Mobiles Internet: Neue LTE-Frequenz & mehr Speed für Deutschland

Kaan Gürayer 3

Mit modernen Smartphones ist es wie mit Autos: Schnell in der Theorie, langsam in der Praxis. Während unser Fahrvergnügen durch kaputte Straßen, Staus und Tempolimits ausgebremst wird, sind es bei Smartphones veraltete Netze, die schnelle Downloadraten verhindern. Jetzt will die Bundesnetzagentur dem trägen Internet aber auf die Sprünge helfen: Innerhalb von drei Jahren soll bei 98 Prozent aller Haushalte mobiles Internet mit durchschnittlich 50 Mbit/s verfügbar sein. 

Mobiles Internet: Neue LTE-Frequenz & mehr Speed für Deutschland

Ein Blick zu unseren europäischen Nachbarn verrät den desolaten Zustand des mobilen Internets in Deutschland: Während Nutzer in Dänemark eine durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit von 22,3 Mbit/s genießen, sind es hierzulande gerade mal 6,1 Mbit/s. Nun könnte man anführen, dass Deutschland ein Flächenstaat ist und die Versorgung mit schnellem mobilen Internet hier schwieriger umzusetzen sei als in einem vergleichsweise kleinen Land wie Dänemark, aber Fehlanzeige: Auch Frankreich und Polen liegen mit 8,6 Mbit/s beziehungsweise 8,4 Mbit/s noch vor Deutschland. Besonders der Vergleich mit unserem östlichen Nachbarn ist ein Armutszeugnis für die hiesigen Netzbetreiber: Deutschland ist die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt, während Polen auf Platz 23 liegt (Stand 2013, für 2014 liegen noch keine endgültigen Daten vor). Das zeigt, dass schnelles mobiles Internet nicht unbedingt eine Frage des Geldes ist, sondern eher des Willens. Glücklicherweise scheint die Bundesnetzagentur jetzt aber genau diesen Willen aufzubringen.

Mindestbandbreite von 50 Mbit/s und flächendeckendes Netz

Bei der anstehenden Versteigerung von 700 MHz-Frequenzen hat der Beirat der Bundesnetzagentur beschlossen, eine breite Versorgung der Bevölkerung mit schnellem mobilen Internet sicherzustellen. So müssen die Netzbetreiber nach der Zuteilung der Frequenzen dafür sorgen, dass innerhalb von drei Jahren 98 Prozent der Haushalte in Deutschland mit mobilem Breitband-Internet versorgt sind. Eine Mindestabdeckung von 97 Prozent soll je Bundesland gewährleistet werden, pro Funkzelle liegt das Planziel bei einer Mindestbandbreite von 50 Mbit/s. Doch nicht nur der Privatnutzer soll vom schnellen Internet profitieren, auch die Wirtschaft: „Damit schaffen wir die Voraussetzung für die nötige Digitalisierung unserer Industrie sowie für Zukunftstechnologien wie das autonome Fahren und ermöglichen zugleich jedem eine bessere mobile Internetnutzung“, meint dazu Dr. Bernhard Rohleder (CDU), Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BITKOM. „Hierzu wird auch die flächendeckende Versorgung mit mobilem Internet entlang der Autobahnen und ICE-Trassen beitragen.“

Noch viele politische und verwaltungstechnische Schritte nötig

So ambitioniert der Fahrplan der Bundesnetzagentur auch ist: Bis wir in Deutschland tatsächlich durchschnittliche Downloadraten von 50 Mbit/s erleben, sind noch eine Menge politische beziehungsweise verwaltungstechnische Schritte nötig. So muss die Präsidentenkammer der Bundesnetzagentur im nächsten Schritt die Auktionsdetails bestätigen, außerdem muss vor der Aktion die Frequenzverordnung geändert werden. Dieser Änderung muss sowohl das Bundeskabinett als auch der Bundesrat zustimmen. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann die Auktion der 700 MHz-Frequenzen dann im zweiten Quartal dieses Jahres stattfinden. Dieser Frequenzbereich wird derzeit noch vom Rundfunk genutzt. Sobald dieser aber sein Angebot auf den neuen DVB-T2-Standard umstellt, kann der Mobilfunk die freigewordenen Frequenzen nutzen, um ein flächendeckendes High-Speed-Netz aufzubauen.

Quelle: GFM Nachrichten

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