Apple sollte Intel die Tür zeigen: Darum plädiere ich für iPhone-Chips im Mac

Sven Kaulfuss

Seit 13 Jahren werkeln nun Intel-Prozessoren in Apples iMacs, MacBooks und Co.– geschadet hat es der Kultmarke nicht, im Gegenteil. Allerdings mehren sich Gerüchte und Berichte zum baldigen Bruch der Allianz. Meiner Meinung nach wird’s tatsächlich Zeit, Schluss zu machen und Intel einen Korb zu geben.

Apple sollte Intel die Tür zeigen: Darum plädiere ich für iPhone-Chips im Mac
Bildquelle: GIGA (Sven Kaulfuss).

Als der PowerPC einst in die Sackgasse geriet, stand Intel als Apples Rettungsengel in Lauerstellung. So ungewöhnlich die Ankündigung im Sommer 2005 zunächst erschien, so konsequent war der Architekturwechsel ab 2006 auf die neue Plattform am Ende. Keine Schnellschussreaktion, denn was viele Interessierte heute vielleicht schon nicht mehr wissen, Apples Betriebssystem Mac OS X wurde still und heimlich schon immer parallel für Intel-Prozessoren mitentwickelt. Apple und Firmengründer Steve Jobs hatten von Anbeginn einen Plan B.

Den gibt’s wohl derzeit wieder für den Mac. Den mit iPhone und iPad entstand im letzten Jahrzehnt eine weitere Hardwareplattform, die nunmehr mit Apples eigenen Prozessoren läuft und in der Zukunft auch eine Option für die Macs ist. Doch warum sollte Apple Intel demzufolge raushauen und die Architektur des Macs erneut verändern?

iPhone-Chips im Mac statt Intel-Prozessoren: Meine guten Gründe für Apples Umstieg

Der größte Nachteil wäre wohl zunächst der Verlust von Windows. Dank der Intel-Prozessoren kann das führende Redmonder Betriebssystem per Boot Camp oder innerhalb von Parallels und Co. ausgeführt werden – langsame Emulatoren wie Virtual PC werden nicht mehr gebraucht. Schmeißt man Intel raus, verliert man zunächst auch dieses komfortable Feature.

Ich könnte allerdings auf Windows gut verzichten. Ich verrate euch ein kleines Geheimnis: Persönlich habe ich seit dem Intel-Switch nie Windows auf dem Mac genutzt oder benötigt. Installiert wurde es von mir nur testweise innerhalb meines Jobs. Auch in Zukunft werde ich es nicht benötigen. So wie mir geht’s sicherlich nicht wenigen Anwendern, denn ehrlicherweise ist das Softwareangebot für den Mac heutzutage mehr als zufriedenstellend. Diese würde sich mit der Abkehr von Intel natürlich auch nicht ändern. Ist es denn nicht vielmehr so: Wer Windows unbedingt haben will, der kauft sich eh die wesentlich billigere, passende Hardware dazu? Kurzum: Mit dieser Überlegung wäre dann schon mal eines der größten Hindernisses eines etwaigen Intel-Rausschmisses ausgemerzt.

Windows auf dem Mac? Gab es bei mir nur zu Testzwecken. Wie in diesem Film aus dem Jahr 2006, in dem ich die Boot-Camp-Installation innerhalb meines Jobs als Chef des CyberBlocs (Corporate Blog von Cyberport) vornahm. Die unfreiwillig komische Anmutung und schlechte Qualität des Videos bitte ich zu entschuldigen – man war halt noch jung und unerfahren:

Windows auf dem Mac – Boot-Camp-Installation durch Sven (CyberBloc, Cyberport.de 2006).

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Darüberhinaus gibt’s aber noch mehr Gründe für Apple, alsbald umzusteigen. Zum Beispiel:

  • Sicherheit: Immer wieder geraten Intels Prozessoren in Verruf und eröffnen Sicherheitslücken, die dann per Betriebssystem-Update korrigiert werden müssen – aktuell zu nennen „ZombiLoad“, davor „Spectre“ oder auch „Meltdown“. Apples eigene Chips sind für Angreifer wohl zunächst weniger von Interesse, auch hätte Apple die absolute Hardwarekontrolle während der Entwicklung.
  • Apples Serie der A-Chips sind heute teilweise schon so schnell oder schneller als Intels Prozessoren. Ein Trend der sich fortsetzen dürfte.
  • Durch die Eigenentwicklung wird’s für Apple am Ende wahrscheinlich sogar billiger als der Einkauf bei Intel – die Margen steigen.
  • Apropos, etwaigen Lieferschwierigkeiten durch verzögerte Entwicklung und Bereitstellung durch Intel geht man aus dem Weg. Apple ist zwar noch immer ein wichtiger, aber beileibe nicht der wichtigste Kunde von Intel.
  • Entwickler haben es leichter, denn wenn iPhone, iPad und Mac dieselbe Architektur teilen, gibt’s auch Vorteile bei der Software. Apples Projekt „Marzipan“(iOS-Apps für den Mac) ist da ein erster Fingerwink.
  • Bessere Akkuleistung: Apples A-Chips sind extrem effizient und können gut mit Ressourcen umgehen. Es ist also nicht weit hergeholt, wenn man davon ausgeht, dass sie am Ende Strom sparen und MacBooks länger so länger laufen.

Zu dieser spannenden Geschichte könnte sich bald mal wieder ein Prozessorwechsel hinzugesellen: 

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Quintessenz: Die Zeit ist reif für einen Architekturwechsel

Zusammengefasst: Die Zeit ist reif, um mal wieder alte Zöpfe abzuschneiden. Ein MacBook in naher Zukunft mit einem A-Prozessor von Apple wäre mir persönlich willkommen und könnte den Mac dankenswerter Weise wieder einen Auftrieb verschaffen. Vielleicht verrät uns Apple auf der WWDC 2019 schon etwas. Immerhin nutzte der Hersteller die Entwicklermesse auch 2005 für den damaligen Intel-Switch.

PS: Nur einen Wunsch hätte ich, eine verbessere MacBook-Tastatur, die die berühmt-berüchtigten Probleme hinter sich lässt – gleich welcher Prozessor im Inneren seine Arbeit verrichtet.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

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