Monster Hunter, Resident Evil und DMC: Capcom ist endlich zurück

Lisa Fleischer 2

Während Bethesda und BioWare für ihre aktuellen Spiele und Projekte immer mehr in Verruf geraten, feiert Capcom einen Erfolg nach dem anderen. Monster Hunter World, Resident Evil 2 und Devil May Cry 5: Sie alle werden von Kritikern und Fans in höchsten Tönen gelobt.

Bist du in letzter Zeit auch über diese Memes gestolpert? Dann fragst du dich sicherlich, was es damit auf sich hat. Ist Capcom wirklich von den tot geglaubten wieder auferstanden? Was haben sie da eigentlich zu suchen gehabt? Und sollten wir uns wirklich schon freuen oder wäre das noch zu früh?

Probleme mit der 7. Konsolengeneration

Dabei sah es für den japanischen Publisher vor wenigen Jahren noch mehr schlecht als recht aus. Und damit war das Unternehmen nicht der einzige japanische Publisher, der Mitte der 2000er-Jahre ins Wanken geriet. Auch Konami und Sqaure Enix hatten mit Problemen zu kämpfen. War Japan einst das Land der Videospiele und mit der PlayStation 2 noch hoch im Kurs, kamen mit der damals neuen Konsolengeneration in Form von PlayStation 3 und Xbox 360 Probleme auf japanische Entwickler zu, die offenbar unlösbar schienen.

Dafür gab es gleich mehrere Gründe. James Mielke schilderte 2014 gegenüber The Verge, dass die damalige Gaming-Industrie in Japan nicht sehr effizient arbeitete, während westliche Entwickler schnell auf neue Trends reagierten. Zudem wurden wegen der Leistungsfähigkeit der neuen Konsole realistische Spiele, vor allem First-Person-Shooter, immer beliebter. Anstatt sich an dem neuen Trend zu versuchen und eventuell zu scheitern, beriefen sich japanische Entwickler aber auf ihre alten Stärken – komplexe Spielprinzipien mit eine fantasiereichen Ästhetik.

Das kam auf dem eigenen Markt gut an, vor allem Handheldspiele wurden von japanischen Kunden oft und gerne in der Bahn gespielt. Das sah auch Capcom, die beispielsweise die Monster Hunter-Serie hauptsächlich für Handheld-Konsolen wie den Nintendo 3DS veröffentlichten. In Übersee wurden stattdessen Heimkonsolen bevorzugt – japanische Spiele setzten sich nur noch selten gut ab. Ein Teufelskreislauf: Umso weniger sich die Spiele in westlichen Ländern verkauften, desto mehr produzierten japanische Publisher für den heimischen Markt, so The Verge.

Verhängnisvolle Entscheidungen

Hinzu kamen allerhand Aufreger und Skandale. Besonders Capcom traf es schwer. Ab 2012 wurde das Unternehmen zunehmend für ihre Verkaufstaktiken kritisiert. Sie waren eines der ersten Unternehmen, die Inhalte im fertigen Spiel hinter einer Pay-Wall verbargen, sodass sie Spieler zwar sahen, allerdings nur dann ausprobieren konnten, zahlten sie dafür. Unter anderem ließ sich dies in Street Fighter X Tekken finden. Außerdem wurden sie dafür kritisiert, Spiele dem westlichen Markt absichtlich vorzuenthalten oder vielversprechende Projekte wie Mega Man Legends 3 gar ganz einzustellen.

Zum Verhängnis wurde ihnen auch die Schließung des von Fans geliebten Entwicklers Clover Studio, das unter anderem für das wundervolle Okami zuständig war. Später veröffentlichte Capcom Spielesammlungen alter Klassiker, die allerdings nur wenig aufbereitet wurden – auch das stieß den Spielern negativ auf. In Ultra Street Fighter IV beschwerten sich Spieler über technische Probleme und Bugs, Street Fighter V hatte nur einen Hauch an Singleplayer-Inhalten und hatte darüberhinaus Anfangs mit Server-Problemen zu kämpfen.

Capcom rüstet auf

Das hätte auch gut das Ende von Capcom sein können – aber irgendwie schaffte Capcom doch noch ein Comeback. Und was für eins! Anfang 2017 führten sie ihre berühmt-berüchtigte Horror-Serie Resident Evil zurück zu alten Stärken – indem sie mit dem siebten Teil einen kompletten Neustart wagten. In Resident Evil 7 erkundest du die Welt erstmals aus der First-Person-Perspektive, was den Grusel wieder näher rücken, intensiver werden lässt. Und das kommt an: Während Resident Evil 6 nur eine 74 erhält, wird der siebte Teil auf Metacritic mit einer 86 bewerten.

Ab hier geht es wieder steil Berg auf: Mega Man 11 ist auf Metacritic mit einer 82 vertreten. Monster Hunter World bringt die Serie erstmals auf die PS4 und macht sie damit zugänglicher für westliche Serien-Neulinge. Das Remake von Resident Evil 2 behält die Stärken des beliebten Survival-Horror-Spiels bei, glänzt aber durch die moderne Grafik, das angepasste Gameplay und die dadurch intensivere Atmosphäre. Und Devil May Cry 5 schenkt den Charakteren nach 11 Jahren ein wohlverdientes Make-Over, ohne dabei an Absurdität und Wuchtigkeit einzubüßen.

Kein Wunder, dass sich der Capcom USA-CEO Kiichiro Urata nach dem Release von Devil May Cry 5 so sehr über dessen Erfolg freut, dass er eine kurze Videobotschaft auf Twitter verewigt. Mit einem Dante-Cake-Pop in der Hand sagt er grinsend drei Worte in die Kamera. „Capcom is back“. „Capcom ist zurück.“ Der Startschuss für zahlreiche Memes, die inzwischen durchs Internet ziehen. Doch wie hat Capcom das geschafft?

Wie Capcom die Kehrtwende meisterte

Erst einmal verzichtet Capcom in all den erfolgreichen Titeln auf kostenpflichtige Inhalte, die zum Spielen unabdingbar sind. Jeder, der das Hauptspiel erworben hat, kann es von vorne bis hinten genießen, ganz ohne Einschränkungen. Aus der Krise der japanischen Spieleentwickler hat Capcom offenbar auch gelernt. In jedem ihrer erfolgreichen Spiele der letzten Jahre berufen sie sich auf alte Stärken – intensive Horror-Erfahrungen wie in Resident Evil, ein komplexes Gameplay wie in Monster Hunter, purer Spielspaß wie in Devil May Cry – und gehen gleichzeitig ganz neue Wege.

Zum einen wagen sie sich aber an mehr Realismus, zeigen Charaktere, mit denen du dich identifizieren kannst, und Welten, die dich angesichts ihrer fantastischen Schönheit zum Staunen bringen. Zum anderen werden erfahrene Spieler wie auch Neueinsteiger gleichermaßen bei Laune gehalten, indem Spiele wie Monster Hunter World und Devil May Cry 5 zwar Tutorials bieten, diese aber entweder extra angewählt werden müssen oder von vornherein ein- oder eben ausgeschaltet werden können. Ein Einstieg ist – im Gegensatz zu älteren Teilen – mit relativ geringen Hürden möglich, an Komplexität fehlt es den Titeln aber keinesfalls.

Nicht zuletzt hat Capcom – neben sicherlich vielen weiteren Faktoren – auch die Öffnung zu anderen Plattformen geholfen, wieder zu alter Stärke zu finden. Das wären zum einen natürlich die Heimkonsolen PlayStation 4 und Xbox One, denen Monster Hunter World einen Großteil des Erfolgs zu verdanken hat. Aber auch der PC trägt dazu maßgeblich bei. Hatte sich das Unternehmen vormals aufgrund der Vorlieben des heimischen Marktes vor allem auf Konsolen und Handhelds fokussiert, nimmt Capcom PC-Spieler in letzter Zeit verstärkt in den Fokus.

Wenn auch nicht mit Videospielen, glänzt der japanische Markt seit Jahren immerhin dank dieser nerdigen Ideen:

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Für diese 8 nerdigen Dinge ist Japan beneidenswert.

Und das zahlt sich aus: Capcom-COO Haruhiro Tsujimoto berichtet laut Wccftech kurz vor dem Release von Devil May Cry 5, dass die Verkäufe der PC-Versionen jährlich steigen, in Zukunft will das Unternehmen den Bereich weiter ausbauen. Inzwischen ist klar, dass auch der neuste Titel von Capcom Devil May Cry 5 besonders gut auf dem PC funktioniert. PC Gamer berichtet, das Spiel habe in den letzten Tagen 89.000 gleichzeitige Spieler auf Steam erreichen können – der zweitbeste PC-Titel von Capcom aller Zeiten. Besser war nur Monster Hunter World, der Titel erreichte zeitweise ganze 300.000 gleichzeitige Spieler.

Natürlich bleiben einige Twitter-Nutzer gegenüber Capcom nach wie vor skeptisch eingestellt. Ob Capcom auch weiterhin an den aktuellen Erfolg anknüpfen wird, lässt sich aktuell schlecht voraussagen. Zumindest stehen die Zeichen aber gut, dass Capcom nicht nur zurück ist, sondern auch weiterhin positive Präsenz zeigt. Und falls das doch nicht gelingen sollte, bleiben uns immerhin die Erinnerungen an die Zeit zwischen 2017 und 2019, als Capcom endlich wieder tolle Spiele produzierte – und Fans mit Memes freudig reagierten:

Was denkst du: Begeistern dich die aktuellen Capcom-Spiele auch oder ist unter ihren Veröffentlichungen noch nichts für dich dabei gewesen? Siehst du noch andere Gründe dafür, warum Capcom gerade so erfolreich ist? Und denkst du, das Unternehmen kann seinen aktuellen Erfolg halten oder werden sie schon bald wieder in alte Muster verfallen? Schreibe uns deine Meinung gerne unten in die Kommentare.

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