Black Friday ohne Apple: Der Pionier verlässt das Boot (Kommentar)

Sven Kaulfuss 6

Kein „Black Friday“ ohne Apple? Nicht so in diesem Jahr. Der Hersteller erteilt der Kommerzhatz hierzulande eine Absage und überlässt das Feld freimütig den Händlern. Nette Geste, Hochmut…warum nur?

Black Friday ohne Apple: Der Pionier verlässt das Boot (Kommentar)
Bildquelle: shutterstock (small fishing boat…).

Der kalifornische Kulthersteller überrascht an diesem Tag des Konsumterrors mit seiner Absenz. Noch vor wenigen Jahren war der Begriff „Black Friday“ in teutonischen Landen unbekannt. Unbedarfte Besserwisser verwiesen höchstens – fälschlicherweise – auf einen etwaigen Börsencrash im Jahre 1929. Dann kam Apple (2006) und etablierte die Rabattschlacht am letzten Novemberfreitag auch hierzulande. Die hiesige Händlerschaft horchte auf, zollte dem Respekt und schloss sich fortan dieser ureigenen, amerikanischen Tradition an.

Doch schon im letzten Jahr verließ dem Black-Friday-Pionier die Leidenschaft. Die Rabatte eher durchwachsen, außerhalb Europas gab es zudem nur Gutscheine, keine direkten Preisreduzierungen. In diesem Jahr zog Apple nun endgültig die Reißleine: Allein in den USA gibt’s noch iTunes-Gutscheine am heutigen „Black Friday“, der Rest der Welt geht komplett leer aus. Die Händler springen bereitwillig in die Bresche – wir berichteten.

(RED) Monday statt Black Friday: Apple entdeckt die Wohltätigkeit

Apple verweist stattdessen auf eine prominent beworbene Wohltätigkeitsaktion: Einen (unbekannten) Teil der Einnahmen vom 1. Dezember (Welt-AIDS-Tag) möchte man der Aktion (RED) im Kampf gegen die Krankheit spenden. Hinzu kommen noch App-Einnahmen. Statt „Black Friday“, gibt’s dann also den „(RED) Monday“ fürs gute Gewissen. Ernsthaft? Apple verzichtet freiwillig auf die Konsumschlacht und deren höhere Umsätze, öffnet sich lieber karitativen Gedanken? Wie glaubhaft ist dieses Begehren tatsächlich?

Man solle mich nicht falsch verstehen, jeder Euro, Dollar oder Yen ist für einen solchen guten Zweck goldrichtig angelegt, die Bemühungen Apples zu honorieren. Dennoch: Die Konstellation ist in sich nicht konsequent genug. Warum erhalten nur die Amerikaner dann doch noch iTunes-Gutscheine? Warum nicht auch wir hierzulande? Oder besser gefragt: Warum verzichtet man nicht auch in den USA komplett auf die Beigabe dieser kleinen Nettigkeit?

Konsequent wäre es doch, würde Apple dennoch weltweit Rabatte geben und gleichzeitig einen festen, prozentualen Anteil der Einnahmen zwischen dem 28.11. und 01.12. an (RED) spenden – transparent und nachvollziehbar. Nach dem Motto: Kaufe und spare für den Weltfrieden! Aber so, wie aktuell gelöst, kann ich mich nicht dem Eindruck erwehren, dass Apple nur halbherzig agiert.

Lieber Tim Cook, fürs nächste Mal: Schmeiß die Controller aus dem Zimmer, höre auf deine innere Stimme und zieh die Sache bitte richtig durch!

Abstimmung: Welches Unternehmen sollte Apple sich 2019 kaufen?

Der Journalist Tae Kim plädierte kürzlich dafür, Apple solle das japanische Unternehmen Nintendo kaufen. Aber wäre das wirklich eine gute Idee? Gib hier deine Stimme ab.

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