Geständnis: 5 Gründe, warum ich als Android-Fan auch mit einem iPhone leben könnte

Kaan Gürayer 30

Es ist verlockend, sich einem simplen Schwarz-Weiß-Denken hinzugeben. McDonalds schmeckt besser als Burger King, Lionel Messi spielt schöneren Fußball als Cristiano Ronaldo und Android ist iOS natürlich haushoch überlegen. Die Realität sieht aber ein bisschen komplizierter aus und ist voller Grautöne. Anno 2016 muss auch ich als Android-Fan eingestehen: Ich könnte auch gut mit einem iPhone leben. 

Android-Nutzer bin ich seit 2009: Damals hat mich das legendäre Motorola Milestone auf die Pfade von Googles mobilem Betriebssystem gebracht. Meinen ersten Kontakt mit iOS hatte ich ein Jahr darauf, als ich mir voller Vorfreude ein iPad kaufte. Die Freude wich in gefühlter Lichtgeschwindigkeit aber dem Entsetzen: Ich war gefangen! Gekettet an ein System, das mir langsam die Luft zum Atmen abschnürte und jede Freude an der Technik nahm. Mein iPad ging also wieder zurück und ich wandte mich wieder meinem geliebten Android zu.

Sechs Jahre ist dieser erste „Zusammenprall“ mit iOS nun her. In dieser Zeitspanne hat sich eine Menge getan, weshalb ich heute ohne Probleme zugeben kann, dass ich auch mit einem iPhone glücklich werden könnte. Das hat einerseits mit mir selbst zu tun, der Art und Weise, wie ich Technik nutze und natürlich mit iOS selbst, das über die Jahre reifer geworden ist und viele bekannte Android-Funktionen übernommen hat. Es folgen: 5 Gründe, warum ich als Android-Fan mit einem iPhone leben könnte.

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1. iTunes-Zwang weg

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In meinen Augen, ich bin übrigens Mac-Nutzer, ist iTunes die schlimmste Software, die jemals erschaffen wurde. Kompliziert, überladen und einfach ein Graus in Sachen Usability. Seit iOS 5 muss man kein iTunes mehr verwenden, um ein iOS-Gerät nutzen zu können. Natürlich hat iTunes auch Vorteile, etwa die komplette Backup-Funktion, das ändert aber grundsätzlich nichts am iTunes-Horror an sich. Mein iPad Air 2 wurde noch nie mit iTunes gekoppelt.

2. Veränderter Medienkonsum

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Die Art und Weise, wie ich Medien konsumiere, hat sich in den vergangenen Jahren komplett gewandelt. Filme und Serien? Schaue ich auf Netflix und Amazon Prime. Musik höre ich über Spotify und Google Play Musik. Dass ich bei iOS aufgrund des fehlenden Zugriff aufs Dateisystem nicht per Drag and Drop Mediendateien hin- und herschieben kann, stört mich anno 2016 nicht mehr.

3. iOS hat funktionstechnisch aufgeholt

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Eine Vielzahl von Funktionen, die vor einigen Jahren nur exklusiv auf Android zu finden waren, gibt es mittlerweile auch auf iOS. Zuallererst ist hier das überarbeitete Benachrichtigungssystem zu nennen, das in iOS 5 Einzug gehalten hat. Was war es damals beim ersten iPad für mich ein Graus, dass es keine zentrale Anlaufstelle für Benachrichtigungen gab und man in jeder App einzeln nach wichtigen Benachrichtigungen Ausschau halten musste. Ebenfalls von zentraler Bedeutung: Share Sheets. In iOS 8 wurde das Feature eingeführt, mit denen Apps Inhalte endlich auch untereinander austauschen konnten. Die Vorstellung, dass iOS bis 2014 gebraucht hat, um etwa ein Bild aus der Galerie ohne Umwege auch auf Facebook posten zu können, mutet für Android-Nutzer ziemlich skurril an. Die Liste der von Android übernommenen Features ließe sich mit Drittanbieter-Tastaturen, Siri Proactive und anderen Funktionen noch lange fortsetzen.

4. Der Skeuomorphismus ist tot

Ich liebe moderne Benutzeroberflächen, die minimalistisch sind und ohne viel Schnickschnack daherkommen. Vor iOS 7 habe ich jedes mal einen regelrechten Brechreiz bekommen, wenn ich diese falschen Ledernähte in diversen iOS-Apps gesehen habe, diese Bücherregale in Holzoptik oder die widerlichen gelben Notizblätter in Notes. Nachdem Scott Forstall und damit der Skeuomorphismus aber geschasst wurde und Jony Ive nun die iOS-Entwicklung in Sachen User Interface übersieht, wirkt iOS jetzt reifer und nicht mehr wie die Senioren-Version eines mobilen Betriebssystems.

5. Personalisierung ist weniger wichtig

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Nicht nur iOS oder mein Medienkonsum hat sich geändert, sondern auch ich selbst. Der Schreiberling dieser Zeilen hat die Schallmauer von 30 Jahren durchbrochen (spart euch euer Mitleid) und hat mittlerweile weder die Zeit noch die Lust, großartig an seinem Mobilgerät „herumzubasteln“. Die Zeiten, in denen ich jeden neuen Launcher getestet, mich wie besessen auf jedes Icon Pack gestürzt und jedes noch so nutzlose Widget auf meinen Homescreen geklatscht habe, sind einfach vorbei. Personalisierung ist mir heute weit weniger wichtig als in der Vergangenheit.

Fazit

Tatsächlich, ja: Ich könnte auch mit einem iPhone glücklich werden. Renne ich jetzt in den nächsten Apple Store, lege knapp 750 Euro auf den Tisch und kaufe mir ein iPhone 6s (am besten noch in Roségold)? Mit Sicherheit nicht. Für die gebotene Leistung – beim Mac und iPad sehe ich das übrigens anders – finde ich Apples iPhone-Preise noch immer überteuert. Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Man muss anerkennen, dass sich iOS weiterentwickelt hat. Zusammen mit meinem veränderten Medienkonsum und der Unlust, groß Hand anzulegen und das eigene Mobiltelefon bis auf Teufel komm raus zu „personalisieren“, wäre die Nutzung eines iPhones heutzutage tatsächlich kein Alptraum mehr.

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