Hausaufgaben für die Android-Konkurrenz: Warum will Apple den Planeten retten?

Sven Kaulfuss 6

Jedes produzierte iPhone bindet unglaublich viel Energie und Ressourcen. Nicht besser – wahrscheinlich sogar noch schlechter – die Konkurrenz aus dem Android-Lager. Apple allerdings hat seit geraumer Zeit für sich das Öko-Marketing entdeckt und stellt die jüngsten Errungenschaften in den Fokus der Produktpräsentationen. Ein gutes Vorbild – oder am Ende nur ein fauler Zauber?

Hausaufgaben für die Android-Konkurrenz: Warum will Apple den Planeten retten?
Bildquelle: Apple (Recycling-Roboter Daisy).

Machen wir uns nichts vor, die Menschheit plündert und wildert diesen Planeten, seitdem der erste Faustkeil geformt wurde. Besonders für den „Homo iPhonesensis“ und dessen sehr nahen Verwandten, den „Homo Androididis“, werden tagtäglich unglaublich viele Ressourcen verschwendet. Apple allerdings gilt mittlerweile als Musterschüler der „Öko-Klasse“. Vor Jahren noch ein fauler Saulus, heute der Klassenbeste – wie diverse Rankings unter Beweis stellen.

Apple in grün: Kann ein iPhone den Planeten retten?

Und auch Apple selbst wird nicht müde, diese Erfolge ins rechte Licht zu rücken. Zuletzt bei der Präsentation des iPhone XS, iPhone XS Max und iPhone XR. Umwelt-Vorstand Lisa Jackson trat beschwingt auf die Bühne und durfte inmitten des Produktfeuerwerks noch mal kurz raus, um den Planeten zu retten. Nun ja, zumindest das schlechte Gewissen des Herstellers und der Kunden.

Werden schon unter verstärkten ökologischen Gesichtspunkten produziert – die neuen iPhones, hier im Video zu sehen: 

iPhone XS, XS Max und XR vorgestellt: Das sind die neuen Apple-Handys.

Mittlerweile nutze Apple nur noch Strom aus erneuerbaren Energiequellen, so die kurze Erinnerung von Ms. Jackson. Ein Ziel, welches zuvor undenkbar erschien. Es folgt die nächste Absichtserklärung: Für Apple-Produkte sollen zukünftig keine Materialen mehr aus dem Schoße von Mutter Erde geborgen werden. Apples Schlachtplan für dieses hehre Ziel:

  • Produkte nur aus recyclebaren und erneuerbaren Materialen verwenden.
  • Produkte sollen so lange wie möglich halten.
  • Produkte sollen ordentlich wiederaufbereitet werden.

Beispiele gibt’s dann auch gleich zu bestaunen. So verwendet Apple bei den neuen iPhones nur noch wiederaufbereitetes Zinn, ebenso besteht das Gehäuse des Lautsprechers aus 35 Prozent Recycling-Plastik. Hinzu verpflichtet sich Apple „selbstlos“ jedes Produkt am Ende zurückzunehmen und umweltgerecht zu entsorgen. Für funktionstüchtige iPhones gibt’s sogar noch Geld beziehungsweise Gutschriften – natürlich nicht so viel wie am freien Gebrauchtmarkt, aber immerhin.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Der wahre Grund für Apples ökologische Bemühungen

Doch ist der iPhone-Hersteller tatsächlich so altruistisch und ein echter „Planetenretter“ – Tim Cook am Ende der Superman der Handy-Branche und Ms. Jackson die Wonder Woman? Zweifel sind angebracht, vor allem im Bezug auf die Beweggründe. Aus Eigenantrieb erfolgte das Umdenken nämlich nicht. Jahre zuvor hagelte es immer wieder Kritik an Apple, diverse Tadel, die man ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr länger verschweigen und ignorieren konnte. Also dachte man sich: Angriff ist die beste Verteidigung und nahm sich der Kritikpunkte an. Nur allein Dank der vorherigen Kritik nutzt Apple heute zu 100 Prozent Ökostrom. Was wäre die Alternative gewesen? Ein schlechtes Image – kein gutes Wachstumszeichen.

Apples Datenzentren nutzen schon 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energiequellen – ein seltener Blick ins Innere:

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7 Bilder
Was sonst niemand sehen darf: Bilder von Apples weltweiter Datenzentrale.

Hey ihr Androiden: Hier dürft ihr Apple kopieren!

Und so kann Apple am Ende nur gewinnen. Gewinnen an einem Image, einem unbefleckten und somit sauberen Markenbild. Das Instrument, um Stammkunden zu halten und Neukunden zu generieren. Die spülen dann wieder Geld in die Kassen. Die Rettung des Planeten ist sicherlich nicht das eigentliche Ziel Apples, es wäre am Ende nur ein netter und aus betriebswirtschaftlicher Sicht sogar notwendiger Nebeneffekt.

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Mutter Erde kann es recht sein und der Konkurrenz doch nur billig, oder? Also, Samsung, Huawei und die vielen unzähligen Handy-Buden im Reich der Mitte: Eifert Apple doch auch mal beim Öko-Marketing nach. Dann haben wir und unsere zukünftigen Renten-Einzahler vielleicht tatsächlich mal was davon. Danke.

Hinweis: Die in diesem Kommentar geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

Quelle: Apple

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