Apple und der Erfolg: Die Luft ist raus… was nun? (Kommentar)

Sven Kaulfuss 50

Zum zweiten Mal in Folge muss Apple nun Umsatz- und Gewinnrückgänge vermelden. Überrascht hat diese Entwicklung niemanden, wohl auch daher zeigt sich die Börse aktuell versöhnlich und straft die Aktie nicht ab. Den Fans der Marke hilft das freilich nicht.

Die derzeitige Flaute bei Apple setzt sich fort. Im letzten Quartal schalteten die Kalifornier in den Rückwärtsgang, bereit zur Talfahrt. Auch in den Monaten Juni, Mai und April wurden erneut weniger iPhones, iPads und Macs als im vergleichenden Vorjahrsquartal abgesetzt. Da die Werte jedoch einen Hauch über der pessimistischen Selbsteinschätzung des Herstellers liegen, verzeiht das bunte Aktiencasino – genannt Börse – die jüngsten Quartalzahlen und quittiert diese sogar mit einem Kursanstieg.

Dem geneigten Apple-Anwender und Fan sind diese Glückspielmomente meist herzlichst egal, er interessiert sich vielmehr für gut funktionierende Systeme und regelmäßige Neuheiten, die den Sonderstatus als selbsternannte „Elite der Informationsbranche“ unterstreichen.

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Arbeitsplatz für Apple-Nutzer: Tische, Stühle und weitere Anregungen im Überblick

Die Fans und Apple: Ist man mit der Gesamtsituation unzufrieden?

Und hier enttäuscht der Kulthersteller und sein Chef, der „Sparkassenangestellte“ Tim Cook. Zwar pflegt man leidlich iPhone und iPad, vergisst dabei aber auch den Mac und obendrein fehlt es an echt „geilen“ Produkten – man verzeihe mir den vulgären, wenngleich trefflichen Ausdruck. In der Tat: Die rein evolutionären (Baby)Schritte in der Produktentwicklung ermüden, die Leidenschaft weicht in der Folge einem phlegmatischen Pragmatismus. Schon vorn vornherein erwartet man vom Apple-Chefkoch und seinen Mannen keine echten Aha-Effekte mehr. Jeder dürfte sich dabei zuletzt bei der WWDC-Keynote im Juni ertappt haben, so wirklich gefreut hat man sich auf die Veranstaltung nicht mehr. Aktuell tun die Berichte zum wenig spektakulären iPhone 7, was nun eventuell gleich folgerichtig iPhone 6 SE genannt wird, ihr Übriges. Von der ruhigen, dem Stillstand verfallenen Mac-Front ganz zu schweigen. Kurzum: Der Zauber scheint vorbei, die Luft ist raus.

Überraschend kommt diese Zeitenwende nicht. Bereits im Januar formulierte ich, warum dieser sich damals schon abzeichnende „Abstieg“ gleichzeitig eine Chance für Apple ist, um dann diesen Gedanken im April weiter fortzuführen – wahre Innovation braucht halt Zeit.

Lese-Tipps:

Brot und Spiele: Wo bleibt der Spielmeister?

Allerdings: Dem Volke giert es neben dem Brot auch nach Spielen. Ein Aufschub bis zum neuen Jahrzehnt und dem Start des Apple Cars räumen die Fans Apple sicherlich nicht ein. Und genau an dieser Stelle sollte sich Tim Cook Verstärkung holen. So grundsätzlich sympathisch mir der derzeitige Apple-Chef auch ist, er bleibt ein „Langweiler“. Fragt man mich persönlich, so ist Cook sicherlich auch der wesentlich angenehmere Boss, ein Fair-Play-Spieler im direkten Vergleich zu seinem charismatischen Vorgänger Steve Jobs. Der hatte jedoch „Feuer im Arsch“ und verstand es mühelos, die eigene Leidenschaft aufs Publikum zu übertragen – legendär das „Reality distortion field“ des Apple-Mitgründers. Jobs war auch schon Mal politisch unkorrekt und gab einen Dreck auf Marktforschung und die Meinung der Kunden. In Folge gab es in der Vergangenheit neben furiosen Erfolgen auch Fehlschläge, doch genau die braucht es eben. Langweilig wurde es nämlich nie.

Mein Rat: Apple braucht einen leidenschaftlichen CVO

Apple und Tim Cook müssen sich wieder mehr trauen – nicht nur im Bezug auf neue Produkte. Immer nur die Sicherheitskarte auszuspielen langweilt und entwertet am Ende die Marke – die mehr ist als nur ein Konstrukt von Absatz- und Gewinnzahlen. Doch wie kann dies gelingen?

Zum Teil hat Cook dies schon begriffen und lässt vorzugsweise das Team bei öffentlichen Auftritten zu Worte kommen. Doch fehlt es am Ende noch immer an einer zentralen Identifikationsfigur, an der man sich reiben kann. Wahrscheinlich war zuletzt der 2012 von Cook geschasste Scott Forstall ein solches, charismatisches „Arschloch“. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, eine ähnlich schillernde Gallionsfigur aufzubauen und den Fans und der Presse zu präsentieren. Der muss ja nicht den Posten des CEO innehaben, der – meines Wissens bei Apple nie vergebene – Posten des CVO (Chief Visionary Officer) böte sich an. Der neue CVO könnte dann als „Enfant terrible“ den alten Erbsenzähler Tim Cook und somit die Entwicklung des Unternehmens vor sich hertreiben. Für die Fans und Apple selbst nicht die schlechteste Lösung, oder irre ich?

Vielleicht ein Job für Michael Fassbender? Als Steve Jobs durfte er sich schon im Film eindrucksvoll beweisen:

STEVE JOBS Trailer 2 German Deutsch (2015).

Abstimmung: Welches Unternehmen sollte Apple sich 2019 kaufen?

Der Journalist Tae Kim plädierte kürzlich dafür, Apple solle das japanische Unternehmen Nintendo kaufen. Aber wäre das wirklich eine gute Idee? Gib hier deine Stimme ab.

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