir erfahren durften, war es jedem FaceTime-Anrufer möglich, mit einem Trick den Angerufenen ohne sein Wissen auf dem iPhone zu belauschen oder gar im Video zu beobachten. Wie konnte so etwas nur passieren und welche Schlüsse muss Apple daraus ziehen? Das ist das Thema meiner aktuellen Wochenend-Kolumne.

Apple im Zeichen des jüngsten Sicherheitsskandals: Lieber mal die Gusche halten
Bildquelle: pixabay.

Da schrillen die Alarmglocken in unbekannten Höhen: Jemand beobachtet mich über die Kamera des iPhones, ohne dass mir dies bewusst ist. Ein Horror-Szenario, was maßgeblich für den Verkauf diverser Webcam-Aufkleber verantwortlich ist. Sogar , die das paranoide Ich beruhigen sollen. Als Apple-Nutzer lachten wir bisher über derartige Anstalten, der oftmals als „Aluhutträger“ bezeichnenden Zeitgenossen. Doch wie das jüngste Beispiel nun zeigt: Auch uns kann es treffen, ab sofort befinden wir uns nicht mehr auf der Insel der sicheren Glückseligkeit.

Die Gruppen-Funktion musste Apple bei iOS 12 noch zurückhalten, dafür gab es:

12 Funktionen von iOS 12.

Apples FaceTime-Bug war selbst verschuldet

Verantwortlich zeichnet dafür aber kein böser Hacker aus Putins oder Xi Jinpings Nerd-Keller, sondern das gescheiterte Qualitätsmanagement des iPhone-Herstellers aus Cupertino in Kalifornien. Allein Apple darf die Schuld auf sich lasten. Schon Anfangs gab es Probleme mit der Gruppen-Funktion von FaceTime in iOS 12, die Videokonferenzen mit mehreren Teilnehmern zulässt. Daher fehlte die Funktion im ursprünglichen Release und wurde erst im Oktober 2018 mit iOS 12.1 nachgeliefert. Und jetzt das? Bei aller Liebe zum kultigen Hersteller, dies kommt einer Bankrotterklärung gleich.

Diese Woche hatte Apple noch weitere Meldungen zu verkraften – beispielsweise die Zahlen der aktuellen Bilanz:

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Apples aktuelle Bilanz: 11 überraschende Zahlen zum iPhone, iPad, Mac und mehr.

Die Deaktivierung der Funktion auf Serverebene war das Mindeste, die Tatsache, dass Apple hierfür nach Kenntnisnahme eine ganze Woche brauchte und das Tor somit weit offen stand, beunruhigt dagegen. Glaubt man einem aktuellen Bericht der britischen Sun – die gerne auch Mal sehr „kreativ“ ihren journalistischen Job wahrnimmt – könnte die ursprüngliche Geheimhaltung derartiger Sicherheitslücken seitens Apple kein Einzelfall sein. Wobei letzteres zunächst kein unübliches Vorgehen ist, da draußen gibt’s förmlich einen ganzen Markt, auf dem solche Sicherheitslücken an den Meistbietenden verkauft werden – unter den Käufern gerne auch mal die Geheimdienste dieser Welt. Hinzu kommt nun auch das verspätetet Update auf iOS 12.1.4, welches den Bug beheben und die Gruppen-Funktion wiederherstellen soll.

Dieser und 20 weitere Apple-Fails hier zusammengefasst:

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Die 21 größten Apple-Fails.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Apple als weißer Ritter des Datenschutzes?

Andererseits möchte Apple unsere Privatsphäre schützen und kämpft dafür auch schon mal gegen Riesen wie Facebook und Google – wie gleichfalls diese Woche geschehen. Dabei macht man sich auch schon mal gerne über die Android-Konkurrenz lustig und beliebt auf großformatigen Werbeanzeigen an Hochhäusern in Las Vegas zu scherzen – wie im Rahmen der CES 2019 geschehen. Wie passt all dies eigentlich zusammen?

Die einfachste Erklärung: Auch Apple mutierte zum „Moloch“, eine Firma, deren guten Absichten durch die schiere Größe und die damit verbundene Bürokratie des Unternehmens torpediert werden. Taugt dies aber als Entschuldigung? Nein, maximal als alarmierende Begründung. Die notwendigen Schlüsse muss Apple schon selber daraus ziehen. Vielleicht doch mal wieder etwas entschleunigen und nicht jeden „Sch**ß“ umsetzen, der technisch möglich ist – Stichpunkt bunte Sticker in iMessage und mehr solcher Zeitvernichtungsmaßnahmen. Und am Ende vielleicht auch mal lieber die Gusche halten und eben nicht hämisch auf die Mitbewerber eindreschen?

Apple bleibt bei euren Leisten und macht euren Job – in Ruhe und überlegt. Dann klappt das auch wieder mit der Qualität, nicht nur bei der Software. Schönen Ruhetag noch.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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