Apples geheime iPhone-Logistik: Beschützte Container und volle Jets

Flavio Trillo

Als am Stichtag die ersten iPhone 5s und 5c über die Ladentheken der Welt gingen, war das nur der Höhepunkt eines monatelang geplanten Balletts aus Lastwagen, Zulieferern und Cargo-Jets. Apples Logistik ist einzigartig und vor allem: geheim.

Apples geheime iPhone-Logistik: Beschützte Container und volle Jets

Jedes iPhone beginnt seine Reise in China. Dort wird es auf eine Palette gepackt und zusammen mit tausenden seiner Artgenossen auf einem Lastwagen zum Flughafen gefahren. Von dort startet eine dickbauchige Boeing 777 mit vollem Tank. Ziel: Das andere Ende der Welt.

Für den US-Markt ist Dienstleister FedEx verantwortlich. Ohne Zwischenstopp werden so je Jetladung etwa 450.000 iPhones über den Pazifik nach Memphis gebracht. Dort befindet sich das zentrale Verteilungslager für die gesamten Vereinigten Staaten. Ein solcher Flug kostet Apple 242.000 US-Dollar — also etwa 0,54 Dollar pro iPhone.

Bei einem größeren Elektronikgerät, einem Drucker etwa, sieht das ganz anders aus. Der kostet vielleicht 100 Euro, nimmt aber zehn Mal so viel Platz weg, wie ein iPhone. Für HP, Brother und Co. gibt es also keine bequeme Flugreise. Statt dessen wird die sperrige Hardware per Boot durch die Welt geschippert. Das ist günstiger.

Bloomberg zitiert für seinen Bericht verschiedene Personen, die mit den Vorgängen vertraut seien. Einige davon wollen lieber anonym bleiben, denn Apples Logistik-Expertise ist eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

Schwarz eingeschlagen steht die Ware auf dem Flughafen und warten auf weitere Lastwagen. Kaum ein Hinweis auf ihren Ursprung oder ihre Schöpfer, mit Ausnahme eines kleinen Zettels, der nur wenige Rückschlüsse auf den Eigentümer zulässt.

Stets begleitet ein Sicherheitsdienst die Container und Paletten. Nicht eine Sekunde wird die kostbare Ladung aus den Augen gelassen, von dem Moment, in dem sie vom Band kullert bis sie im Store ins Eigentum des Käufers übergeht.

Richard Metzler, ein ehemaliger FedEx-Manager beschreibt die Vorgänge so:

„Es ist wie eine Filmpremiere. Alles muss überall exakt zur gleichen Zeit eintreffen.“

Das erfordert eine wahre Meisterleistung von Jeff Williams, dem Chief of Operations in Cupertino, und seinem Team. Besonders dann, wenn nicht nur ein Modell mit drei Speichervarianten und zwei Farben, sondern gleich zwei verschiedene Modelle mit drei, beziehungsweise 5 verschiedenen Farben und unterschiedlichen Speichergrößen gleichzeitig in den Verkauf starten.

Vielleicht hat Apple auch deswegen den Vorverkauf auf das iPhone 5c beschränkt, um einen Vorteil bei der Planung für Foxconn und Co zu haben.

Dabei werden die zu liefernden Mengen ständig an den aktuellen Bedarf angepasst. Apple sammelt dazu Verkaufsdaten aus den Stores aller Welt und dem Online-Geschäft, nahezu in Echtzeit. So weiß der Hersteller stets, welche Modelle in welchem Winkel der Erde gerade besonders stark nachgefragt werden und kann Lieferungen aus China kurzfristig umleiten.

Auch von Mike Fawkes, einem ehemaligen Verantwortlichen für Zulieferer bei HP, hört man nur Lob für Apples Logistiker:

„Die Leute sagen immer, wie die Produkte für Apples Erfolg ausschlaggebend sind. Das stimmt zwar, doch ihr logistisches Know-How und ihre Fähigkeit, neue Produkte effizient auf den Markt zu bringen, sind beispiellos und ein enormer Vorteil gegenüber den Wettbewerbern.“

Doch wer glaubt, ab dem ersten Verkaufstag legen die Verantwortlichen die Füße hoch, der hat sich getäuscht. Direkt nach dem Ende des letzten Aktes im iPhone-Ballett gibt es Manöverkritik. Was ist schief gelaufen? Was müssen wir beim nächsten Mal besser machen? Was haben wir gelernt? Damit für den Verkaufsstart des iPhone 6 alles noch ein bisschen glatter läuft.

Abstimmung: Welches Unternehmen sollte Apple sich 2019 kaufen?

Der Journalist Tae Kim plädierte kürzlich dafür, Apple solle das japanische Unternehmen Nintendo kaufen. Aber wäre das wirklich eine gute Idee? Gib hier deine Stimme ab.

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