Bose Soundwear Companion speaker im Test: Halb Lautsprecher, halb Kopfhörer

Stefan Bubeck

Den „Bose SoundWear Companion speaker“ trägt man wie Schmuck, der um den Nacken gelegt wird. Es handelt sich um einen flexiblen Bluetooth-Lautsprecher (), der den Klang zielgerichtet auf die Ohren des Trägers abstrahlt und somit funktional einem Kopfhörer ähnelt. Wir haben den Exoten ausprobiert und dabei einen neuen Grad der Freiheit für uns entdeckt.

Bose Soundwear Companion speaker im Test: Halb Lautsprecher, halb Kopfhörer

„Ich bin ein Möter. Halb Mensch, halb Köter.“ – Diese Selbstbeschreibung der außerirdischen Figur Waldi aus dem witzigen Kultfilm Spaceballs (1987) kam uns beim ersten Ausprobieren des Bose Soundwear irgendwie in den Sinn. Beim Soundwear scheint es nämlich, als habe der amerikanische Hifi-Hersteller Bose ungefragt zwei Produktkategorien zu einer neuen Gattung verschmolzen. Einfach so, weil es eben ging. Die Frage ist nur, ob dabei ein schreckliches Monster entstanden ist oder doch ein durchaus sympatischer Begleiter wie der liebe Waldi.

Boses Verschmelzungsexperiment war riskant, denn die Zielgruppe für den Soundwear dürfte winzig sein. Man muss den Menschen erstmal klar machen, wozu man so einen tragbaren persönlichen Lautsprecher überhaupt brauchen könnte – denn der individuelle Musikgenuss wird ja bereits von Kopfhörern bedient und für alles andere gibt’s eine riesige Auswahl an Bluetooth-Boxen in jeder Größe. Unsere kürzeste Antwort darauf lautet: „Wenn du die Ohren frei haben möchtest – etwa, um mehr von der Umgebung mitzubekommen – und trotzdem Stereo-Sound haben möchtest, ohne gleich ein Paar richtige Lautsprecher aufzudrehen.“ Alles klar – oder? Die nicht klärbare Frage nach dem Sinn und Zweck dieses „Nackenlautsprechers“ ist sein größtes Problem.

Die Verarbeitung ist top, der biegsame SoundWear ist mit einer abnehmbaren Stoffhaut bespannt, seitlich befinden sich Buttons (Ein/Aus, Lautstärke etc.) mit gutem Druckpunkt. Das Gewicht ist mit 266 Gramm genau richtig und nicht zu schwer. Der Akku läuft bis zu 12 Stunden, wobei dieser Wert stark von der gewählten Lautstärke abhängt. Gefallen hat uns auch das dezente Design: Wer den SoundWear trägt, fällt nicht als durchgeknallter Tech-Jünger auf.

Der Klang ist nicht so leicht zu bewerten. Der Sound ist Bose-typisch auf der wärmeren Seite angesiedelt, mit voluminösem Bassfundament und weich abgerundeten Höhen. Der Mittenbereich wirkt zuweilen ein wenig belegt, das kommt aber auf den abgespielten Song an. Die Lautstärke reicht von angenehmer Hintergrundbeschallung bis hin zu großen Pegeln mit körperlich spürbarem Punch. Gewöhnungsbedürftig ist auf jeden Fall der räumliche Eindruck des Klangs: Der Träger des Bose SoundWear befindet sich mit seinem Kopf in der Spitze eines virtuellen Kegels. Wer sich mit den Ohren mittig zwischen zwei kompakte und nach oben gerichtete (PC-)Lautsprecher begibt, kann diesen Effekt ein Stück weit simulieren. Nach einigen Stunden (nicht Minuten) hat man sich daran gewöhnt, vor allem beim Filmschauen gefällt der Bose SoundWear als Alternative zu großen Lautsprechern – die Dynamik bei Kinolautstärke macht richtig Spaß. Im Herstellervideo sieht man gut, wie der Schall durch den Nackenbügel geleitet wird:

Bose SoundWear Companion speaker: Spitzenklang zum Umhängen.

Die Hausnachbarn dürften auch bei großer Lautstärke nichts vom SoundWear mitbekommen. Die Sitznachbarn in der Uni oder auf Arbeit allerdings schon: Sie nehmen die Höhen war, als würde da in der Ferne ein Handylautsprecher Musik abspielen. Der Träger bekommt dabei einen wesentlich voluminöseren Sound mit satten Bässen zu hören, aber im Vergleich zu herkömmlichen (geschlossenen) Kopfhörern ist der Nackenlautsprecher kaum für Großraumbüros geeignet. Der Bass lässt sich mit der Bose-Connect-App herunterregeln.

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SoundWear Companion speaker: Unser Testurteil

Ein Nischenprodukt, das mit viel Liebe zum Detail und qualitativ hochwertig umgesetzt wurde. Der SoundWear bietet ein Gefühl der Freiheit, schottet nicht ab – wie ein kompaktes Desktop-Speaker-System auf den Schultern, das praktisch jede Bewegung mitmacht. Der Einsatzbereich ist klein, aber vorhanden: Spaziergänge, Home Office (Telefonieren), alleine Filme in der hellhörigen Mietwohnung schauen, im Garten arbeiten – wer den Bose SoundWear einmal in allen möglichen Situationen dabei hatte, wird auch seine Sparte irgendwo finden. Klanglich kann der Nackenlautsprecher nicht mit klassischen Kopfhörern dieser Preisklasse mithalten, aber das muss er vielleicht auch gar nicht. Er muss nur seine Nische bedienen und das so gut wie nur möglich – diese Aufgabenstellung meistert Bose erwartungsgemäß: Einen besseren Nackenlautsprecher als den SoundWear Companion speaker wird man aktuell nirgends finden.

Bose SoundWear Companion speaker: Bewertung

  • Klang: 65 Prozent
  • Tragekomfort: 100 Prozent
  • Hardware, Design & Funktionen: 85 Prozent
  • Akku: 70 Prozent

Gesamt: 75 Prozent (der Klang bildet 50 Prozent der Gesamtnote)

Bose Soundwear: Das hat uns gefallen

  • Verarbeitung: Boses erster Wurf bei dieser neuartigen Produktgattung ist qualitativ gelungen. Der Soundwear Companion fühlt sich stabil und wertig an, die Flexibilität und der passgenaue Stoffüberzug überzeugen.
  • Klang: Boses gefälliger „Trademark-Sound“ wurde konsequent umgesetzt. Wir bekommen ein sattes Bassfundament, leicht zurückhaltende Mitten und sanfte, nie harsche Höhen.
  • Tragekomfort: Besser geht nicht. Da drückt und zwickt nichts, das Gewicht passt und die allermeisten Bewegungen (außer vielleicht einen Salto) macht der Nackenlautsprecher auch mit.
  • Design: Kein glänzendes Plastik, keine unnötigen Muster – dieser Nackenlautsprecher ist ausgesprochen dezent gestaltet.

Das fanden wir nicht so gut

  • Der Klang ist gut, aber: Mit einem 300-Euro-Kopfhörer kann der Soundwear nicht mithalten, also nicht mal ansatzweise. Eine große Stereoanlage ersetzt er auch nicht. Dazu kommt dieses eigenartige Gefühl, in einem Trichter aus Klang zu sitzen, der sich mit jeder Körperdrehung mitbewegt. Man kann sich daran gewöhnen, aber das dauert eine Weile.
  • Akkulaufzeit: Mit bis zu zwölf Stunden kommt man zwar locker durch den Tag, aber gute Bluetooth-Kopfhörer setzen da mittlerweile nochmal zehn Stunden drauf. Vielleicht wäre noch mehr drin gewesen.
  • Öffentlichkeits-Tauglichkeit: Kann man mit dem Bose Soundwear Companion im Büro sitzen oder ein paar Songs im ICE von München nach Hamburg hören? Nein – sei bitte nicht dieser Typ, der sowas macht. Die anderen hören, was du hörst – dieses Gadget ist nur für private Szenarien gedacht.

Gut zu wissen

  • Geladen wird per Micro-USB.
  • Die passende App „Bose Connect“  hilft beim Verwalten von Bluetooth-Verbindungen und lässt den Nutzer den Sound anpassen (z.B. „Dialogmodus“)
  • Laut aufgedreht und auf den Tisch gelegt, lässt sich der Bose Soundwear Companion speaker auch als herkömmlicher Lautsprecher nutzen – ist zwar nicht so vorgesehen, geht aber.

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