Cyanogens Kampf gegen Google geht weiter. Insbesondere der Chef des Start-Ups Cyanogen Inc., Kirt McMaster, nimmt kein Blatt vor den Mund und erläutert in einem Interview mit Forbes, inwiefern Android-Smartphones ohne Google-Dienste erfolgreich sein können. Eine große Rolle spielen hierbei Software-Partner wie Microsoft, Spotify und Co., die entsprechende Alternativen bereitstellen.

 

Cyanogen Inc.: Das Unternehmen hinter CyanogenMod

Facts 

„Wir verpassen Google eine Kugel in den Kopf. “ - Was eher nach einem Einzeiler aus einem Action B-Movie klingt, ist Kirt McMasters (im Bild links oben) Kriegserklärung an Google. In mehreren Interviews mit dem US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes äußerte sich der CEO von Cyanogen Inc. über die zukünftigen Ziele seines Unternehmens und machte deutlich, dass in seinen Augen das ideale Android-Smartphone ohne vorinstallierte Google-Apps an den Kunden ausgeliefert werden soll. Stattdessen plant Cyanogen aktuell mit dem in den USA agierenden Hersteller BLU ein Smartphone auf den Markt zu bringen, dass anstelle der Google-Dienste und-Apps jeweils alternativen Apps und Services anderer Unternehmen verwendet.

Dazu zählen neben Microsoft, die unter anderem Office-Applikationen sowie Skype und Bing beitragen, zahlreiche weitere bekannte Namen: Dropbox soll Google Drive ersetzen, der Amazon-App-Store soll anstelle von Google Play zum Herunterladen von Apps dienen und Spotify als Musikplayer die Google-App Play Music ersetzen. Auch der Opera-Browser und Nokia HERE Maps sollen vorinstalliert sein und ersetzen Google Chrome beziehungsweise Maps.

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Cyanogen Inc. - eine aufsteigende Wirtschaftsmacht

Mittlerweile kann man kaum noch behaupten, dass die CyanogenMod nur noch eine Spielerei für Bastler ist. Spätestens seit der Zusammenarbeit mit OnePlus und Micromax konnte sich das dahinter stehende Unternehmen Cyanogen Inc., gegründet von Kirt McMaster, Steve Kondik und dem mittlerweile nicht mehr beteiligten Koushik Dutta, die Aufmerksamkeit der Investoren sichern. Diese schätzten in einer Finanzierungsrunde mit 110 Millionen US-Dollar Kapital den Wert des Unternehmens auf eine Milliarde US-Dollar, einige Analysten gehen auch davon aus, dass ein Marktanteil von Cyanogen in Zukunft auf eine Milliarde Nutzer ansteigen könnte. Das liegt vor allen Dingen daran, dass der Smartphone-Markt noch lange nicht gesättigt ist: Bis 2020 soll die Anzahl der Smartphone-Nutzer von 2,5 Milliarden auf 6 Milliarden ansteigen.

Kirt McMaster ließ im Interview auch durchblicken, was genau die Motivation des Unternehmens hinter dem Kampf gegen Google ist und wie der Schlachtplan lautet. Primär soll sich die CyanogenMod durch Partnerschaften mit Software-Entwicklern finanzieren, die Cyanogen Inc. für eine Integration ihrer Apps im System entlohnen, wohingegen die Umsätze aus den Hardware-Verkäufen nur eine sekundäre Rolle spielen. Positiv für den Kunden ist der Umstand, dass dadurch Smartphones recht günstig werden. Negativ hingegen die mögliche Gefahr, dass finanzielle Aspekte bei der Gestaltung der CyanogenMod eine größere Rolle spielen als der Nutzen der vorinstallierten Applikationen selbst.

Es bleibt abzuwarten, ob es Cyanogen Inc. auf diese Art und Weise gelingen wird, sich auf dem mobilen Markt neben Google und Apple zu positionieren. Die aggressive Positionierung gegenüber Google ist zwar medienwirksam, lässt das Unternehmen allerdings in den Augen vieler Nutzer und ehemaliger CyanogenMod-Fans nicht unbedingt sympathisch wirken. Unfaire Behandlung von Vertragspartnern wie OnePlus oder provokante Prognosen über die Konkurrenz bestärken den Eindruck; überhaupt scheinen Werte wie Erfindergeist und die Freiheit des Nutzers zugunsten einer möglichst effizienten Kriegsstrategie gegen den selbst deklarierten Erzfeind Google in den Hintergrund zu geraten – Werte, die überhaupt erst den Erfolg der CyanogenMod begründeten.

Quelle: Forbes, Phandroid

Tuan Le
Tuan Le, GIGA-Experte.

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