Meine erste Spielkonsole im „Arbeiter- und Bauernstaat“: Als Pixel noch „Klötzchen” hießen

Sven Kaulfuss

Die Festtage liegen vor uns, Zeit sich vor dem virtuellen Kaminfeuer einzufinden und den jüngeren Lesern von früheren, spannenderen Tagen zu erzählen. Die erste Ausgabe unserer Feiertags-Kolumne erzählt vom digitalen Spielespaß im einstigen real existierenden Sozialismus – meine erste Spielkonsole.

Meine erste Spielkonsole im „Arbeiter- und Bauernstaat“: Als Pixel noch „Klötzchen” hießen
Bildquelle: pixabay (Atari VCS 2600).

Als Kind der „sogenannten“ DDR (um an dieser Stelle mal die damalige Sprachregelung des Axel-Springer-Verlages zu zitieren) kam man mit neuartiger „Westtechnik“ nur bedingt in Kontakt – dazu zählten während der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts im weiteren Sinne auch die Videospiele. Doch es gab sie, diese Begegnungen der besonderen Art.

Kaum zu kaufen: Spielkonsole made in GDR

Ich erinnere mich noch gut an meinen Erstkontakt mit dem BSS 01 im nächstliegenden Pionierhaus. Mit dem was und wo? Der Reihe nach. Das Bildschirmspiel 01 (BSS 01) war eine Pong-Konsole, die Anfang der achtziger Jahre sogar in der DDR gebaut wurde, circa 1.000 Stück wurden davon verkauft, vorzugsweise zu finden in Jugendzentren wie eben jenen Pionierhäusern – quasi Jugendclubs mit eindeutiger, staatlicher Einflussnahme. Faszinierend bewegten wir mittels Drehregler auf dem Paddle die Pixel, die damals berechtigterweise noch „Klötzchen“ hießen. Privat gab es die Spielkonsole aber so gut wie gar nicht zu kaufen – wie vieles im real existierenden Sozialismus. Wohl auch weil der benötigte Schaltkreis importiert werden musste.

YouTuber amüsieren sich mit der DDR-Spielekonsole:

Atari VCS 2600: Der Ausweg

Der Ausweg: Man konnte auch bei diversen An- und Verkaufsläden die Originale von Atari und Co. aus dem imperialistischen Ausland erwerben – mit etwas Glück, denn nicht immer gab es die Spielkonsolen zu kaufen. Ich selbst konnte als Minderjähriger nur davon träumen. Mein älterer Bruder allerdings, der schon zum Arbeitervolk zählte, sparte sein Geld und investierte den Gegenwert von ein, zwei Monatsgehältern in einen gebrauchten Atari VCS 2600. Immerhin gab es gleich fünf Spiele dazu. Übrigens, die heutzutage gefeierte Idee der „shared community“ war damals gelebte Praxis – sprich mein Bruder und ich teilten uns den Spiele-Spaß.

Was hat denn dieser Film aus dem Jahr 2018 mit dem Atari VCS 2600 zu tun? 

Ready Player One.

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2018: Ein Wiedersehen mit „Adventure“

Dazu zählte auch ein ganz besonders Game, eines, dem Steven Spielberg in seinem letzten Kinohit „Ready Player One“ ein kleines Denkmal setzte – Adventure, das erste Spiel, welches auch ein „Easter Egg“ enthielt. Was freute ich mich damals wie ein Schneekönig, als ich doch tatsächlich auf dieses kleine Geheimnis stieß. Nicht minder die innere Freude beim Wiedersehen im Kino – über 30 Jahre später. Fragt ihr euch noch immer: Wovon spricht der alte Mann da überhaupt? Nicht nur in dem Fall: Ready Player One anschauen – einer der besseren Filme aus diesem Jahr und ein popkulturelles Festessen sondergleichen.

Guten Appetit!

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